23. März 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Déjà-vu, oder ist es nun anders?
Das Nervenkostüm der Anlegerinnen und Anleger wird auf eine harte Probe gestellt. Der Swiss Perfomance Index hat seit seinem Höchststand 10% verloren. Die amerikanischen Aktien, gemessen am S&P 500, mit 7% etwas weniger.
Im Fokus
Das Nervenkostüm der Anlegerinnen und Anleger wird auf eine harte Probe gestellt. Der Swiss Perfomance Index hat seit seinem Höchststand 10% verloren. Die amerikanischen Aktien, gemessen am S&P 500, mit 7% etwas weniger. Die Zinsen steigen, weil die Angst vor der Inflation die Erwartungen an die Zentralbanken in Richtung restriktiver Geldpolitik verändert. Der Franken wird teurer, obschon die SNB vor einem Eingreifen im Devisenmarkt warnt. Der Goldpreis sinkt, weil verschiedene gehebelte Investoren auf der Suche nach Liquidität alles verkaufen müssen, was Wert hat. Dies könnte der Beginn unseres Marktkommentars im April 2025 nach der Zollverkündung von Donald Trump gewesen sein. Die Marktbewegungen waren die gleichen wie aktuell.
Unsicherheit ja, Panik nein
Nicht ganz so gross wie im letzten April ist der Schock der Finanzmärkte. Der Volatilitätsindex VIX als Massstab für die Unsicherheit befindet sich bei 27%, während er bei den Zöllen im Top über 50% erreichte. Das hat auch damit zu tun, dass der Krieg im Iran und die Probleme in der Strasse von Hormus nicht über Nacht auftraten wie Trumps Auftritt im Garten des Weissen Hauses. Vergleichbarer ist Situation mit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine und den damit verbundenen Problemen mit der Energieversorgung in Europa. Der VIX stieg auf ein ähnliches Niveau wie jetzt, blieb aber dann länger erhöht und verzeichnete in dieser Zeit immer wieder Schübe nach oben. Auch jetzt ist mit einer längeren Phase erhöhter Unsicherheit und starken Preisschwankungen an den Finanzmärkten zu rechnen.
Alles hängt am Ölpreis
Momentan hängt alles am Ölpreis, auch die innertäglichen Kursbewegungen. Steigt der Ölpreis, sinken die Aktienkurse und umgekehrt. Positiv ist, dass die Kursauschläge beim Öl kleiner sind als noch vor zwei Wochen. Negativ ist dagegen, dass der Trend nach oben beim Ölpreis anhält. Innerhalb des Ölmarktes gibt es ein paar Eigenheiten, die es zu beobachten gilt. Der Preisunterschied zwischen der Europäischen Sorte Brent und der amerikanischen WTI ist mit 14 US-Dollar deutlich höher als die üblichen 4 US-Dollar. Das deutet auf eine Stresssituation im Ölmarkt hin, die offensichtlich auch da ist. Wichtiger ist der Unterschied der verschiedenen Lieferzeiten. Ein Fass Brent mit Lieferung im Mai, dem nächsten Termin beim Future, kostet 112 US-Dollar. Für ein Fass Brent, das im Oktober geliefert wird, muss nur 87 US-Dollar und für ein solches mit Lieferung im nächsten April 82 US-Dollar bezahlt werden. Normalerweise sind diese Preise nahe beisammen. Das zeigt, dass die Märkte von einer vorübergehenden Störung im Ölmarkt ausgehen. Veränderungen in der zeitlichen Staffelung des Ölpreises gilt es besonders zu beachten.
Positionieren auf den Tag danach
Wann der Krieg im Nahen Osten vorbei ist und das Öl wieder normal fliesst, lässt sich heute nicht abschätzen. Es kann diese Woche vorbei sein oder noch Monate dauern. Am wahrscheinlichsten ist irgendetwas dazwischen. Die Weltwirtschaft wird aber auch diese Phase überstehen und sich bei Bedarf im Energiebereich neu ausrichten. Das hat man nach dem Ende der russischen Öl- und Gaslieferungen nach Europa gesehen. Der Ölpreis wird dann auch wieder sinken. Einerseits gibt es genügend Erdöl, andererseits nimmt die Nachfrage nach Öl ab. Dann werden sich auch die Finanzmärkte beruhigen und die üblichen Argumente für oder wider die verschiedenen Anlagen werden wieder relevant. Für die Aktien sind das die Gewinnaussichten der Unternehmen. Die Erfahrung aus der Vergangenheit zeigt, dass die Erholung der Aktienkurse rasch geht, wenn sie eingesetzt hat. Diesen Zeitpunkt zu erwischen, ist schwierig. Deshalb lohnt es sich, sich bereits heute daraufhin zu positionieren, wenn man mögliche und zu erwartende Dellen in der Zwischenzeit finanziell und emotional aushalten kann.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.96%, S&P500: -1.51%, Nasdaq: -2.01%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -2.00%, DAX: -2.01%, SMI: -1.11%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: -3.60%, Hang Seng: -3.50%, S&P/ASX 200: -0.74%
Die Abhängigkeit der Aktienmärkte vom Ölpreis hält an. Alles andere rückt momentan in den Hintergrund. Der S&P 500 verlor letzte Woche 1.90%. Die europäischen Aktien sanken 3.77%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 3.86% abschloss.
Die Vorgänge im Nahen Osten schüren die Angst vor höheren Energiepreisen und vor einer steigenden Inflation. Dies wird vorderhand anhalten. Die US-Wirtschaft erweist sich insgesamt jedoch als widerstandsfähig, auch wenn der Anstieg des Ölpreises ein Belastungsfaktor ist. Der private Konsum bleibt eine zentrale Stütze. Die Unternehmen werden sich auch an höhere Energiepreise anpassen. Die mittelfristig für die der Aktienmärkte zentralen Treiber bleiben deshalb intakt.
Kapitalmärkte
Renditen 10 J: USA: 4.412%; DE: 3.043%; CH: 0.398%
Die Erwartungen gegenüber den Zentralbanken haben gedreht, zumindest für den Moment. Die Angst vor einem starken Anstieg der Inflation lässt die Renditen der Obligationen steigen, vor allem in den USA. Die Angst vor höheren Zinsen ist unbegründet, insbesondere in der Schweiz. Die SNB hat keinen Grund, an der Zinsschraube zu drehen.
Währungen
US-Dollar in Franken: 0.7897
Euro in US-Dollar: 1.1537
Euro in Franken: 0.9111
Die SNB hat klar gemacht, dass sie keinen starken Anstieg des Frankens als Folge des Iran-Krieges tolerieren will. Das hat den Franken geschwächt, aber nur kurzzeitig. Ob die SNB effektiv im Devisenmarkt interveniert hat, ist nicht bekannt.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 98.15 pro Fass
Goldpreis: USD 4’322.16 pro Unze
Der Goldpreis hat deutlich an Wert verloren. Nach dem starken Kursanstieg der letzten Monate ist die Bereitschaft für Gewinnmitnahmen gestiegen. Zudem scheint das Gold ein Opfer von sogenannten «relative Trades» zu sein. Diese werden mit grossen Volumen ausgeführt, wobei eine Anlageklasse verkauft und eine andere, beispielsweise Erdöl, dagegen gekauft wird. Zudem belasten die gestiegenen Zinsen in den USA das Gold. Die fundamentalen Argumente für das Gold sind angesichts der geopolitischen und wirtschaftlichen Unsicherheiten intakt.
Wirtschaft
Wie Mitte Monat üblich, ist die Publikationsliste der Konjunkturdaten dünn besetzt. Viele der Daten, die nächstens veröffentlicht werden, sind inhaltlich nicht sehr interessant, da sie vor dem Ausbruch des Krieges im Nahen Osten erhoben wurden.
Thomas Stucki
8021 Zürich
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