03. Juni 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Defensive Schwergewichte belasten Schweizer Markt

Der Schweizer Aktienmarkt wurde gestern von den defensiven Index-Schwergewichten Roche, Novartis und Nestlé ausgebremst. Das Geschehen war vom Spannungsfeld zwischen dem Konflikt im Nahen Osten und der KI-Euphorie geprägt.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.00%, SPI: +0.09%, SMIM: +0.05%

Der Schweizer Aktienmarkt gab zum Handelsende die am Morgen erzielten Kursgewinne wieder preis. Der Leitindex SMI schloss schlussendlich unverändert. Nach wie vor bewegt die Lage im Nahen Osten und die Euphorie um Künstliche Intelligenz (KI) die Märkte. Widersprüchliche Aussagen von US-Präsident Trump und Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu zum Iran-Konflikt sorgten eher für Unsicherheiten. Bei den grosskapitalisierten Werten standen zwölf Gewinner acht Verlierern gegenüber. Angeführt wurde das Tableau erneut von Logitech (+3.7%). Die Aktien des Computerzubehör-Herstellers sind damit in einem Monat um rund einen Drittel avanciert. Ebenfalls klar im Plus schlossen ABB (+3.2%) und Kühne + Nagel (+2.3%). Der Sanitärtechnikkonzern Geberit (+0.8%) gab heute Morgen bekannt, das seit 2024 laufende Aktienrückkaufprogramm frühzeitig beendet zu haben und praktische nahtlos ein neues Rückkaufprogramm zu starten. Diese sieht den Rückkauf für Aktien im Wert von bis zu CHF 300 Mio. in den nächsten zwei Jahren vor. Belastet wurde der Leitindex vor allem von den Schwergewichten Roche (-2.4%), Novartis (-0.8%) und Nestlé (-0.1%). Die Aktie von Partners Group gab um 0.2% nach. Gemäss Medienberichten limitiert der Private Equity Konzern bei einem seiner Evergreen-Fonds die Rückzahlungen auf 5% pro Quartal, nachdem die Rückzahlungsanträge im laufenden Quartal auf 9.8% gestiegen waren.

Am breiten Markt stiegen technologielastige Titel und solche mit Verbindung zu KI dank der anhaltenden Halbleiter-Hausse stark an: Ams-OSRAM (+11.8%), Huber+Suhner (+8.0%), Sensirion (+7.2%), Belimo (+7.1%), Inficon (+5.9%) und VAT (+5.0%) avancierten. Um 2.2% ging es für den Baukonzern Implenia nach oben, der ambitionierte Wachstumsziele vorstellte. Hingegen notierten die Aktien des weltgrössten Schokoladenherstellers Barry Callebaut um 1.2% im Minus, nachdem neue Mittelfristziele vorgestellt wurden.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +1.21%, DAX: +0.48%

Die europäischen Aktienmärkte erholten sich von den Abgaben zum Wochenauftakt. Der länderübergreifende EuroStoxx50 legte um 1.2% zu. Der zyklischere deutsche DAX gewann 0.5% hinzu und der französische CAC40 0.8%. Auf Sektorenebene führte Technologie klar das Feld an. Ebenfalls gefragt waren die zyklischen Branchen Grundstoffe, Zyklischer Konsum, Industrie, Finanzen und Energie. Unter Abgabedruck standen Gesundheit, Kommunikationsdienste und Nichtzyklischer Konsum.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.45%, S&P 500: +0.13%, Nasdaq: +0.03%

Die amerikanischen Aktienmärkte knüpften an die positive Wocheneröffnung an. Unterstützung kam insbesondere vom anhaltenden KI-Boom. Der Leitindex Dow Jones schloss 0.5% höher und der breiter gefasste S&P 500 legte um 0.1% zu. Der technologielastige Nasdaq ging wenig verändert aus dem Handel. Im Fokus stand bei den Einzelwerten HP Enterprise. Nach Zahlen und einem Ausblick der deutlich über den Erwartungen lag, avancierte die Aktie um 19.6%. Ebenfalls nach oben sprang die Aktie von Marvell Technology (+32.7%), nachdem sich Nvidia-CEO Jensen Huang positiv darüber an einer Computermesse äusserte. Unter Druck standen hingegen die Software-Werte. Intuit (-8.9%), Adobe (-4.3%), Salesforce (-4.1%), Microsoft (-4.1%) und Oracle (-1.3%) büssten alle an Boden ein.  

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.47%; DE: 2.97%; CH: 0.40%

Die Kapitalmarktrenditen haben auch gestern wieder leicht nachgegeben. Mitte Mai waren die langfristigen Zinsen in den USA, Europa und der Schweiz noch erheblich angestiegen. Die Rendite der massgebenden 10-jährigen deutschen Bundesanleihe erreichte mit 3.2% den höchsten Stand seit rund 15 Jahren. Auch die Rendite der 10-jährigen Eidgenossenanleihe erreichte mit rund 0.6% ein neues Jahreshöchst. Seither hat sich die Lage wieder etwas beruhigt, auch wenn die Renditen noch immer leicht höher liegen als zu Jahresbeginn.

Währungen

Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.789
Euro in US-Dollar: 1.162

An den Devisenmärkten blieb es gestern ausgesprochen ruhig. Weder die Mai-Inflationsdaten aus der Eurozone noch die neusten Zahlen zum US-Arbeitsmarkt vermochten das Währungsgefüge stark zu beeinflussen. Der Fokus der Devisenhändler richtet sich bereits jetzt auf Ende Woche. Am Freitagnachmittag wird der US-Arbeitsmarktbericht für den Monat Mai publiziert.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 97.70 pro Fass
Goldpreis: USD 4'463.25 pro Unze

Nachdem der Ölpreis Ende letzter Woche auf den tiefsten Stand seit mehr als einem Monat gefallen war, legte er gestern den zweiten Tag in Folge wieder zu. Die USA und der Iran lieferten sich Medienberichten zufolge eines der schwersten Feuergefechte seit Beginn der Waffenruhe. Entsprechend wurden die Verhandlungen über eine weitergehende Waffenruhe vorübergehend ausgesetzt. Somit dürfte auch eine gewisse Normalisierung der Ölversorgung weiter auf sich warten lassen.

Wirtschaft und Konjunktur

Eurozone: Inflationsrate YoY (Mai)
aktuell: 3.2% (erwartet: 3.2%, Vormonat: 3.0%)

Im Jahresvergleich legten die Verbraucherpreise im Mai um 3.2% zu und erreichten damit den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Der Preisdruck verbreitert sich: Die Kerninflation, die Nahrungsmittel und Energie ausklammert, kletterte auf 2.5%, und die Dienstleistungspreise zogen von 3.0% auf 3.5% an. Dass die höheren Energiekosten zunehmend auf andere Preisbereiche durchschlagen, dürfte die EZB als Argument für einen Zinsschritt werten. Der nächste Zinsentscheid folgt am 11. Juni.

USA: JOLTS Job Openings (April)
aktuell: 7.62 Mio. (erwartet: 6.87 Mio., Vormonat: 6.89 Mio.)

Die JOLTS-Daten zeigten die meisten offenen Stellen seit fast zwei Jahren sowie weniger Entlassungen. Der Zuwachs war allerdings stark auf die unternehmensnahen Dienstleistungen konzentriert, während konjunktursensitive Branchen Stellen abbauten. Mehr Beachtung findet der offizielle US-Arbeitsmarktbericht (Nonfarm Payrolls), der am Freitag veröffentlicht wird.

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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