05. Mai 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Aktienmärkte starten mit Verlusten in die Woche
Erneute Unruhen im Nahen Osten sorgten am Montag für Kursverluste. Heute stehen die Quartalszahlen von Geberit im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -1.01%, SPI: -0.85%, SMIM: -0.39%
Der Schweizer Aktienmarkt ist schwach in den Mai gestartet und stand gestern deutlich unter Druck. Belastend wirkten sich unter anderem das schwache Abschneiden der Index-Schwergewichte aus. Im Tagesverlauf führten Berichte über einen angeblichen iranischen Raketenangriff auf ein US-Kriegsschiff in der Strasse von Hormus zu einem Rückgang der Kurse und gleichzeitig steigenden Ölpreisen. Nachdem sich diese Meldung als falsch herausstellte, erholten sich die Märkte teilweise wieder. Dennoch blieb die Stimmung angespannt. Der Leitindex SMI schloss 1.0% im Minus. Grössere Kursabgaben beklagten die Titel von Richemont (-1.6%), Novartis (-1.8%), Holcim (-2.4%) und Kühne + Nagel (-5.9%). Für die Frachtlogistik-Branche wirkte die Ankündigung von Amazon belastend, das Logistiknetzwerk gezielt für Geschäftskunden zu öffnen. Damit positioniert sich Amazon stärker als direkter Wettbewerber, indem der Onlinehändler nun selbst umfassende Logistikdienstleistungen anbietet. Der Tagesverlierer war der Baustoffproduzent Amrize mit einem Kursverlust von 5.9%. Nachdem die letztgenannte Aktie bereits letzte Woche nach Präsentation der Quartalszahlen stärker abgefallen war, folgten gestern aufgrund von Kurszielsenkungen von Brokern erneut Verkäufe. Die einzigen SMI-Titel in der Gewinnzone waren Partners Group (+2.5%) und Logitech (+2.7%). Partners Group wies die Vorwürfe des Short-Sellers Grizzly entschieden als falsch und irreführend zurück und prüft rechtliche Schritte. Die Kritik an überhöhten Bewertungen, insbesondere im Software-Portfolio und bei Evergreen-Fonds, basiere laut Unternehmen auf Fehlern und Missverständnissen. Am breiten Markt waren die Werte von Inficon (+3.2%), Tecan (+4.8%) und Bachem (+5.8%) gefragt. In der Verlustzone schlossen PSP (-2.9%), Mobimo (-3.0%), Allreal (-3.0%) und Newron (-3.5%).
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -2.00%, DAX: -1.24%
Die europäischen Aktienmärkte sind mit deutlichen Verlusten in die Woche gestartet. Belastet wurden sie von einer unübersichtlichen Nachrichtenlage im Nahostkonflikt, schwachen Vorgaben aus den USA sowie neuen Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump, der die Abgaben auf EU-Autoimporte auf 25% erhöhen will. Der EuroStoxx50 schloss 2.0% tiefer und der DAX verlor 1.2%. Nur ein geringfügiger Tagesverlust wies der britische Index FTSE 100 (-0.1%) vor. Sämtliche Sektoren verbuchten gestern rückläufige Kurse. Der geringste Rückgang zeichnete sich im Bereich Energie ab. Unter stärkerem Verkaufsdruck litten die Sektoren Immobilien, Finanzen, Zyklischer Konsum und Versorger.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -1.13%, S&P 500: -0.41%, Nasdaq: -0.19%
Auch die amerikanischen Aktienmärkte starteten schwach in die Woche, belastet durch steigende Spannungen im Nahen Osten und deutlich anziehende Ölpreise. Der Dow Jones verlor über 1.3%, während auch der S&P 500 (-0.4%) und der Nasdaq (-0.2%) nach anfänglichen Gewinnen ins Minus drehten. Unter den Einzeltiteln stand unter anderem die Aktie von GameStop (-10.1%) im Fokus. GameStop hat ein Übernahmeangebot für eBay (+5.1%) im Umfang von rund USD 56 Mrd. vorgelegt. eBay will das Angebot nun prüfen, insbesondere im Hinblick auf den Wert für die eigenen Aktionäre und die Umsetzbarkeit der Transaktion. Zu den Aktien mit stärkeren Kursbewegungen gehörten Micron (+6.3%), Coinbase (+6.1%), FedEx (-9.1%) und UPS (-10.5%).
Unternehmensberichte
Geberit erfüllt Erwartungen
Geberit erzielte im 1. Quartal 2026 einen Nettoumsatz von CHF 873 Mio. und lag damit um 0.7% unter dem Vorjahr. Währungsbereinigt ergab sich ein Wachstum von 3.4%. Der EBITDA erreichte CHF 283 Mio. (Vorjahr: 277 Mio.) bei einer Marge von 32.5% (Vorjahr: 31.5%). Der Reingewinn belief sich auf CHF 196 Mio., ein Wachstum von 4.8% zum Vorjahr. Der Gewinn je Aktie stieg auf CHF 5.94, was einem Plus von 4.5% bzw. 9.9% auf währungsbereinigter Basis entspricht. Das Wachstum wurde vor allem durch höhere Absatzvolumen und Preise getragen. Regional entwickelten sich die Umsätze unterschiedlich. In Europa stiegen sie, während sie in Fernost/Pazifik und in Amerika zurückgingen. Für das Gesamtjahr 2026 bleibt der Ausblick aufgrund geopolitischer Risiken und makroökonomischer Unsicherheiten, insbesondere im Zusammenhang mit dem Nahostkonflikt, vorsichtig. In Europa wird zwar ein leichtes Marktwachstum erwartet, jedoch noch keine vollständige Erholung. Ausserhalb Europas zeigt sich ein gemischtes Bild mit weiterhin starker Nachfrage in Märkten wie Indien, während in China aufgrund der schwachen Bautätigkeit mit einem weiteren Rückgang gerechnet wird. Das ausgewiesene Zahlenset erfüllt die Analystenerwartungen beim Umsatz und übertrifft sie bei EBITDA und Reingewinn.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.44%; DE: 3.09%; CH: 0.44%
Sorgen um eine neue Eskalation im Nahen Osten und die Auswirkungen auf die Inflation führten gestern zu höheren Renditen bei den langjährigen Staatsanleihen. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg gestern im Tagesverlauf um rund sieben Basispunkte an. Auch in der Schweiz und in Europa zogen die langfristigen Zinsen zum Wochenstart an.
Währungen
Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.784
Euro in US-Dollar: 1.168
An den Devisenmärkten blieben die Bewegungen zu Wochenbeginn begrenzt. Der US-Dollar konnte jedoch von den sich zuspitzenden Spannungen um die Strasse von Hormus profitieren und legte gegenüber den meisten wichtigen Währungen leicht zu. Seit Beginn des Konflikts hat er gegenüber dem Euro um 1.1 % und gegenüber dem Schweizer Franken um 2.0 % an Wert gewonnen.
Rohwarenmärkte
Ölpreis (Brent): USD 113.44 pro Fass
Goldpreis: USD 4'551.71 pro Unze
Erstmals seit Beginn der Waffenruhe haben sich gestern die Spannungen im Nahen Osten deutlich zugespitzt. Die USA kündigten eine neue Initiative an, um die Strasse von Hormus wieder für den Schiffsverkehr passierbar zu machen. Zwei US-Schiffe seien gemäss US-Angaben durch die Meerenge gebracht worden. Der Iran reagierte darauf mit erneuten Drohnenangriffen, unter anderem auf Ölanlagen der Vereinigten Arabischen Emirate. Die bestehende Waffenruhe wird damit ernsthaft auf die Probe gestellt. Der Ölpreis reagierte darauf gestern mit einem Anstieg von mehr als 6 US-Dollar.
Wirtschaft und Konjunktur
Schweiz: Einkaufsmanagerindex Industrie (April)
aktuell: 54.5 (erwartet: 52.0, Vormonat: 53.3)
Die Stimmung in der Schweizer Industrie hat sich im April trotz des Iran-Kriegs weiter aufgehellt. Der Einkaufsmanagerindex stieg auf 54.5. Im Vormonat war der Index erstmals seit Dezember 2022 wieder in der Wachstumszone geklettert, also in den Bereich über 50. Der Anstieg war breit abgestützt, so wurden zum Beispiel der Auftragsbestand und die Produktion besser eingeschätzt. Gleichzeitig weist die Umfrage jedoch auf steigende Einkaufspreise und längere Lieferfristen hin. Insbesondere im Bereich Kunststoff, Halbleiter und Chips sowie Magneten meldeten die befragten Industrieunternehmen längere Lieferfristen.
Céline Keller
8021 Zürich
Florian Hiltpold
8021 Zürich
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