02. Juli 2026, Tägliche Marktsicht

Aktienmärkte starten im Rückwärtsgang ins 2. Halbjahr

In einem weltweit von Zurückhaltung geprägten Handelsumfeld verlor der Schweizer Aktienmarkt gestern an Terrain. Heute richtet sich der Fokus auf den US-Arbeitsmarktbericht, von dem sich Anleger neue Indizien zum weiteren Vorgehen der US-Notenbank erhoffen.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.56%, SPI: -0.49%, SMIM: -0.33%

Der Schweizer Aktienmarkt startete mit moderaten Kursverlusten in das zweite Halbjahr 2026. Eine gewisse Zurückhaltung vor den Halbjahreszahlen und schwache Indexschwergewichte bremsten den Schweizer Leitindex. Nach einer verhaltenen Eröffnung verlor der SMI im Handelsverlauf an Terrain und schloss 0.6% tiefer. Gewinner und Verlierer hielten sich bei den grosskapitalisierten Werten die Waage. Erneut unter die Verlierer reihte sich Richemont (-2.1%) ein. Der Luxusgüterkonzern wurde nach einem vorsichtigen Kommentar des französischen Branchennachbarn Kering in Sippenhaft genommen. Noch schwächer entwickelten sich Swisscom (-2.4%). Telekom-Werte werden derzeit weltweit von Befürchtungen um einen möglichen Einstieg von SpaceX ins Telefonie-Geschäft belastet. ABB (-1.6%) sackten nach einer verhaltenen Eröffnung der US-Börsen und gebremst von schwachen Halbleiterwerten im späten Handelsverlauf ab. Ebenfalls deutliche Abgaben verzeichneten die beiden Pharma-Schwergewichte Novartis (-1.3%) und Roche (-1.2%), während sich Nestlé (-0.2%) etwas stabiler hielt. Auf der Gewinnerseite setzten Givaudan (+0.6%), Sika (+1.2%), Kühne + Nagel (+2.2%) und Partners Group (+2.3%) ihre jüngste Erholung fort. An der Spitze des Tableaus avancierten Lonza um 3.1%, nachdem der Pharma-Auftragsfertiger eine erweiterte Zusammenarbeit mit einem führenden US-Biotechnologieunternehmen vermeldete.

Im breiten Markt schossen die Aktien von Tecan nach einer Aufstufung durch einen Broker um 8.5% nach oben. Galderma sackten zwischenzeitlich um bis zu 7% ab, nachdem das Hautstraffungsprodukt Relfydess wegen Beanstandungen im Produktionsprozess einen negativen US-Zulassungsentscheid erhielt. Im Tagesverlauf machte der Beauty-Konzern einen Teil der Verluste wett und schloss zuletzt noch 2.8% schwächer.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.72%, DAX: +0.18%

Die europäischen Börsen beendeten den Handelstag gestern mehrheitlich in der Verlustzone. Wenig Impulse vor der anstehenden Berichtssaison und der fehlende Fortschritt bei den Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran liessen die Anleger zurückhaltend agieren. Der EuroStoxx50 beendete den Handelstag 0.7% unter dem Vortagesschlusskurs. Der DAX schloss entgegen dem Trend 0.2% höher. Gefragt waren im deutschen Leitindex die Aktien von Rheinmetall (+6.1%), die sich teilweise vom Kurssturz von letzter Woche im Zusammenhang mit einem verpassten Grossauftrag erholten. Ebenfalls Auftrieb spürte der Softwarekonzern SAP (+5.1%). Europaweit auf der Verkaufsliste standen dagegen Hardwarewerte wie ASML (-4.6%), Infineon (-4.6%) und KI-Profiteure wie Hochtief (-2.1%) oder Siemens Energy (-1.5%). Schneider Electric sackten um 3.1% ab, nachdem der französische Elektronikkonzern die Übernahme des US-Softwareunternehmens Cognite ankündigte. Diese traf bei den Analysten vor allem wegen dem bezahlten Preis von USD 3.1 Mrd. auf gemischte Reaktionen.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.03%, S&P 500: -0.22%, Nasdaq: -0.66%

Die US-Aktienmärkte verloren gestern ebenfalls an Terrain. Verhaltene Konjunkturdaten und schwache Halbleiterwerte belasteten insbesondere den technologielastigen Nasdaq, der um 0.7% zurückfiel. Beim breiter gefassten S&P 500 (-0.2%) und beim auf Standardwerte ausgerichteten Dow Jones (-0.03%) hielten sich die Verluste dagegen in Grenzen. Im Fokus standen unter anderem Meta (+8.8%). Das Facebook-Mutterhaus will anscheinend eine eigene Cloud-Infrastruktur aufbauen, was am Markt mit deutlichen Kursavancen belohnt wurde. Generell gehörten Hardwarewerte wie Micron (-10.6%) und Intel (-9.0%) zu den Tagesverlierern, während Softwareunternehmen wie Microsoft (+3.0%) oder Salesforce (+5.0%) gefragt waren. Nike präsentierte gestern die jüngsten Quartalszahlen, die solide ausfielen, aber beim Ausblick die Erwartungen der Analysten verfehlten. Dass der Sportartikelhersteller die Umsatzerwartungen für das Gesamtjahr wegen der schwachen Branchenstimmung nach unten korrigierte, wurde von den Analysten mehrheitlich kritisch kommentiert. Trotzdem schloss die Aktie 5.1% höher, nachdem sie am Dienstag noch auf den tiefsten Stand seit 12 Jahren abgesackt war.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.48%; DE: 2.88%; CH: 0.30%

Nach dem deutlichen Anstieg vom Vortag notierte die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe gestern praktisch unverändert. Auch in Europa und in der Schweiz blieb die Bewegung gering. Die Märkte warten auf neue Hinweise zum geldpolitischen Kurs der US-Notenbank. Im Fokus standen Aussagen des neuen Fed-Vorsitzenden Kevin Warsh am EZB-Notenbankforum in Sintra. Warsh bekräftigte, dass die Fed erhöhte Inflation nicht tolerieren werde und künftig auf klassische «Forward Guidance» verzichten wolle. Zwar beliess die Fed die Zinsen im Juni unverändert, innerhalb des Gremiums wächst angesichts der hartnäckigen Inflation jedoch die Unterstützung für Zinserhöhungen. Rückenwind erhält diese Sicht durch robuste US-Arbeitsmarktdaten. Der private Stellenaufbau fiel im Juni erneut solide aus und markierte den stärksten Dreimonatszeitraum seit über einem Jahr. Werden diese Signale im offiziellen Arbeitsmarktbericht von heute Nachmittag bestätigt, dürften die Märkte verstärkt darauf setzen, dass der nächste Zinsschritt der Fed eher nach oben als nach unten führt.

Währungen

Euro in Franken: 0.921
US-Dollar in Franken: 0.809
Euro in US-Dollar: 1.139

Die Devisenmärkte standen gestern im Spannungsfeld der US-Geldpolitik und des heute anstehenden US-Arbeitsmarktberichts. Der US-Dollar gab seine morgendlichen Gewinne am Nachmittag wieder ab. Auslöser waren Aussagen von Fed-Chef Kevin Warsh, die den US-Dollar leicht belasteten. Die Abwärtsbewegung blieb jedoch begrenzt. Stützend wirken weiterhin die Erwartungen an eine mögliche Zinserhöhung der US-Notenbank sowie die Unsicherheit rund um die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 70.90 pro Fass
Goldpreis: USD 4'056.53 pro Unze

Die Waffenruhe im Nahen Osten bleibt fragil. Dennoch reagiert der Erdölpreis deutlich weniger stark auf die täglichen Nachrichten rund um die Strasse von Hormus. Ein Fass der Nordsee-Sorte Brent kostet rund 71 US-Dollar und damit knapp 2% weniger als am Vortag. Der Goldpreis legte zu und überschritt im Tagesverlauf kurzzeitig die Marke von 4'100 US-Dollar pro Unze, bevor ein Teil der Gewinne wieder abbröckelte.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Einkaufsmanagerindex Industrie (Juni)
aktuell: 53.3 (erwartet: 53.9, Vormonat: 54.0)

Die US-Industrie setzte ihre Erholung im Juni fort. Der ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe sank zwar leicht auf 53.3 Punkte, blieb damit aber klar im Wachstumsbereich und nahe des höchsten Stands seit vier Jahren. Gleichzeitig liess der Kostendruck deutlich nach. Die Preiskomponente verzeichnete den stärksten monatlichen Rückgang seit Juli 2022, nachdem die Ölpreise infolge einer vorläufigen Einigung zwischen den USA und dem Iran gefallen waren. Die Neuaufträge blieben solide, während die Produktion auf den tiefsten Stand seit sechs Monaten zurückging. Gestützt wird der Sektor weiterhin durch hohe Investitionen, insbesondere im Bereich künstliche Intelligenz, sowie durch Verteidigungsausgaben.

Eurozone: Inflationsrate YoY (Juni)
aktuell: 2.8% (erwartet: 3.0%, Vormonat: 3.2%)

Die Inflation in der Eurozone ist im Juni stärker als erwartet auf 2.8% gefallen, nach 3.2% im Mai. Auch die Kerninflation sank von 2.6% auf 2.4%, während die Dienstleistungsinflation von 3.5% auf 3.2% zurückging. Der zuletzt starke Anstieg der Energiepreise scheint damit nur begrenzte Zweitrundeneffekte ausgelöst zu haben. Dazu beigetragen hat auch, dass die Ölpreise nach der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran sowie der Wiederöffnung der Strasse von Hormus fast wieder auf Vorkriegsniveau gefallen sind. Trotz der Entspannung liegt die Inflation den vierten Monat in Folge über dem mittelfristigen EZB-Ziel von 2%.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller,  bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin,  bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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