26. Januar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
US-Treasuries – eine toxische Anlage?
Nach längerer Zeit der Ruhe rücken die stark wachsenden US-Staatsschulden wieder ins Blickfeld der Finanzmärkte.
Im Fokus
Längere Zeit war es ruhig um die Schulden der Staaten an den Finanzmärkten. Zuerst dominierte die Androhung einer KI-Blase, dann die Ruhe der Feiertage, bevor die Machtgelüste von Donald Trump die Schlagzeilen beherrschten. Dass weder in den USA noch in Frankreich ein stabiles Budget vorhanden ist, interessierte niemand. Dass die US-Schulden seit dem Ende des Shutdowns Anfang Oktober um 1'000 Mrd. US-Dollar auf 38'500 Mrd. US-Dollar gestiegen sind, blieb im Verborgenen der Datenbanken. Dass Trump das Sparen im Bundesbudget aufgegeben hat und vor den Zwischenwahlen das Geld mit vollen Händen an seine Klientel verteilen will, wurde mit einem Achselzucken zur Kenntnis genommen. Erst als die Renditen der langen Obligationen in Japan auf die dortige Schuldenpolitik reagierten und innert zwei Tagen von 3.40% auf 3.80% gestiegen sind, hat der Finanzmarkt sich dem Thema wieder angenommen. Der Zinsanstieg in Japan ist auf die USA übergeschwappt. Die Rendite des 30-jährigen US-Treasury ist auf 4.90% gestiegen und nähert sich wieder der ominösen Marke von 5%, die als «gefährlich» eingestuft wird. Der Finanzminister Scott Bessent warnt die Marktteilnehmer vor Spekulationen und die Fed erwägt, am Devisenmarkt gegen den Yen zu intervenieren, um die Märkte in Japan zu beruhigen.
Verkauf von US-Treasuries als Drohgebärde
Donald Trump hat sich mehr darüber geärgert, dass eine dänische Pensionskasse sich erdreistet, sich öffentlich aller US-Treasuries zu entledigen. Die betroffene Summe von 100 Mio. US-Dollar ist für den Treasury-Markt ein Retail-Geschäft, aber das Signal ist offensichtlich angekommen. Die Drohung europäischer Politiker, dass die Zentralbanken ihre US-Treasuries ebenfalls auf den Markt werfen können, ist dagegen eher in der Rubrik «Trötzeln» einzustufen. Sich im grösseren Stil von den amerikanischen Papieren jetzt zu trennen, wäre für die Zentralbanken nicht klug. Verkäufe von US-Treasuries lassen sich nicht im Stillen abwickeln, sondern sind öffentlich zugängig. Die Zentralbanken werden sich hüten, sich in die aktuelle politische Konfrontation einzumischen, um die Diskussion um ihre Unabhängigkeit von der Politik nicht noch mehr zu befeuern. Zudem brauchen sie alternative Möglichkeiten für grosse Beträge. Da kommen eigentlich nur Staatsanleihen aus Japan oder den Euroländern in Frage. Von denen haben sie jedoch auch schon viele. Sie könnten aber auf eine Wiederanlage verfallender US-Treasuries verzichten und so den Bestand über die Zeit abbauen. Die Chinesen machen das schon seit Jahren so.
Transparenz ist gefragt, zumindest
Anders sieht es für private Investoren und für die Pensionskassen auf. Angesichts der zunehmenden Unzuverlässigkeit der Amerikaner und der Belastung der US-Politik für den US-Dollar macht es wenig Sinn, US-Staatsanleihen zu halten. In abgeschwächter Form lässt sich diese Aussage auf US-Dollar-Anleihen generell übertragen. Schwieriger wird es für Investoren, die sich dem passiven Management verschrieben haben und ihre Obligationen gemäss globalen Indizes wie dem Bloomberg Global Ag abdecken. Diese sollten sich zumindest klar werden, wie stark sie wo investiert sind und welche Risiken sie tragen. Die US-Dollar-Anleihen machen im Index 45% des Gewichts aus, die US-Treasuries allein 19%. Dazu kommen grosse Bestände in den staatsnahen Hypotheken-Verbriefer Fannie Mae und Freddie Mac, die Trump dazu verdonnern will, Hypotheken unter dem Marktpreis zu kaufen. Der zweitgrösste Einzelschuldner im Index ist zudem mit 7% das japanische Finanzministerium.
Audio-Podcast der SGKB
Die Unabhängigkeit der US-Notenbank steht unter Druck. Im Audiopodcast reden unsere Senior Strategieanalysten Patrick Häfeli und Roman Elbel über mögliche Nachfolger von Jerome Powell als Fed-Präsident und die Auswirkungen auf die amerikanische Geldpolitik.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.58%, S&P500: +0.03%, Nasdaq: +0.28%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.13%, DAX: +0.18%, SMI: -0.61%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: -1.92%, Hang Seng: -0.30%, S&P/ASX 200: geschlossen
Der Schwung des Jahresanfangs ist mit den länger werdenden Tagen verschwunden. Die erratischen Rundumschläge von Trump und seine neuen Zolldrohungen verunsichern die Anleger. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.35%. Die europäischen Aktien sanken 1.35%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 1.65% abschloss.
Für die Entwicklung der Aktienmärkte bleiben die Konjunkturentwicklung und die Gewinndynamik bei den Unternehmen die entscheidenden Faktoren. Am amerikanischen Arbeitsmarkt ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Unternehmen zeigen sich weiterhin zurückhaltend bei Neueinstellungen, aber ebenso bei Entlassungen. Für die US-Wirtschaft bleibt die Entwicklung des Konsums zentral. Dieser präsentiert sich nach wie vor robust. In Europa und insbesondere in Deutschland fehlen dagegen klare Anzeichen für einen nachhaltigen Aufschwung. Im Jahr 2026 werden Fiskalmassnahmen gewisse Impulse liefern. Das Wachstum bleibt jedoch unterdurchschnittlich. Die Schweizer Wirtschaft kann sich diesem Umfeld nur begrenzt entziehen und wird ebenfalls ein unterdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. Das Wachstum der Weltwirtschaft bleibt insgesamt verhalten, aber positiv. Aktien sind die bevorzugte Anlageklasse, um an diesem Wachstum zu partizipieren. Eine zentrale Frage ist, wie lange der Aufschwung im amerikanischen Technologiesektor anhalten kann. Zuletzt sorgten die zunehmenden Verflechtungen unter den grossen Tech-Unternehmen für Diskussionen. Ein direkter Vergleich mit der Situation bei der Dotcom-Blase drängt sich zwar fundamental aufgrund der soliden Gewinndynamik nicht auf, doch die Risiken einer Korrektur nehmen zu. Gleichwohl überwiegt derzeit an den Märkten das Vertrauen, dass Chancen und Risiken einander die Waage halten.
Kapitalmärkte
Renditen 10 J: USA: 4.213%; DE: 2.901%; CH: 0.309%
Die Schweizer Kapitalmarktzinsen sind im Dezember kräftig gestiegen. In unserer neuen Zinspublikation Kräftiger Zinsanstieg nicht von Dauer beleuchten wir die Hintergründe dieses Zinsanstiegs und führen die Argumente auf, warum wir nicht von der grossen Zinswende ausgehen.
Währungen
US-Dollar in Franken: 0.7768
Euro in US-Dollar: 1.1866
Euro in Franken: 0.9217
Der US-Dollar ist zum Franken erstmals unter die Marke von 78 Rappen gefallen, nachdem die US-Notenbank Fed signalisierte, dass sie im Devisenmarkt gegen die Abschwächung des Yen intervenieren will. Damit versuchen die Amerikaner zu verhindern, dass der Anstieg der langen Zinsen zu stark in die USA überschwappt. Ob das gelingt, ist allerdings fraglich.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 61.08 pro Fass
Goldpreis: USD 5'058.90 pro Unze
Der Goldpreis hat mit 5'000 US-Dollar eine neue psychologische Marke übertroffen. Wer vor einem Jahr eine solche Prognose abgegeben hat, wurde als Träumer bezeichnet. Die neuen Zolldrohungen der Amerikaner gegen Kanada befeuern den Goldpreis zusätzlich.
Wirtschaft und Konjunktur
Deutschland: Einkaufsmanagerindex Composite (Januar)
letzter: 51.3; erwartet: 51.7; aktuell: 52.5
Die neueste Erhebung unter den deutschen Einkaufsmanagern ist ein Lichtblick für die gebeutelte deutsche Wirtschaft. Der Anstieg der Messgrösse ist stärker ausgefallen als erwartet. Positiv ist, dass die Stimmung in der Industrie sich auch etwas aufgehellt hat, obwohl sie die expandierende Zone noch nicht erreicht hat. Besser geht es dem Dienstleistungssektor.
Thomas Stucki
8021 Zürich
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