30. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Fed und Big Tech-Quartalszahlen im Fokus

Die US-Notenbank hat gestern ihren Leitzins unverändert gelassen. Heute stehen neben den Zwischenberichten von Amrize und OC Oerlikon auch die nachbörslich veröffentlichten Zahlen der amerikanischen Technologie-Schwergewichte Alphabet, Amazon und Meta im Rampenlicht.

Leitzinsen in den USA bleiben unverändert

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed gestern ihren Leitzins unverändert bei 3.5-3.75% gelassen. Mit vier Gegenstimmen gab es im zinsbestimmenden Offenmarktausschuss aber so viele Gegenstimmen wie zuletzt 1992. Drei abweichende Meinungen haben mit dem Wortlaut der Pressemitteilung zu tun. Die entsprechenden Mitglieder tendieren eher in Richtung eines ausgewogeneren geldpolitischen Kurses. An den Futures-Märkten wird aktuell bis Ende Jahr mit einem konstanten Leitzins gerechnet. Für 2027 stehen – so die Einschätzung der Märkte – neu aber Zinserhöhungen zur Diskussion.

Powell bleibt Gouverneur, Personalrochade wird komplizierter

Neben dem Zinsentscheid wurde gestern bekannt, dass Jerome Powell auch nach dem Ende seiner Amtszeit als Fed-Präsident im Mai vorläufig als regulärer Gouverneur im Amt bleiben will. Die Amtszeit für diese Position endet erst 2028. Dieser Entscheid verkompliziert die von US-Präsident Trump geplante Personalrochade. Zwar machten US-Senatoren gestern den Weg frei für eine Abstimmung über Kevin Warsh, Trumps Kandidat als neuen Fed-Präsidenten. Wenn Powell im Fed-Vorstand bleibt, müsste aber vermutlich Trump-Loyalist Stephen Miran aus dem Gremium ausscheiden, um überhaupt Platz für Warsh zu schaffen. Damit könnte Trump seinen nominellen Einfluss auf das Fed-Gremium nicht weiter ausbauen. Der US-Präsident hatte in den letzten Monaten immer wieder tiefere Leitzinsen gefordert und dabei insbesondere Fed-Präsident Powell heftig attackiert.  

Heute EZB-Zinsentscheid

Heute steht der Zinsentscheid der Europäischen Zentralbank (EZB) an. Es wird erwartet, dass der Leitzins in der Eurozone ebenfalls unverändert bleibt. Das Interesse gilt insbesondere den Ausführungen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu den Auswirkungen der hohen Energiepreise auf die Inflation und die daraus resultierenden Auswirkungen auf die Geldpolitik.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.88%, SPI: -0.84%, SMIM: -0.27%

Der Schweizer Aktienmarkt zog zur Wochenmitte einen schwachen Tag ein. Ein erneuter Anstieg des Ölpreises und eine gewisse Zurückhaltung vor den wichtigen Updates der US-Techgiganten dämpften die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer. Zudem belastete eine schwache Entwicklung der defensiven Schwergewichte den lokalen Markt. Der SMI drehte nach einem freundlichen Start ins Minus und beendete den Handelstag schliesslich 0.9% tiefer. Im Fokus stand nach den gestern präsentierten Quartalzahlen die UBS. Der Vorsteuergewinn der Grossbank fiel vor allem dank eines starken Ergebnisses der Investment Bank deutlich besser aus als erwartet. Die UBS-Aktie gewann an der Spitze des Tableaus 3.2% dazu. Zu den wenigen Tagesgewinnern gehörte auch Amrize, die vor dem abendlichen Zwischenbericht um 1.0% anzogen. Auf der Verliererseite standen unter anderem die Versicherungswerte. Zurich Insurance, Swiss Life und Swiss Re gaben ohne ersichtlichen Grund zwischen 1.1% und 2.6% nach. Belastet wurde der Leitindex zudem von der schwachen Entwicklung der drei Schwergewichte Novartis, Roche und Nestlé, die um 1.2% und mehr zurückfielen. Ebenfalls schwach entwickelten sich Richemont (-2.1%), Alcon (-2.6%) Kühne + Nagel (-3.9%) und Partners Group (-4.0%). Letzterer wurde von einem Kommentar eines Leerverkäufers belastet, der sich vorsichtig zur Bewertung des Privatmarktspezialisten äusserte.

Im breiten Markt legte die Aktien von Straumann nach dem jüngsten Quartalsbericht um 4.3% zu. Das Dentalunternehmen übertraf trotz eines anspruchsvollen Umfelds die Erwartungen beim organischen Wachstum und äusserte sich an der Telefonkonferenz optimistisch zum weiteren Ausblick. Mit leichter Enttäuschung wurde der Zwischenbericht vom Generikaunternehmen Sandoz (-2.2%) quittiert, das trotz einer verhaltenen Wachstumsentwicklung im 1. Quartal die Jahresprognose bestätigte. VAT (+4.1%) erhielt Rückenwind von einer Brokeraufstufung. Die Aktien des Halbleiterzulieferers haben seit Jahresanfang mehr als 50% zugelegt. Die Aktien des IT-Grosshändlers Also stiegen nach dem überraschend publizierten Zwischenbericht um 5.0% an.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.34%, DAX: -0.27%

Die europäischen Aktienmärkte kamen gestern in einem von Vorsicht geprägten Umfeld nicht auf Touren und schlossen mehrheitlich mit Kursverlusten. Der EuroStoxx50 und der DAX schlossen jeweils 0.3% tiefer. Auf Branchenstufe gehörten die Telekommunikationswerte zu den Gewinnern. Sie erhielten Rückenwind von besser als erwarteten Zahlen von T-Mobile US, der Tochter der Deutschen Telekom (+2.1%). Auch Aktien aus dem Technologiesektor waren vor den mit Spannung erwarteten Zahlen der grossen US-Techkonzerne gefragt. Öl- und Gastitel profitierten im Zuge der steigenden Ölpreise von Zukäufen. Auf der Verliererseite standen unter anderem die Pharmawerte. Im Fokus stand das britische Pharmaunternehmen Astrazeneca (-1.5%), dessen Zwischenbericht verhalten aufgenommen wurde. Branchennachbar GSK sackte um 5.4% ab, nachdem das Quartalsergebnis am Markt mehrheitlich kritische Reaktionen auslöste.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.57%, S&P 500: -0.04%, Nasdaq: +0.04%

Die amerikanischen Aktienmärkte kamen gestern nach dem US-Zinsentscheid und gebremst vom deutlichen Ölpreisanstieg nicht vom Fleck. Während der S&P 500 und der Nasdaq praktisch unverändert schlossen, ging der Dow Jones mit einem Minus von 0.6% aus dem Handel. Im Fokus stand die Quartalsberichtssaison, die diese Woche ihren Höhepunkt erreicht. Nach einem besser als erwarteten Zwischenbericht avancierten die Aktien von Visa um 8.3%. Das Kreditkartenunternehmen spürt bisher den Einfluss der gestiegenen Ölpreise nicht. T-Mobile US sprangen um 6.1% nach oben. Das Telekomunternehmen übertraf im 1. Quartal bei der Neukundengewinnung die Erwartungen und erhöhte zudem die Jahresziele. Einen Einbruch von 13.2% gab es für die Aktien von GE Healthcare. Der Medizintechnikkonzern musste wegen gestiegenen Kosten im Zusammenhang mit Zöllen, Transportkosten und Halbleitern die Jahresprognose reduzieren. Intel setzte den kometenhaften Aufstieg der letzten Wochen fort und schloss ohne nennenswerte Neuigkeiten 12.1% höher.

Unternehmensberichte

Amrize verfehlt Erwartungen trotz solidem Wachstum

Amrize steigerte den Umsatz im 1. Quartal 2026 um 4.7% auf USD 2.18 Mrd. Das grössere Segment Building Materials wuchs um 12.9%, während der Bereich Building Envelope überraschend um 9.7% schrumpfte. Der Rückgang war vor allem auf eine schwache Nachfrage im Geschäft mit Dachlösungen und eine temporäre Betriebsunterbrechung zurückzuführen. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA) sackte um 10.3% auf USD 192 Mio. ab. Die entsprechende Marge verschlechterte sich damit um 150 Basispunkte auf 8.8%. Unter dem Strich verbuchte der Konzern einen Reinverlust von USD 118 Mio. Im Vorjahresquartal hatte Amrize einen Gewinn von USD 87 Mio. gemacht. Trotz des verhaltenen Jahresauftakts hält das Unternehmen an seiner Jahreszielsetzung fest. Diese peilt einen Umsatz von USD 12.29 bis 12.52 Mrd. und einen bereinigten EBITDA von USD 3.25 bis 3.34 Mrd. an. Erstmals wird eine Quartalsdividende von USD 0.11 pro Aktie ausgeschüttet. Zudem wurde ein Aktienrückkaufprogramm über USD 1.0 Mrd. bewilligt, das über die nächsten 12 Monate laufen soll. Das Zahlenset bleibt insbesondere beim EBITDA unter den Erwartungen.

OC Oerlikon mit starkem Auftragseingang im 1. Quartal

OC Oerlikon veröffentliche heute Eckdaten zum 1. Quartal 2026. Der Industriekonzern konnte den Auftragseingang zwischen Januar und März um 7.9% auf CHF 455 Mio. steigern. Bereinigt um einen stark negativen Währungseffekt nahmen die Aufträge um 18% zu. Der Umsatz verringerte sich um 3.3% auf CHF 378 Mio., was währungsbereinigt einem Plus von 5.3% entspricht. Die Jahreszielsetzung, die ein Umsatzwachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich und eine EBITDA-Marge im Bereich von 17.5% anstrebt, wurde bestätigt. Gewinnzahlen werden erst wieder mit dem Halbjahresbericht veröffentlicht. Der Zwischenbericht übertrifft die Analystenerwartungen.

Alphabet nach starkem Quartal nachbörslich im Hoch

Alphabet erzielte im 1. Quartal 2026 einen Umsatz von USD 94.7 Mrd. (+23.8%) und lag damit über den Erwartungen der Analysten, die mit USD 91.6 Mrd. gerechnet hatten. Der Gewinn pro Aktie stieg um 81.8% auf USD 5.11. Das Cloud-Geschäft wuchs weiter kräftig auf USD 20 Mrd. (+63.4%), gestützt von der Nachfrage nach KI-Software und Infrastruktur. Das Unternehmen plant für dieses Jahr Investitionen von bis zu USD 190 Mrd., nach zuvor USD 185 Mrd. Das war bereits etwa doppelt so viel wie 2024, und für 2027 sollen die Ausgaben laut CFO nochmals höher ausfallen. Die Aktie stieg in der Nachbörse rund 7%.

Amazon mit starkem Wachstum im Cloudgeschäft

Amazon steigerte den Umsatz im 1. Quartal um 17% auf USD 181.5 Mrd. Bereinigt um Währungseinflüsse verzeichnete der Handels- und Technologiekonzern ein Wachstum von 15%. Der Umsatz in der wichtigen Cloud-Sparte erreiche das höchste Wachstum seit 2022 und sprang um 28% auf USD 37.6 Mrd. nach oben. Der operative Gewinn erhöhte sich um 30% auf USD 23.9 Mrd. Unter dem Strich verblieb dem Konzern ein Quartalsgewinn von USD 30.3 Mrd. Für das Gesamtjahr hat Amazon Investitionen von rund USD 200 Mrd. angekündigt, vor allem für Rechenzentren und KI-spezifische Infrastruktur. Die Kapitalausgaben stiegen im 1. Quartal um 78% auf USD 43.2 Mrd. Die Aktie stieg in der Nachbörse um 2.7%.

Meta durch hohe Kapitalausgaben belastet

Im 1. Quartal 2026 erzielte Meta einen Umsatz USD 56.3 Mrd. (+33.1%) bei einem Gewinn von USD 26.8 Mrd. (+60.9%). Die Erwartungen der Analysten konnten leicht übertroffen werden. Die täglich aktiven Nutzer über alle Plattformen gingen leicht auf 3.56 Mrd. (-1.3%) zurück. Meta hebt seinen Ausblick für die Investitionen deutlich an. Für 2026 plant das Unternehmen nun Investitionen von USD 125 bis 145 Mrd. Der höhere Capex-Ausblick belastete die Aktie, weil Anleger noch Zweifel haben, ob sich diese Investitionen schnell genug auszahlen. Die Aktie fiel nachbörslich um 7%.

Microsoft mit leicht höherem Cloud-Wachstum als erwartet

Microsoft steigerte den Umsatz im 3. Quartal 2025/26 um 18% auf USD 83 Mrd. Im wichtigen Cloud-Geschäft (Azure) erhöhte sich der Umsatz um 39%, ein Prozent höher als der Analystenkonsens. Der Gewinn pro Aktie stieg um 23.4% auf USD 4.27. Microsoft rechnet 2026 mit einem weiterhin starken Wachstum bei Cloud und KI. Azure soll im laufenden Quartal um rund 40% zulegen, für das zweite Halbjahr erwartet der Konzern eine weitere Beschleunigung. Gleichzeitig plant das Unternehmen bis Jahresende Investitionen von etwa USD 190 Mrd. Die Aktie bewegte sich in der Nachbörse nahezu unverändert.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.43%; DE: 3.11%; CH: 0.45%

Sorgen um eine neue Eskalation im Nahen Osten und die Auswirkungen auf die Inflation führten gestern zu höheren Renditen bei den langjährigen Staatsanleihen. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe stieg gestern im Tagesverlauf um rund sieben Basispunkte an. Der Zinsentscheid der US-Notenbank Fed hatte hingegen keine grösseren Veränderungen zur Folge.

Währungen

Euro in Franken: 0.923
US-Dollar in Franken: 0.792
Euro in US-Dollar: 1.166

Der Zinsentscheid der US-Notenbank und der zuletzt wieder angestiegene Ölpreis stützen gestern den US-Dollar. Der Greenback hat gegenüber allen anderen wichtigen Währungen dazugewonnen. Aktuell kostet ein US-Dollar etwa gleich viel Schweizer Franken wie Anfang Jahr.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 124.51 pro Fass
Goldpreis: USD 4'566.96 pro Unze

Der Ölpreis ist gestern steil angestiegen und hat innerhalb von 24 Stunden mehr als 12 US-Dollar dazugewonnen. Heute Morgen kostete ein Fass der Nordsee-Sorte Brent zwischenzeitlich mehr als 125 US-Dollar – der höchste Wert seit März 2022. Hintergrund sind die stockenden Verhandlungen rund um den Iran-Krieg und neue Drohungen von US-Präsident Trump. Nach der Ankündigung des Waffenstillstands am 8. März hatte sich der Ölpreis während mehrerer Tage unter der Marke von 100 US-Dollar bewegt. Erst seit rund einer Woche hatte wieder ein Aufwärtstrend begonnen. Aktuell kostet ein Fass rund 70% mehr als vor Kriegsausbruch.

Wirtschaft und Konjunktur

Deutschland: Inflationsrate YoY (April)
aktuell: 2.9% (erwartet: 2.9%, Vormonat: 2.7%)

Die Konsumentenpreise in Deutschland lagen im April 2.9% über dem Vorjahresniveau. Im Februar, vor Ausbruch des Iran-Krieges, lag die Teuerung noch bei 1.9%. Haupttreiber dieser Entwicklung waren die Energiepreise, die im Jahresvergleich um 10.1% zulegten. Die Kerninflation, welche die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Nahrungsmittel ausklammert, sank von 2.5% auf 2.3%. Für den weiteren Inflationsverlauf dürfte entscheidend sein, wie sich die Energiepreise in den kommenden Monaten entwickeln und ob sich die höheren Energiekosten über Zweitrundeneffekte auch auf andere Güter- und Dienstleistungskategorien übertragen werden.

Florian Hiltpold

Portraitfoto von Florian Hiltpold, Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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