02. Februar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Das Gespenst der Handelssysteme
Am letzten Donnerstag um 16.00 Uhr Schweizer Zeit spielten die Finanzmärkte wieder einmal verrückt. Zuvor hatten die Aktien von Microsoft im Vergleich zum Vortag 12% tiefer eröffnet, weil gemäss Erklärungen die Cloud-Aufträge die Erwartungen nicht ganz erfüllten.
Im Fokus
Am letzten Donnerstag um 16.00 Uhr Schweizer Zeit spielten die Finanzmärkte wieder einmal verrückt. Zuvor hatten die Aktien von Microsoft im Vergleich zum Vortag 12% tiefer eröffnet, weil gemäss Erklärungen die Cloud-Aufträge die Erwartungen nicht ganz erfüllten. Nun ist Microsoft nicht gerade ein Small-Cap und es braucht schon ein grösseres Handelsvolumen, um den Kurs so stark einbrechen zu lassen. Ein paar Minuten später stürzte der Goldpreis innert Kürze um 7% ab, derjenige des Silbers gleichzeitig um 12% und der Kupferpreis um 9%. Der US-Dollar, der eigentlich vom tieferen Goldpreis profitieren sollte, bewegte sich dagegen kaum. Das gleiche gilt für die meisten anderen Märkte wie die Schweizer Aktien. Bei den US-Treasuries und dem Franken, die von einer Unruhe an den Märkten normalweise profitieren, waren auch keine besonderen Kursbewegungen zu erkennen. Um 16.30 Uhr war der Spuk vorbei. Positiv ist, dass die starken Kursstürze sich nicht auf andere Märkte ausgeweitet haben. Trotzdem bleibt bei solchen Vorfällen immer ein ungutes Gefühl zurück.
Intransparente Handelssysteme
Klar kann man anmerken, dass die Preise von Gold, Silber und Kupfer zuvor unnatürlich stark gestiegen sind und dass eine Korrektur überfällig war. Aber so schnell wie die Preise gefallen sind, können die meisten Investoren gar nicht reagieren. Offensichtlich wurden von Handelssystemen Verkaufssignale ausgelöst, die grosse Volumen in Gang gesetzt haben. Da die Gegenpositionen kurzfristig zu klein sind, kommen die grossen Kursbewegungen zu Stande. Im Idealfall für den ursprünglichen Urheber löst es weitere Signale anderer Modelle in die gleiche Richtung aus, welche die Preisbewegung verstärken. Kommt hinzu, dass die meisten dieser Handelsmodelle ähnlich aufgebaut sind. Ökonomische Argumente spielen bei diesen Systemen keine Rolle. Wichtig sind nur Konstellationen verschiedener Preise, die die Märkte im Moment anfällig machen. Daher ist der Kreis der Märkte, die von einem solchen Flash-Crash betroffen sind, oft willkürlich und schwer zu erklären.
Am Ende überwiegen die fundamentalen Faktoren
Mittlerweile werden riesige Geldvolumen über solche quantitativen Modelle und Algorithmen verwaltet. Die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz und die immer grösser werdenden Rechenkapazitäten werden die Fantasien der Algo-Trader weiter anheizen. Die Wahrscheinlichkeit, dass solch grosse Kursbewegungen an verschiedenen Finanzmärkten innert kurzer Zeit ausgelöst werden, wird dadurch sicher nicht abnehmen. Ob sie das ganze System zum Absturz bringen können, ist zum Glück eine andere Frage. Bisher haben am Ende immer die wirtschaftlichen Argumente dominiert und die Preise bestimmt. Die Preise für Gold und Silber sind am Freitag erneut gefallen. Dazu haben Gewinnmitnahmen das ihrige beigetragen. Gewinnmitnahmen gehören jedoch genauso zu den Finanzmärkten wie die Käufer, die die tieferen Preise wieder attraktiv finden. Zudem war die Preisbildung am Freitag jederzeit geregelt abgelaufen. Zum Preisrückgang bei den Edelmetallen haben auch fundamentale Argumente beigetragen. Durch die Wahl von Kevin Warsh als zukünftigem Fed-Präsident haben sich die Aussichten auf starke Zinssenkungen in den USA für viele Marktteilnehmer reduziert, was die Attraktivität des zinsfreien Goldes belastet. So soll es sein an den Finanzmärkten.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.37%, S&P500: -0.43%, Nasdaq: -0.94%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +0.95%, DAX: +0.94%, SMI: +0.31%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: -0.99%, Hang Seng: -2.72%, S&P/ASX 200: -1.02%
Die Aktienmärkte sind immer noch daran, sich zu orientieren. Ist die Lage nun schlecht, weil die amerikanische Politik immer unberechenbarer wird oder gut, weil die Weltwirtschaft sich besser entwickelt als befürchtet? Der S&P 500 legte letzte Woche 0.34% zu. Die europäischen Aktien sanken 0.01%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Minus von 0.01% praktisch unverändert abschloss.
Die Stimmung der Anleger ist zuletzt von politischen Unsicherheiten belastet worden. Für die mittelfristige Entwicklung bleiben aber die Konjunktur- und Gewinndynamik zentral. Die für die globalen Aktienmärkte den Ton angebende US-Wirtschaft befindet in einer guten Verfassung. So hat das Wachstum im 4. Quartal mit 4.4% positiv überrascht. Der wichtige private Konsum bleibt trotz der Abschwächung am Arbeitsmarkt tragfähig und stützt die US-Wirtschaft. Die Unternehmen agieren vorsichtig, was neue Stellen angeht, aber auch Entlassungen bleiben begrenzt. Die für die der Aktienmärkte zentralen Treiber wie die Perspektiven für die Gewinne der Unternehmen und das Wirtschaftswachstum bleiben deshalb intakt.
Kapitalmärkte
Renditen 10 J: USA: 4.214%; DE: 2.843%; CH: 0.232%
Die Kapitalmarktzinsen in der Schweiz sind wieder gefallen. Damit bewegen sie sich anders als die Zinsen in den USA oder in Japan. Die Aufwertung des Frankens hat leise Erwartungen geweckt, dass die SNB vielleicht doch noch zu Negativzinsen greifen wird.
Währungen
US-Dollar in Franken: 0.7729
Euro in US-Dollar: 1.1850
Euro in Franken: 0.9159
Die Wahl von Kevin Warsh zum Nachfolger von Jerome Powell hat den Fall des US-Dollars gebremst. Warsh war während seiner vorherigen Zeit bei der Fed als Befürworter einer strikten Inflationskontrolle aufgefallen. Ob er sich dem Diktat von Trump zu tieferen Zinsen entziehen kann und will, wird sich aber noch zeigen müssen. Zuletzt hat er sich für tiefere Zinsen empfänglich gezeigt. Die Aussichten für den Dollar bleiben deshalb nach unten gerichtet.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 61.55 pro Fass
Goldpreis: USD 4'537.90 pro Unze
Der Preis für Gold und Silber schien keine Grenzen mehr zu kennen. In den letzten Tagen sind aber Zweifel aufgekommen und die Preise sind deutlich gesunken. In unserem Beitrag beleuchten wir den Hintergrund der Edelmetall-Märkte.
Wirtschaft
Schweiz: KOF-Konjunkturbarometer (Januar)
letztes: 103.6; erwartet: 103.0; aktuell: 102.5
Der vom KOF berechnete Vorlaufindikator für die Schweizer Wirtschaft ist im Januar gesunken, verbleibt aber über dem Wert, der eine durchschnittliche Konjunkturentwicklung anzeigt. Schlechter wird die Lage vom Gastgewerbe und der Bauindustrie beurteilt, während Teile der Industrie von einem besseren Auftragseingang berichten. Insgesamt zeigen die Daten keine klare Richtung.
Thomas Stucki
8021 Zürich
Ihr nächster Schritt
Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.