Marktkonzentrationen bei Aktien und Obligationen Weltkarte mit Aktienkursen

Marktkonzentration: Klumpenrisiken in Aktien und Obligationen

Wer in einen breiten Aktienindex investiert, erwartet eine gute Streuung. Doch ein Index mit vielen Unternehmen bedeutet nicht automatisch eine breite Diversifikation. In vielen Märkten bestimmen wenige grosse Unternehmen oder einzelne Sektoren einen erheblichen Teil der Wertentwicklung. Daraus entstehen Klumpenrisiken, die Anlegerinnen und Anleger nicht unterschätzen sollten.

Wenige Unternehmen geben den Takt vor

Im amerikanischen S&P 500 entfallen knapp 40% des Index auf nur zehn Unternehmen – darunter Schwergewichte wie Nvidia, Apple und Microsoft. Auch ein globaler Aktienindex ist nicht zwingend so ausgewogen, wie sein Name vermuten lässt: Rund 72% des MSCI World bestehen aus US-Aktien. Konzentrationsrisiken können somit nicht nur bei einzelnen Unternehmen, sondern auch bei Ländern entstehen.

 

Auch der Schweizer Aktienmarkt ist stark konzentriert. Der Swiss Performance Index umfasst zwar mehr als 200 Unternehmen, doch die zehn grössten Titel stehen für mehr als zwei Drittel des Index. Allein Nestlé, Novartis und Roche machen rund 37% aus.

 

Die Beispiele zeigen: Entscheidend ist nicht allein, wie viele Unternehmen ein Index enthält, sondern wie diese gewichtet sind. Ein Index kann aus Hunderten von Titeln bestehen und dennoch von wenigen Unternehmen geprägt werden.

Wenige Sektoren prägen die Aktienmärkte

Hinzu kommt eine hohe Konzentration auf einzelne Branchen. Besonders ausgeprägt ist diese in Südkorea, wo der Technologiesektor rund 70% des Gesamtmarkts ausmacht. Auch in den Schwellenländern und den USA hat der Technologiesektor ein hohes Gewicht.

 

In der Schweiz dominiert der Gesundheitssektor, in Australien und Grossbritannien der Finanzsektor. Jeder grosse Aktienmarkt weist damit eigene Klumpenrisiken auf. Wer in Aktien investiert, sollte deshalb nicht nur auf die geografische Verteilung achten, sondern auch darauf, wie stark einzelne Sektoren und Unternehmen gewichtet sind.

Marktkonzentrationen bei Aktien und Obligationen Säulendiagramm

Klumpenrisiken gibt es auch bei Obligationen

Bei Obligationen können Indizes ebenfalls stärker konzentriert sein, als es auf den ersten Blick scheint. Dort richten sich die Gewichte nach der Höhe der ausstehenden Schulden. Vereinfacht gilt: Wer sich am meisten verschuldet, erhält im Index das grösste Gewicht. In globalen Staatsanleihenindizes dominieren deshalb hoch verschuldete und grosse Anleihemärkte wie die USA, die Länder der Eurozone und Japan. Gerade bei höheren Zinsen und angespannten Staatshaushalten lohnt sich ein genauer Blick auf diese Zusammensetzung.

 

Auch der Schweizer Obligationenmarkt ist konzentriert. Die Eidgenossenschaft und die beiden Pfandbriefinstitute vereinen mehr als 44% des Swiss Bond Index auf sich. Das damit verbundene Kreditrisiko ist aufgrund der hohen Bonität dieser Schuldner vergleichsweise gering. Das Zinsrisiko bleibt jedoch bestehen: Bei langen Laufzeiten können steigende Zinsen zu deutlichen Kursverlusten führen.

Konzentration ist nicht grundsätzlich schlecht

Eine hohe Konzentration hat nicht nur Nachteile. Wer Aktien von stark gewichteten Unternehmen hält, profitiert überdurchschnittlich von deren Kursanstiegen. Zugleich wächst aber die Abhängigkeit von wenigen Unternehmen, Sektoren oder Schuldnern. Deshalb lohnt sich bei der Geldanlage nicht nur auf den Namen eines Index achten, sondern auch auf dessen Zusammensetzung.

Klumpenrisiken gezielt verringern:

  • Breitere Verteilung der Anlagen auf Regionen und Sektoren
  • Ergänzung durch Indizes mit einer ausgewogeneren Gewichtung der Unternehmen
  • Bewusste Kombination verschiedener Anlageklassen
  • Streuung über unterschiedliche Schuldner und Laufzeiten bei Obligationen

Eine ausgewogene Streuung bleibt damit eine der wichtigsten Voraussetzungen für einen langfristig robusten Vermögensaufbau. Unsere Anlageberaterinnen und Anlageberater unterstützen Sie dabei gerne.

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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