16. Februar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Wenn KI die Märkte erschüttert
Von Software bis Logistik: Künstliche Intelligenz (KI) sorgt für Nervosität an den Märkten.
Im Fokus
Was haben Softwareunternehmen, Finanzdienstleister und Logistikkonzerne gemeinsam? Sie alle standen in den letzten Tagen plötzlich im Feuerkreis der Künstlichen Intelligenz (KI). Erst gerieten etablierte Softwarefirmen unter Druck, weil neue generative KI-Modelle ihr bisher sicheres Terrain infrage stellten. Allein in den letzten drei Wochen haben Softwarefirmen im weltweiten Aktienindex fast 20% verloren. Viele Investoren fürchten, dass Geschäftsmodelle, die lange auf proprietären Lösungen beruhten, nun durch offene und lernfähige KI-Plattformen bedroht sind. Letzte Woche trafen die Disruptionsängste die Aktien von US-Versicherungsmaklern, nachdem der Online-Marktplatz Insurify eine neue KI-Anwendung zum Vergleich von Versicherungstarifen vorgestellt hatte. Anschliessend gerieten Vermögensverwalter unter Druck, ausgelöst durch eine Steuer-KI. Diese soll in der Lage sein, hochkomplexe Steuerstrukturen in Echtzeit zu analysieren und Optimierungspotenziale zu erkennen. Gegen Ende der Woche sorgte ein White Paper des Logistik-Start-ups SemiCab für Aufsehen. Darin wird skizziert, wie KI-basierte Routenplanung und autonome Transportnetzwerke den globalen Frachtverkehr revolutionieren könnten. Prompt gerieten die Aktien grosser Logistikkonzerne unter Druck.
Vom Gewinnerfokus zur Risikoaversion
Investoren konzentrieren sich momentan nicht mehr darauf, die Gewinner zu identifizieren, sondern versuchen vielmehr, jeden Titel zu vermeiden, der auch nur ein geringes Risiko birgt, durch KI verdrängt zu werden. Die Reaktion an den Märkten folgt einem bekannten Muster: zuerst verkaufen und die Fragen dann später stellen. Absehbar ist, dass die KI-Revolution in nahezu jeder Branche zu Veränderungen führen wird. Sie kann Effizienzgewinne ermöglichen, ganze Wertschöpfungsketten neu ordnen oder bestehende Geschäftsmodelle überflüssig machen. Doch die Geschwindigkeit, mit der sich dieser Wandel momentan entfaltet, führt an den Börsen zu Überreaktionen. Beflügelt von Schlagzeilen und Social-Media-Stimmungen, wird daraus oft ein kollektiver Reflex: „Jetzt raus, bevor es zu spät ist.“ Wie geht man jedoch als langfristig denkender Investor mit solchen Umwälzungen um, wenn die Grenzen zwischen Gewinnern und Verlierern der KI-Revolution noch gar nicht klar gezogen sind?
Diversifikation als Kompass im KI-Wandel
Wer langfristig Vermögen aufbauen und bewahren will, muss das Gegenteil tun: ruhig agieren, die strukturellen Auswirkungen nüchtern analysieren und vor allem auf die Kraft der Diversifikation setzen, die seit Generationen das Rückgrat solider Anlagestrategien bildet. In einer Zeit, in der technologische Umbrüche ganze Sektoren erschüttern können, ist dieser Ansatz aktueller denn je. Denn niemand kann mit Sicherheit sagen, welches Unternehmen zum grossen Gewinner der KI-Ära wird und welches Opfer einer Disruption, die heute noch nicht einmal sichtbar ist. Künstliche Intelligenz ist kein vorübergehender Trend, sondern eine tektonische Verschiebung vergleichbar mit der industriellen Revolution oder dem Aufkommen des Internets. Doch wie bei jeder grossen Transformation zeigt sich erst mit der Zeit, wer gestärkt aus ihr hervorgeht. Breit diversifizierte Portfolios schaffen hier Stabilität. Im Kern gilt damit ein altes, aber immer wieder bewährtes Prinzip: Wer sich nicht von kurzfristigen Emotionen, sondern von langfristiger Strategie leiten lässt, ist dem Markt oft einen Schritt voraus – selbst in Zeiten, in denen Künstliche Intelligenz die Regeln neu schreibt.
Aktienmärkte
US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.23%, S&P500: -1.39%, Nasdaq: -2.10%
Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.22%, DAX: +0.78%, SMI: +0.72%
Asiatische Märkte
Nikkei 225: +5.80%, Hang Seng: +0.03%, S&P/ASX 200: +2.40%
Während die US-Aktienmärkte in der vergangenen Woche leicht nachgaben, verzeichneten die Börsen in Europa und Asien überwiegend Kursgewinne. Besonders hervorzuheben ist der japanische Nikkei 225, der von der Aussicht auf eine expansivere Fiskalpolitik profitierte. Der S&P 500 verlor im Wochenvergleich 1.39%. Der DAX legte um 0.78% zu, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 2.29% abschloss.
Die im Oktober 2025 einsetzende Sektorrotation setzte sich fort. Weiterhin gefragt sind insbesondere die Sektoren Grundstoffe und Energie. Technologiewerte standen dagegen trotz solider Unternehmensergebnisse vermehrt unter Verkaufsdruck.
Für die mittelfristige Marktentwicklung bleiben die Konjunktur- und Gewinndynamik entscheidend. Die für die globalen Aktienmärkte richtungsweisende US-Wirtschaft präsentiert sich, trotz eines sich abschwächenden Arbeitsmarktes, weiterhin in robuster Verfassung.
Video-Podcast der SGKB
Die Edelmetallpreise schwanken stark, der US-Dollar verliert an Boden und in Washington wird ein neuer Chef für die US-Zentralbank nominiert. Gleichzeitig präsentieren zahlreiche Unternehmen ihre Resultate für das laufende Geschäftsjahr. Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse, und Matthias Müller, Fondsmanager Aktien, ordnen die Marktsituation ein.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.05%; DE: 2.76%; CH: 0.28%
Die Zinsmärkte standen letzte Woche im Bann der Zahlen zum US-Arbeitsmarkt vom Mittwoch und der Inflationsdaten, welche am Freitag publiziert wurden. Die Rendite des richtungsweisenden 10-jährigen US-Treasuries sank am Freitag um fünf Basispunkte, nachdem die Teuerung im Januar leicht tiefer als erwartet ausgefallen ist. Auch in Europa gaben die Renditen nach, allerdings in geringerem Ausmass.
Währungen
Euro in Franken: 0.9117
US-Dollar in Franken: 0.7679
Euro in US-Dollar: 1.1868
An den Devisenmärkten waren die Bewegungen am Freitag überschaubar. Der Franken untermauert auch im Jahr 2026 seinen Status als sicherer Hafen. So konnte er seit Jahresbeginn gegenüber dem Euro um 2% und gegenüber dem US-Dollar um 3.2% zulegen.
Rohstoffmärkte
Ölpreis WTI: USD 62.89 pro Fass
Goldpreis: USD 5'041.04 pro Unze
Gold war am Freitag gefragt, was sich in einem Preisanstieg von 2.4% zeigte. Seit der Korrektur zu Monatsbeginn auf knapp 4'600 US-Dollar pro Unze legte der Preis bereits wieder um mehr als 8 Prozent zu. Bis zum Höchststand von Ende Januar fehlen damit noch rund 7 Prozent.
Wirtschaft
USA: Inflationsrate YoY (Januar)
aktuell: 2.4% (erwartet: 2.5%, Vormonat: 2.7%)
Die US-Verbraucherpreise stiegen im Januar gegenüber dem Vormonat um 0.2% und damit leicht weniger als erwartet an. Im Jahresvergleich resultiert eine Teuerung von 2.4%. Die Kerninflation, also die Teuerung ohne die schwankungsanfälligen Preise für Energie und Lebensmittel, sank auf 2.5%. Aus Sicht der amerikanischen Notenbank geht die Entwicklung bei der Inflation in die richtige Richtung. Der weitere geldpolitische Pfad wird aber auch stark davon abhängen, wie sich die Lage am schwächelnden Arbeitsmarkt entwickelt.
Dominik Schmidlin
8021 Zürich
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