08. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Verschnaufpause im Nahen Osten

In der Nacht auf heute einigten sich der Iran und die USA auf eine zweiwöchige Waffenruhe und die vorübergehende Öffnung der Strasse von Hormus. In einer ersten Reaktion gaben der Ölpreis und der US-Dollar deutlich nach, die Börsen in Asien eröffneten heute Morgen deutlich höher.

Im Fokus

Unter der Vermittlung von Pakistan haben sich der Iran und die USA kurz vor Ablauf eines Ultimatums von US-Präsident Donald Trump auf eine zweiwöchige Waffenruhe verständigt. Zentrale Voraussetzung ist der Stopp der amerikanisch-israelischen Militärkampagne im Iran. Im Gegenzug öffnet Teheran die Strasse von Hormus wieder.

Die Ölpreise gaben in Reaktion auf die Einigung deutlich nach, während die Börsen in Asien mehrere Prozentpunkte höher eröffneten. Die Übereinkunft verschafft den Märkten eine Verschnaufpause, nachdem sich die Tonlage zuvor beidseitig nochmals verschärft hatte. Viele Fragen bleiben jedoch offen und die Lage im Nahen Osten bleibt fragil.

Ein Zehn-Punkte-Vorschlag des Iran stellt weiterhin Maximalforderungen auf, bietet laut US-Präsident Trump jedoch eine mögliche Verhandlungsgrundlage, und die zweiwöchige Pause soll die Finalisierung und Umsetzung des Abkommens ermöglichen. In den kommenden Tagen könnten Verhandlungen, voraussichtlich in Islamabad, folgen. Eine erste Bewährungsprobe wird nun auf der Strasse von Hormus liegen und der Frage, wie reibungslos der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden kann.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.48%, SPI: -1.48%, SMIM: -1.72%

Der Schweizer Aktienmarkt schloss gestern klar tiefer. Das Geschehen wurde weiterhin vom Iran-Krieg bestimmt. Vor dem Ablauf des Ultimatums, das US-Präsident Trump dem Iran gesetzt hat, zeigten sich die Aktienmärkte entsprechend nervös. Die Einigung auf eine Waffenruhe erfolgte in der Nacht auf heute und damit erst nach Börsenschluss. Der Leitindex SMI startete mit Kursgewinnen, büsste diese aber am Nachmittag wieder ein und schloss mit einem Minus von 1.5%. Von den 20 grosskapitalisierten Werten schlossen – abgesehen von SwissRe (unverändert) – alle tiefer. Neben SwissRe verbuchten Swiss Life (-0.1%), Swisscom (-0.2%) und Nestlé (-0.2%) nur geringe Abgaben. Tagesverlierer waren Novartis (-2.8%), Holcim (-2.5%) und Kühne+Nagel (-2.2%). Die schwachen Kurse bei Novartis und Roche (-2.1%) sind wohl auf Ankündigungen der US-Regierung zu neuen Pharma-Zöllen zurückzuführen. Die beiden Schweizer Pharmamultis dürften jedoch aufgrund der im vergangenen Jahr abgeschlossenen Abkommen mit der US-Regierung nicht betroffen sein.

Im breiten Markt gab Ems-Chemie (-1.3%) leicht nach, nachdem das Unternehmen mit den Umsatzzahlen die Berichtsaison zum 1. Quartal 2026 eröffnet hat. Die Umsatzzahlen lagen leicht unter den Erwartungen, während der bestätigte Ausblick zum Betriebsergebnis für das Gesamtjahr gut aufgenommen wurde. Weiter unter Abgabedruck standen die Aktien von Montana Aerospace (-6.3%). Die Aktien hatten bereits am Donnerstag infolge eines nicht den Erwartungen entsprechenden Jahresergebnisses und vor allem enttäuschenden Ausblicks für das kommende Jahr 2027 9.4% eingebüsst.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -1.05%, DAX: -1.06%

Die europäischen Aktienmärkte litten gestern ebenfalls unter dem Näherkommen des Iran-Ultimatums und sich verschärfenden Drohungen von US-Präsident Trump. Der länderübergreifende EuroStoxx50 und der zyklischere DAX verloren 1.1%, der französische CAC40 0.7%. Bei den Einzeltiteln stand Universal Music Group (+11.8%) im Fokus. Der US-Investor Bill Ackman will mit seiner Firma Pershing Square Capial den Musikkonzern übernehmen. Auf Sektorenstufe war entsprechen der Bereich Kommunikationsdienste gesucht. Daneben konnte nur der Sektor Energie positiv abschneiden. Am stärksten unter Abgabedruck standen Technologie, Gesundheit und Zyklischer Konsum.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.18%, S&P 500: +0.08%, Nasdaq: +0.10%

Die amerikanischen Aktienmärkte zeigten eine späte Erholung und gingen wenig verändert aus dem Handel. Die Einigung auf Waffenruhe erfolgte erst nach Börsenschluss. Der Leitindex DowJones gab 0.2% ab, während der breiter gefasste S&P500 um 0.1% zulegte. Der technologielastige Nasdaq gewann ebenfalls 0.1% hinzu. Bei den Einzelaktien fiel Apple (-1.9%) auf. Der Kurs wurde durch Medienberichte über technische Probleme bei der Entwicklung eines faltbaren iPhones belastet. Das Gerät soll aber pünktlich im September auf den Markt kommen. Apple äusserte sich bisher nicht zur Einführung eines Falt-iPhones. Die Aktie von Intel legte um 4.4% zu, nachdem das Unternehmen bekannt gab, sich dem Terafab-Projekt von Elon Musk angeschlossen zu haben, welche Halbleiter für dessen Unternehmen Tesla, SpaceX und xAI entwickelt. Ebenfalls nach oben ging es für Broadcom (+6.4%). Der Halbleiterkonzern gab eine Vereinbarung mit Alphabet (+2.0%) zur Entwicklung von KI-Chips bekannt. Bei den Krankenversicherern sorgte die Meldung, dass das staatliche Krankenversicherungsprogramm Midicare im kommenden Jahr 2.48% mehr zahlen wird, für Auftrieb. Die Aktien von Unitedhealth, Humana und CVS Health legten zwischen 6.9% und 9.6% zu.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.24%; DE: 3.08%; CH: 0.47%

Mit der Hoffnung auf einen anhaltenden Waffenstillstand und den gesunkenen Ölpreisen ist auch die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe zurückgegangen. Ende März hatte sie mit rund 4.42% den höchsten Stand seit acht Monaten erreicht, ehe sie nun mit 4.24% auf einem Dreiwochentief notiert. Auch die Pendants in der Eurozone und in der Schweiz dürften im Tagesverlauf nachziehen.

Währungen

Euro in Franken: 0.922
US-Dollar in Franken: 0.789
Euro in US-Dollar: 1.167

Seit Beginn des Iran-Kriegs hatte sich der US-Dollar weitgehend im Gleichklang mit dem Ölpreis entwickelt und gegenüber allen anderen G10-Währungen zugelegt. In einer ersten Reaktion auf den heute Nacht verkündeten Waffenstillstand hat der Dollar nun an Wert eingebüsst. Der Dollar hat zum Franken einen Rappen verloren und notiert erstmals seit zwei Wochen wieder unter 0.79.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 92.90 pro Fass
Goldpreis: USD 4'801.32 pro Unze

In einer ersten Reaktion auf die Waffenstillstandsankündigung zwischen den USA und Iran ist der Preis der Nordseesorte Brent heute Morgen auf unter USD 95 pro Fass gefallen. Dies entspricht dem tiefsten Stand seit Mitte März und liegt rund 15% unter dem Vortagesniveau. Im Fokus steht nun, wie rasch der Schiffsverkehr in der Strasse von Hormus wieder anläuft. Über diese Passage wurden vor Kriegsbeginn rund 20% des globalen Öl- und Gashandels abgewickelt, seit dem 28. Februar ist er nahezu zum Erliegen gekommen. Über die zwei Wochen hinaus muss sich noch weisen, wie gross das Ausmass der physischen Störungen an wichtigen Energieinfrastrukturstandorten in der Golfregion und die Reparaturzeiten sind.

Wirtschaft und Konjunktur

Es wurden gestern keine Wirtschaftsdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Ihr nächster Schritt

Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Abonnieren Sie die Themen-Newsletter unseres Investment Centers oder verschaffen Sie sich mit unserem kompakten Anlagemagazin /sicht einen Gesamtüberblick.