22. Januar 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Trumps Zurückkrebsen beruhigt Märkte
US-Präsident Trump verzichtet auf die angedrohten neuen Zölle im Zusammenhang mit der Grönland-Frage. Am Schweizer Aktienmarkt stehen heute die Eckdaten von Galenica, Huber + Suhner und Aryzta im Fokus.
Im Fokus: Trump verzichtet auf neue Zölle
Leichte Beruhigung in der Grönland-Frage: Gestern Abend wurde bekannt, dass sich US-Präsident Trump und Nato-Generalsekretär Rutte auf einen Rahmen zur Lösung der Grönland-Frage geeinigt haben. Für die Finanzmärkte relevant ist, dass diese Vereinbarung den Verzicht auf die ursprünglich für Anfang Februar angedrohten Zusatzzölle für acht europäische Staaten beinhaltet. Weitere Details wurden bisher nicht bekannt. Mit der Einigung könnte die Unsicherheit an den Märkten wieder etwas abnehmen, nachdem in den letzten Tagen europäische und US-Aktienmärkte Verluste hinnehmen mussten. An den werktags rund um die Uhr geöffneten Devisenmärkten hat die Ankündigung der Einigung bisher aber zu keinen grösseren Bewegungen geführt. Das EUR/USD-Währungspaar veränderte sich in der Folge nur wenig.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.10%, SPI: +0.04%, SMIM: +0.38%
Nach dem verlustreichen Dienstag zeigte der Schweizer Aktienmarkt gestern eine Stabilisierung. Im Fokus standen weiterhin die Machtansprüche von US-Präsident Trump, der diese am Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos erneut bekräftigte. Für etwas Entspannung an den Märkten sorgte seine Aussage, dass er auf Gewalt verzichten und den Kauf Grönlands über Verhandlungen erreichen wolle. Der SMI konnte die zwischenzeitlichen Verluste nach der Rede von Trump weitgehend wettmachen. Bei den grosskapitalisierten Werten standen mit Swiss Life (-1.2%) Swiss RE (-1.6%) und Zurich Insurance (-2.4%) die Versicherungswerte am stärksten unter Druck. Nicht aus dem Tief kommt weiterhin Nestlé (-1.3%). Nach der jüngsten Rückrufaktion von Babynahrung wurde in Frankreich nach dem Tod eines Säuglings eine gerichtliche Untersuchung eingeleitet. Auftrieb spürten dagegen Aktien aus dem erweiterten Gesundheitssektor. Alcon (+4.0%) war nach starken Zahlen des US-Gesundheitskonzerns Johnson & Johnson gefragt, der unter anderem von einer guten Entwicklung im Augenheilkundebereich berichtete. Die Aktien von Lonza schlossen ohne nennenswerte Neuigkeiten 2.5% höher. Dahinter fanden mit Givaudan (+1.3%), Kühne + Nagel (+1.3%) und Sika (+1.0%) einige der Vorjahresverlierer neue Käufer.
Im breiten Markt zogen Komax nach einer Kaufempfehlung eines Brokers um 4.7% an. Der angeschlagene Schokoladenproduzent Barry Callebaut (+3.3%) reagierte positiv auf den unerwarteten Wechsel an der Spitze des Unternehmens. Schon ab Montag wird mit Hein Schuhmacher ein ehemaliger CEO von Unilever den Spitzenposten übernehmen, was bei den Analysten mehrheitlich positive Kommentare auslöste. Auch bei den mittelkapitalisierten Unternehmen gehörten mit Medacta (+2.8%), Siegfried (2.7%), Tecan (+2.6%), Bachem (+2.5%) und Straumann (+1.6%) unter anderem Aktien aus dem Gesundheitsbereich zu den Gewinnern.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.16%, DAX: -0.58%
Auch an den europäischen Aktienmärkten beruhigten sich die Stimmung am späteren Nachmittag nach der WEF-Rede von Trump ebenfalls etwas. Der EuroStoxx50 konnte seine Verluste aber nicht ganz wettmachten und schloss 0.2% tiefer. Der zyklische ausgerichtete DAX gab 0.6% nach. Aktien aus dem Versicherungssektor gehörten europaweit zu den Verlierern, darunter etwa Munich Re (-3.1%) und AXA (-2.3%). Die Versicherungswerte wurden zuletzt unter anderem von enttäuschenden Preiserneuerungsrunden gebremst. Die Aktien des Nahrungsmittelkonzerns Danone sackten um 8.4% ab, nachdem bekannt wurde, dass der Problemfall im Zusammenhang mit verunreinigter Babynahrung neben Nestlé auch Danone betrifft. Gefragt waren Unternehmen aus dem Rohstoffbereich. Allen voran zogen die Aktien von Rio Tinto nach besser als erwarteten Produktionszahlen um 5.2% an.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: +1.21%, S&P 500: +1.16%, Nasdaq: +1.18%
Die amerikanischen Aktienmärkte erholten sich gestern teilweise von ihren Vortagesverlusten. Vor allem Trumps Aussage, dass es doch keine zusätzlichen Strafzölle gegen die acht europäischen Länder geben soll, sorgte an den Märkten für etwas Entspannung. Trump hatte wegen dem Streit um Grönland unter anderem Deutschland einen zusätzlichen Strafzoll von 10% angedroht. Der Dow Jones, der S&P 500 und der Nasdaq schlossen jeweils 1.2% höher. Im Fokus stand unter anderem Netflix (-2.2%). Der Streaminganbieter übertraf zwar mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen, blieb jedoch beim Ausblick auf der vorsichtigen Seite. Ein besser als erwartetes Zahlenset und ein starken Ausblick lieferte auch der Gesundheitskonzern Johnson & Johnson (-0.1%). Vorsichtige Aussagen zu einem laufenden Rechtsstreit standen aber einer positiven Kursreaktion im Weg. Im Technologiesektor schossen Intel vor der heutigen Zahlenvorlage um 11.7% nach oben und erreichten damit den höchsten Stand seit vier Jahren.
Unternehmensberichte
Galenica übertrifft Umsatzmarke von CHF 4 Milliarden
Galenica veröffentliche heute Morgen Umsatzzahlen zum abgelaufenen Geschäftsjahr 2025. Die Apothekenbetreiberin steigerte den Umsatz um 5.5% auf CHF 4.14 Mrd. Die Wachstumszielbandbreite von 4% bis 6% wurde damit problemlos erreicht. Sowohl das Apotheken- als auch das Wholesale-Geschäft trugen zum soliden Wachstum bei. Zudem profitierte Galenica von einer starken Nachfrage nach rezeptpflichtigen Medikamenten wie zum Beispiel GLP-1-Präparate. Beim operativen Gewinn (EBIT), über den Galenica am 10. März im Rahmen der ausführlichen Zahlen berichten wird, rechnet Galencia weiterhin mit einem Wachstum von 10% bis 12%. Das Zahlenset liegt im Rahmen der Analystenerwartungen.
Huber + Suhner trotz starkem Auftragseingang leicht unter Erwartung
Huber + Suhner konnte den Auftragseingang 2025 um 13.7% auf CHF 1.03 Mrd. steigern. Angetrieben wurde die Entwicklung von einer starken Nachfrage nach optischen Switches im Kommunikationssegment und einer dynamischen Auftragsentwicklung im Industriesegment, das insbesondere im Bereich Luft-, Raumfahrt und Wehrtechnik deutlich zulegte. Im dritten Geschäftsbereich Transport verharrte das Auftragsvolumen auf Vorjahresniveau. Der Umsatz sank um 3.3% auf CHF 864.1 Mio., unter anderem belastet durch den starken Schweizer Franken. Bereinigt um Währungs-, Portfolio und Kupferpreiseffekte wäre der Umsatz auf Vorjahresniveau gelegen. Die detaillierten Zahlen wir das Unternehmen an 10. März präsentieren. Bei der operativen Gewinnmarge gilt unverändert ein Wert von 10% bis 11% als Ziel. Das Zahlenset bleibt leicht unter den Erwartungen.
Aryzta bleibt hinsichtlich Jahreszielen auf Kurs
Der Backwarenhersteller bestätigte heute in einem Vorabstatement, dass er die Finanzziele 2025 erreicht hat. Der operative Gewinn auf Stufe EBITDA wird mindesten bei EUR 305 Mio. erwartet. Dies würde einem organischen Umsatzwachstum von etwa 2% entsprechen. Der freie Cashflow wird in einer Bandbreite von EUR 115 bis 120 Mio. gesehen, während die Finanzierungskosten im Bereich von EUR 42 bis 44 Mio. liegen sollen. Die Vorabzahlen liegen leicht über den Analystenerwartungen.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.25%; DE: 2.88%; CH: 0.30%
An den US-Kapitalmärkten stand gestern die Anhörung des Supreme Courts in Sachen Lisa Cook im Fokus. Trump möchte die Fed-Gouverneurin und Mitglied im zinsbestimmenden Offenmarktausschuss wegen angeblichen Betrugs im Zusammenhang mit privaten Hypotheken aus dem Amt entlassen. Dies würde seinen Einfluss auf die US-Notenbank deutlich ausweiten. In der gestrigen mündlichen Anhörung zeigten sich die Richter des Supreme Courts aber skeptisch ab den Argumenten der Trump-Administration, was an den Märkten als positives Zeichen für die Unabhängigkeit der Fed gewertet wurde. Die Rendite auf die 10-jährige US-Staatsanleihe ging in der Folge leicht zurück, bleibt im Vergleich mit Anfang Jahr aber klar erhöht. Gründe für das höhere Niveau sind die Turbulenzen rund um Grönland und die damit verbundenen Zolldrohungen sowie Verkaufsbewegungen am japanischen Anleihenmarkt.
Währungen
Euro in Franken: 0.929
US-Dollar in Franken: 0.795
Euro in US-Dollar: 1.169
Spiegelbildlich zu den US-Zinsen profitierte gestern der US-Dollar von der kritischen Haltung des Supreme Courts gegenüber einer möglichen Entlassung von Fed-Gouverneurin Lisa Cook durch US-Präsident Trump. Gegenüber dem Euro und dem Schweizer Franken konnte der «Greenback» einen Teil seiner Verluste der letzten Tage wieder aufholen. Die Nachricht, dass Trump auf die angedrohten neuen Zölle verzichtet, führte zu keinen zusätzlichen Bewegungen.
Rohwarenmärkte
Ölpreis WTI: USD 60.66 pro Fass
Goldpreis: USD 4'826.70 pro Unze
Vor dem Hintergrund der geopolitischen Turbulenzen rund um Grönland hat Gold gestern seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und mit zwischenzeitlich fast 4'900 US-Dollar pro Unze erneut ein neues Allzeithoch erreicht. Danach setzte auf hohem Niveau eine leichte Gegenbewegung ein. Im Vergleich zu Anfang Jahr beträgt das Plus beim gelben Edelmetall bereits über 11%.
Wirtschaft und Konjunktur
Gestern wurden keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe publiziert.
Matthias Müller
8021 Zürich
Roman Elbel
8021 Zürich
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