20. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

SNB und EZB warten vorerst zu

Erwartungsgemäss haben die Schweizerische Nationalbank und die Europäische Zentralbank gestern nicht an der Zinsschraube gedreht. Der Schweizer Aktienmarkt verlor gestern deutlich, nachdem im Iran-Krieg eine neue Eskalationsstufe erreicht worden war.

SNB und EZB lassen ihre Leitzinsen unverändert

Wie bereits die US-Notenbank Fed am Mittwoch haben sich gestern auch die Schweizerische Nationalbank und die Europäische Zentralbank dazu entschieden, ihren Leitzins vorerst unverändert zu lassen. Damit bleibt der SNB-Leitzins bei 0%, die Sichtguthaben der Geschäftsbanken über einer bestimmten Limite werden weiterhin mit -0.25% belastet. Um zudem einer raschen und übermässigen Aufwertung des Frankens aufgrund des Konflikts im Nahen Osten entgegenzuwirken, hat die Nationalbank derzeit ihre Bereitschaft erhöht, am Devisenmarkt zu intervenieren.

Die Schweizerische Nationalbank erwartet für das Jahr 2026 weiterhin ein leicht unterdurchschnittliches Wachstum von 1%. Die Prognose-Unsicherheit hat mit dem Konflikt im Nahen Osten jedoch deutlich zugenommen. Dies trifft auch für die bedingte Inflationsprognose zu, welche die SNB vierteljährlich erstellt. Aufgrund der gestiegenen Energiepreise liegt die Prognose für die nächsten Quartale höher als noch im Dezember. Mittelfristig hat sich der Inflationsdruck gegenüber der letzten Lagebeurteilung jedoch kaum verändert. Eine Veränderung des Leitzinses ist deshalb in unseren Augen vorderhand nicht angezeigt.

Nicht ganz so eindeutig präsentiert sich das Bild für die Europäische Zentralbank. Der Krieg im Nahen Osten hat gemäss EZB-Präsidentin Christine Lagarde deutliche Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge. Entsprechend haben die EZB-Ökonomen ihre Inflationsprognose für das Jahr 2026 von 1.9% auf 2.6% erhöht. Gleichzeitig senkten sie ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum 2026 von 1.2% auf 0.9%. Die Europäische Zentralbank hält entsprechend an ihrem datenabhängigen Vorgehen und an Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung fest. Insgesamt sieht sich die EZB jedoch geldpolitisch weiterhin gut positioniert.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -2.40%, SPI: -2.39%, SMIM: -2.66%

Der Schweizer Aktienmarkt konnte sich gestern der negativen Stimmung nicht entziehen und wurde nach der Verschärfung des Konflikts im Iran-Krieg auf Talfahrt geschickt. Auslöser waren Angriffe auf Flüssiggasterminals in Katar, deren Wiederaufbau voraussichtlich drei bis fünf Jahre dauern dürfte. Die Auswirkungen des Krieges sind damit deutlich stärker als zunächst befürchtet. Mit dem steigenden Ölpreis flammten erneut Inflationsängste auf, verbunden mit Sorgen über eine wirtschaftliche Abschwächung. Die Marktteilnehmer wechselten in einen Risk off-Modus. Der Zinsentscheid der SNB sorgte hingegen für keinerlei Impulse. Die defensiven Eigenschaften des Schweizer Markts halfen da wenig und Gewinner waren rar gesät. Logitech notierte den ganzen Tag im Plus, verlor jedoch gegen Handelsschluss an Boden und schloss letztlich unverändert. Am stärksten verlor der klein und mittelkapitalisierte SMIM mit 2.7 Prozent, gefolgt von SMI und SPI, die jeweils 2.4 Prozent einbüssten. Seit Kriegsausbruch hat der SMI nun rund 11 Prozent verloren. Baustoffzulieferer und zyklische Werte standen besonders unter Druck. Vor allem wirtschaftssensitive und energieintensive Unternehmen aus der Baubranche litten deutlich. Alle 20 Blue Chips im SMI schlossen im Minus. Sika (-6.6%), Geberit (-4.1%), Amrize (-4.0%) und Holcim (-3.3%) büssten überdurchschnittlich an Wert ein. Auch die Indexschwergewichte erwiesen sich nicht als Stütze. Nestlé verlor mit 1.7% noch am wenigsten, während Novartis (-2.2%) und Roche (-2.9%) jeweils über 2% nachgaben.

Am breiten Markt fiel auch Implenia mit einem Minus von 6.9% auf. Swissquote konnte mit dem Ausblick nicht überzeugen und verlor im gestrigen Umfeld 6.0 Prozent. Dem negativen Trend entziehen konnten sich unter anderem Rieter (+2.1%), VZ Holding (+1.2%), BKW (+0.7%) sowie Kardex (+0.6%).

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -2.14%, DAX: -2.82%

Die europäischen Aktienmärkte mussten gestern deutliche Kursverluste hinnehmen. Während der Leitzinsentscheid der Europäischen Zentralbank keine nennenswerten Effekte zeigte, sorgten Nachrichten über Angriffe auf Flüssiggasinfrastruktur in Katar und das Erreichen einer neuen Eskalationsstufe für erheblichen Abgabedruck. Die stärksten Verluste verzeichnete der zyklische DAX mit einem Minus von 2.8%. Auf Sektorenebene standen einzig die Energiewerte in der Gunst der Anleger. Unter Druck gerieten hingegen Immobilien-, Grundstoff- und Industriewerte. Der deutsche Immobilienkonzern Vonovia verlor 12.1% und bildete damit das Schlusslicht. Zwar konnten höhere Mieteinnahmen im vergangenen Jahr verzeichnet werden, die Aktie wurde im gestrigen Marktumfeld dennoch deutlich abgestraft.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.44%, S&P 500: -0.27%, Nasdaq: -0.28%

Auch die amerikanischen Aktienmärkte wiesen gestern rote Vorzeichen auf. Die Verluste fielen im Gegensatz zu ihren europäischen Pendants jedoch moderater aus. Dies ist unter anderem auf die geringere Abhängigkeit von den stark gestiegenen Rohstoffpreisen zurückzuführen, da die USA über eine umfangreiche eigene Produktion verfügen. Der US Leitindex Dow Jones verlor 0.4 Prozent, während der marktbreite S&P 500 und der technologielastige Nasdaq jeweils 0.3 Prozent tiefer schlossen. Auf Sektorenebene legten Energie-, Finanz- und Technologiewerte zu. Unter Abgabedruck standen hingegen die Sektoren Grundstoffe, Zyklischer Konsum und Nichtzyklischer Konsum. Chevron (+1.4%), Cisco (+1.2%) und Goldman Sachs (+0.5%) führten den Dow Jones an. Boeing (-2.3%), McDonalds (-2.0%) und 3M (-1.6%) verloren hingegen. Der Chiphersteller Micron Technology stellte zwar weiteres Umsatzwachstum in Aussicht, sorgte jedoch mit Aussagen zu deutlich höheren Investitionen für eine Eintrübung der Anlegerstimmung. Die geplanten Investitionen von USD 25 Mrd., rund USD 10 Mrd. mehr als im Vorjahr, in den Ausbau von Kapazitäten zur Deckung der Nachfrage führten zu einem Kursrückgang von 3.8%.

Unternehmensberichte

Mobilezone übernimmt Apfelkiste.ch und Marein für CHF 180 Mio.

Mobilezone gab gestern nachbörslich bekannt, die AK Group mit der E-Commerce-Plattform Apfelkiste.ch sowie dem Retail-Branding-Spezialisten Marein zu übernehmen. Für die Transaktion wurden rund CHF 180 Mio. in bar bezahlt. Im Jahr 2025 erzielte das Unternehmen einen Umsatz von über CHF 100 Mio. sowie ein EBITDA von rund CHF 20 Mio. Mobilezone erwartet durch die Übernahme eine Steigerung von Umsatz, EBITDA und allen Margen. Pro forma wird ein EBITDA von CHF 60 bis 67 Mio. in Aussicht gestellt. Der Vollzug der Transaktion wird bis Ende Juni 2026 erwartet. Die angepasste EBITDA-Guidance für 2026 soll nach Abschluss der Transaktion bekannt gegeben werden.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.25%; DE: 2.95%; CH: 0.37%

Die möglichen Auswirkungen der höheren Energiepreise auf die Inflation sind derzeit der Haupttreiber an den Kapitalmärkten. Entsprechend war die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe auch gestern wieder ein Abbild der Bewegungen am Ölmarkt. So stieg diese am frühen Nachmittag auf über 4.32% und damit auf einen neuen Jahreshöchststand an. Mit dem sinkenden Ölpreis gegen Abend glitt auch die Rendite wieder zurück. Die Zinsentscheide der Europäischen Zentralbank und der Schweizerischen Nationalbank hatten hingegen nur geringe Auswirkungen auf die Kapitalmärkte.

Währungen

Euro in Franken: 0.912
US-Dollar in Franken: 0.789
Euro in US-Dollar: 1.156

Der US-Dollar gab gestern seine Gewinne vom Vortag wieder ab und verlor gegenüber den wichtigsten Währungen deutlich an Wert. Der Schweizer Franken büsste derweil gegenüber dem Euro deutlich an Terrain ein, nachdem SNB-Präsident Martin Schlegel erneut betonte, dass die SNB die Bereitschaft zu Deviseninterventionen erhöht habe.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 94.06 pro Fass
Goldpreis: USD 4'687.88 pro Unze

Nach einem starken Ölpreisanstieg in der ersten Tageshälfte im Anschluss an die Angriffe auf Flüssiggasterminals in Katar ist der Ölpreis gegen Abend wieder etwas gefallen. Dies, nachdem die israelische Regierung bekannt gab, von weiteren Angriffen auf iranische Energieanlagen abzusehen. Die US-Sorte West Texas Intermediate fiel von 98 US-Dollar auf 94 US-Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent, welche stärker von den Folgen des Kriegs im Nahen Osten betroffen ist, fiel von zeitweise über 119 US-Dollar auf etwa 107 US-Dollar das Fass.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Philadelphia Fed Geschäftsklima (März)
aktuell: +18.1 (erwartet: +8.0, Vormonat: +16.3)

Der gestern veröffentlichte Geschäftsklimaindex der Philadelphia Fed, welcher die Aktivität im Industriesektor misst, ist im März entgegen den Erwartungen weiter angestiegen. Laut der aktuellen Umfrage bewertet eine Mehrheit der Unternehmen die allgemeine Geschäftslage noch einmal optimistischer als noch vor Monatsfrist. Weiterhin positiv zeigt sich insbesondere der «Auftragseingang», während die «Offenen Aufträge» negativer beurteilt werden.

USA: Vorlaufende Indikatoren (Januar)
aktuell: -0.1% (erwartet: -0.1%, Vormonat: -0.2%)

Der Index der vorlaufenden Indikatoren, welcher vom Conference Board erhoben wird, sank im Januar um 0.1%. Der Sammelindex setzt sich aus zehn Frühindikatoren zusammen, wie beispielsweise den Neuaufträgen in der Industrie oder den Arbeitslosenanträgen. Zum Rückgang im Januar beigetragen haben unter anderem die Konsumentenerwartungen sowie die Baugenehmigungen.

Patrick Häfeli

Portraitfoto von Patrick Häfeli, Senior Strategieanalyst Fixed Income bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Angela Truniger

Portraitfoto von Angela Truniger, Senior Finanzanalystin bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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