29. April 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

SMI durch Berichtssaison geprägt

Nach einem schwachen Start machte der SMI gestern am Nachmittag noch Boden gut. Grund dafür war die Kehrtwende des Index-Schwergewichts Novartis, das nach anfänglich negativ aufgenommenen Quartalszahlen ins Plus drehte. Heute stehen die Quartalszahlen von UBS, Sandoz und Straumann im Fokus. Nach Börsenschluss richtet sich der Blick in die USA, wo anschliessend an den Fed-Entscheid vier der grossen US-Techkonzerne ihre Quartalszahlen vorlegen.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.13%, SPI: -0.20%, SMIM: -0.55%

Der Schweizer Aktienmarkt notierte während dem Handelstag weitgehend im Minus, machte seien Verluste gegen Handelsende aber weitgehend wett. Der Leitindex SMI schloss 0.1% im Minus. Weiterhin belastend wirkte der hohe Ölpreis von über USD 110 für ein Fass der Sorte Brent aufgrund der stockenden Verhandlungen im Iran-Konflikt. Getragen wurde der Umschwung am Schweizer Aktienmarkt vor allem von den Index-Schwergewichten Novartis (+0.6%) und Roche (-0.03%). Der Pharmamulti Novartis legte am Morgen enttäuschende Quartalszahlen vor und notierte teilweise über 5% im Minus. Vor allem am Nachmittag drehte die Aktie dann nach oben und schloss 0.6% höher. Einen ähnlichen Umschwung vollzog im Schlepptau der Branchennachbar Roche. Von den 20 grosskapitalisierten Werten schlossen sieben höher und einer unverändert. Angeführt wurde das Tableau von Logitech (+1.7%) und Kühne + Nagel (+1.5%). Ebenfalls im Plus schlossen die Finanzwerte Zurich Insurance (+0.6%), Swiss Re (+0.5%), UBS (+0.4%) und Swiss Life (+0.02%). Tagesverlierer waren die Aktien von Partners Group (-1.9%), ABB (-1.6%) und Lonza (-1.2%).

Im breiten Markt sorgen die Ergebnisse zum 1. Quartal 2026 für grössere Bewegungen. Die Aktie des Mischunternehmens Bucher brach um 4.7% ein. Vor allem die stark rückläufigen Bestellungen in der Agrarsparte Kuhn belasteten. Angeführt wurde der Schweizer Gesamtmarkt von SIG (+12.8%). Der Verpackungsmaschinenhersteller konnte mit den Zahlen die Markterwartungen übertreffen und bestätigte den Jahresausblick. 

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.41%, DAX: -0.27%

Die europäischen Aktienmärkte notierten uneinheitlich. Der länderübergreifende EuroStoxx50 verlor 0.4%. Der deutsche DAX (-0.3%) und der französische CAC40 (-0.5%) gaben nach, während der spanische IBEX35 (+0.5%) und der italienische FTSE MIB (+0.8%) zulegten. Auf Sektorenebene gewannen die Branchen Energie, Versorger, Finanzen und Nichtzyklischer Konsum hinzu. Auf dem Verkaufszettel standen insbesondere die Sektoren Technologie, Zyklischer Konsum und Grundstoffe.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -0.05%, S&P 500: -0.49%, Nasdaq: -0.90%

Die amerikanischen Aktienmärkte wurden gestern vor allem von korrigierenden Aktien aus dem Umfeld der Künstlichen Intelligenz belastet. Belastend wirkte ein Bericht des Wall Street Journals, der spekulierte, dass der ChatGPT-Konzern OpenAI seine geschäftlichen Ziele verfehlen könnte. Auch war eine gewisse Zurückhaltung vor dem heutigen US-Leitzinsentscheid zu spüren. Der Leitindex Dow Jones hielt sich mit einem Minus vom 0.1% am besten. Der breiter gefasste S&P 500 büsste 0.5% ein. Am stärksten verlor der Technologie-Index Nasdaq (-0.9%). Wenig Einfluss auf das Handelsgeschehen hatte das US-Verbrauchervertrauen für den April des Marktforschungsinstitut Conference Board. Dieses stieg um 0.6 Punkte entgegen dem erwarteten Rückgang und gestiegenen Benzinpreisen. Bei den Einzelwerten stand Coca-Cola (+4.4%) im Fokus. Der Getränkekonzern konnte den Umsatz auf vergleichbarer Basis im vergangenen Quartal um 10% steigern und erhöhte den Jahresausblick für den Gewinn je Aktie. Um 12.0% brach hingegen die Aktie des Musik-Streamingdienstes Spotify nach durchwachsenen Quartalszahlen ein. 

Unternehmensberichte

UBS übertriff Erwartungen deutlich

Die UBS hat im 1. Quartal 2026 einen 80% höheren Reingewinn von USD 3.04 Mrd. erzielt, was einer Eigenkapitalrendite von 13.3% entspricht. Der Ertrag nahm um 13% auf USD 14.24 Mrd. zu, während der Aufwand mit USD 10.33 Mrd. weitgehend stabil blieb. Die Kosten-/Ertrags-Quote verbesserte sich auf 70.2%. Im globalen Wealth Management lag das Nettoneugeld bei USD 37 Mrd. Aufgrund von schwächeren Märkten und Wechselkurseffekten glitten die verwalteten Vermögen von USD 7'005 Mrd. anfangs Jahr auf USD 6'881 Mrd. zurück. Die Kernkapitalquote (CET1) verbesserte sich um 30 Basispunkte auf 14.7%. Bis zum Ende des 2. Quartals will die UBS weiter Aktien im Wert von insgesamt USD 3 Mrd. zurückkaufen. Im 1. Quartal lagen die Rückkäufe bei USD 0.9 Mrd. Mit dem Zahlenset wurden die Analystenerwartungen klar übertroffen.

Sandoz bestätigt Jahresausblick

Der Generikahersteller Sandoz hat im vergangenen Quartal den Umsatz um 11% auf USD 2.76 Mrd. gesteigert. Zu konstanten Wechselkursen lag das Plus bei 3%. Das Geschäft wurde erneut durch Verwerfungen im Penicillin-Geschäft getroffen. Asiatische Lieferanten leiteten ihre Penicillin-Wirkstoffe aufgrund von US-Zöllen nach Europa um, was das Angebot drastisch erhöhte und zu starken Preiskorrekturen führte. Ohne diesen Effekt hätte das Umsatzwachstum wechselkursbereinigt 5% betragen. Das Generikageschäft schrumpfte zu konstanten Wechselkursen um 3%, während die Biosimilar-Sparte um 18% zulegte. Mit den vorgelegten Zahlen wurden die Analystenerwartungen getroffen. Der Ausblick für das Gesamtjahr wurde bestätigt.

Straumann erfüllt Erwartungen dank solidem Jahresauftakt

Straumann musste im 1. Quartal 2026 einen Umsatzrückgang von 1.2% auf CHF 672.5 Mio. hinnehmen. Bereinigt um einen signifikant negativen Währungseinfluss verbuchte das Dentalunternehmen ein Wachstum von 7.1%. Sämtliche Regionen trugen positiv zur organischen Entwicklung bei, angeführt von Lateinamerika (+19.5%), EMEA (+7.8%) und Nordamerika (+7.7%). Unterdurchschnittlich fiel das Wachstum in der Region Asien-Pazifik (+0.5%) aus, was vor allem auf den volumenbasierten Beschaffungsprozess in China und die hohe Vergleichsbasis aus dem Vorjahr zurückzuführen ist. An der Jahreszielsetzung, die ein wechselkursbereinigtes Umsatzwachstum im hohen einstelligen Prozentbereich und eine Verbesserung der Kern-EBIT-Marge um 60 Basispunkte umfasst, hält Straumann fest. Die Umsatzzahlen decken sich mit den Analystenerwartungen.

ALSO legt am Kapitalmarkttag Quartalszahlen vor

Der IT-Logistiker ALSO legte vor dem heutigen Kapitalmarkttag ausserordentlich Eckwerte zum 1. Quartal 2026 vor. Der Umsatz legte um 31% auf EUR 4.3 Mrd. zu und der EBITDA verbesserte sich um 46% auf EUR 89 Mio. Die Zahlen sind stark geprägt durch die Grossübernahme des Unternehmens Westcoast.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.35%; DE: 3.06%; CH: 0.44%

Im Vorfeld des heutigen Zinsentscheids der US-Notenbank ist die Rendite der richtungsweisenden zehnjährigen US-Staatsanleihen weitgehend seitwärts verlaufen. Die Europäische Zentralbank tagt am Donnerstag. In beiden Fällen wird keine Anpassung der Leitzinsen erwartet. Angesichts der gestiegenen Energiepreise haben sowohl die Aufwärtsrisiken für die Inflation als auch die Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zugenommen.

Währungen

Euro in Franken: 0.923
US-Dollar in Franken: 0.789
Euro in US-Dollar: 1.170

Der Franken schwächte sich gestern sowohl zum Euro als auch zum US-Dollar leicht ab. Auf Monatssicht weisen primär die norwegische Krone und der australische Dollar ein grösseres Plus von über 2% gegenüber dem Franken aus. Der Blick richtet sich in der zweiten Wochenhälfte auf die Zentralbank-Sitzungen von Fed (heute Abend) und EZB (Donnerstag). Im Fokus steht dabei ihre Einschätzung der gestiegenen Energiepreise und deren Auswirkungen auf die Inflation.

Rohwarenmärkte

Ölpreis (Brent): USD 111.19 pro Fass
Goldpreis: USD 4'604.82 pro Unze

Die stockenden Verhandlungen zum Ende des Iran-Kriegs belasten den Ölmarkt. Brent-Öl kostet mit rund 110 Dollar pro Fass wieder so viel wie vor drei Wochen. Ausschlaggebend bleibt die seit zwei Monaten weitgehend blockierte Strasse von Hormus, die der Iran und die USA als gegenseitiges Druckmittel nutzen.

Wie gestern bekannt wurde, treten die Vereinigten Arabischen Emirate zum 1. Mai aus der OPEC aus, ein schwerer Schlag für die verbleibenden Mitglieder und De-facto-Anführer Saudi-Arabien. Hintergrund sind unter anderem Konflikte mit anderen Golfstaaten, denen die VAE vorwerfen, das Land vor iranischen Angriffen nicht ausreichend zu schützen. Der OPEC-Anteil an der globalen Ölproduktion dürfte damit erstmals unter 30% fallen, in den 1970er-Jahren lag dieser noch bei 50%.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Conference Board Konsumentenstimmung (April)
aktuell: 92.8 (erwartet: 89.0, Vormonat: 92.2)

Das vom Conference Board erhobene Verbrauchervertrauen hat sich im April leicht verbessert. Zwar trübte sich die Bewertung der aktuellen Lage ein, was auch in der Besorgnis über gestiegene Benzinpreise zum Ausdruck kommt. Der durchschnittliche US-Benzinpreis liegt derzeit 40% höher als vor zwei Monaten. Gestützt wurde der Indikator hingegen durch verbesserte Konjunktur- und Arbeitsmarkterwartungen für die kommenden Monate sowie den temporären Waffenstillstand im Iran-Konflikt.

Daniel Wachter

Portraitfoto von Daniel Wachter, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
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Tobias Kistler

Portraitfoto von Tobias Kistler, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
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Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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