19. Januar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

SARON- oder Festhypothek?

Die Zinsen in der Schweiz sind tief. Daran wird sich so schnell nicht viel ändern. Das heisst jedoch nicht, dass es keine Bewegung im Markt gibt.

Im Fokus

Die Zinsen in der Schweiz sind tief. Daran wird sich so schnell nicht viel ändern. Das heisst jedoch nicht, dass es keine Bewegung im Markt gibt. In den Wochen vor dem Jahresende sind die Swapsätze im Franken deutlich gestiegen. Der zehnjährige Zins hat sich von 0.40% auf 0.70% verteuert. Als Grund wurden Aussagen aus dem Umfeld der EZB genannt, dass der nächste Zinsschritt nach oben sei. Ob das der wahre Grund war, sei dahingestellt. Es hat aber gezeigt, dass es bei den Zinsen schnell gehen kann, wenn sich die Einschätzung der zukünftigen Geldpolitik der SNB ändert. Die Zinsbewegung von 2022 ist noch in schlechter Erinnerung, als der zehnjährige Swapzins in einem halben Jahr von 0.00% auf 2.00% emporgeschnellt ist. Von einer raschen Änderung des SNB-Leitzinses ist in der Erwartung der Märkte aber noch nichts zu sehen. Gemäss den Preisen der Saron-Futures wird erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 eine sachte Erhöhung des Leitzinses ins Auge gefasst.

Quelle von Zinserhöhungen nicht in Sicht

Zinserhöhungen der Zentralbanken werden meistens durch ansteigende Inflationserwartungen ausgelöst. Solche sind zumindest in der Schweiz nicht in Sicht. Die Wirtschaft wächst unterdurchschnittlich und der Engpass am Arbeitsmarkt, der die Löhne in die Höhe treiben kann, hat sich entspannt. Explodierende Energiepreise, der häufigste Treiber für einen Inflationsschub, sind trotz den Unruhen im Iran unwahrscheinlich. Ein Einbruch des Frankens, der die Importpreise in die Höhe drückt, bleibt ein Wunschtraum der Exportindustrie. Auch aus dem Ausland werden kaum Zinserhöhungen überschwappen. Die EZB hält sich ruhig und wird die Zinsen tief halten, um die stotternde Wirtschaft in den grossen Euroländern zu unterstützen. In den USA stehen die Zeichen auf tiefere Zinsen, zumindest bei der Fed. Was im Rest der Welt passiert, interessiert den Schweizer Zinsmarkt nur am Rande.

Tiefe Prämie für Sicherheit

Für die Käufer und Besitzer von Immobilien stellt sich die Frage, ob eine an den Geldmarkt gebundene SARON-Hypothek mit einem variablen Zinssatz oder eine langlaufende Festhypothek mit einer stabilen Zinsbelastung die bessere Variante ist. Endgültig lässt sich diese Frage nicht beantworten, da sie von den jeweiligen Rahmenbedingungen des Einzelnen abhängt. Messbar ist aber der «Preis» der Sicherheit und Planbarkeit, die eine Festhypothek bietet. Gemäss den letzten Angaben der SNB beträgt der durchschnittliche Aufschlag einer zehnjährigen Festhypothek gegenüber einer Geldmarkthypothek rund 0.8%. Das ist zwar mehr als während der Negativzinsphase, als etwa 0.6% mehr bezahlt werden musste, aber immer noch wenig. Im Vorfeld der Leitzinserhöhungen der SNB 2022 ist die Zinsdifferenz auf 2.0% gestiegen, was auch im längeren historischen Vergleich hoch ist.

Profitieren von tiefen Zinsen

Wer mit den wechselnden Zinskosten einer SARON-Hypothek finanziell und emotional umgehen kann, für den ist eine solche zu bevorzugen. Die Zinsen sind aktuell tief und werden es noch eine Weile so sein. Es wird in den nächsten Jahren zu höheren Zinskosten kommen, aber diese sollten sich in Grenzen halten. Auf der anderen Seite ist der Zinsaufschlag von Festhypotheken gering und das absolute Zinsniveau attraktiv. Solange die SNB nicht zum Mittel der Negativzinsen greift, und das erwarten wir nicht, werden die Zinsen der Festhypotheken nicht mehr wesentlich fallen können. Sich die aktuellen Tiefzinsen für eine längere Zeit zu sichern, ist daher eine attraktive Alternative. Klar kann man noch etwas zuwarten und an den SARON-Zinsen Freude haben. Den Moment zu erwischen, bevor die langen Zinsen den Sprung nach oben machen, wird auch diesmal schwierig sein.

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -0.17%, S&P500: -0.06%, Nasdaq: -0.06%

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.19%, DAX: -0.22%, SMI: -0.47

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -0.80%, Hang Seng: -0.88%, S&P/ASX 200: -0.33%

An den Aktienmärkten ist es ruhig. Die vordergründige Entspannung rund um den Iran sänftigt die Angst vor einem Anstieg der Energiepreise. Wirtschaftlich gibt es nicht viel Neues und die Gewinnsaison der Unternehmen nimmt erst langsam Fahrt auf. Der S&P 500 verlor letzte Woche 0.38%. Die europäischen Aktien stiegen 0.53%, während der Swiss Performance Index die Woche mit einem Plus von 0.13% abschloss.

Für die Entwicklung der Aktienmärkte bleiben die Konjunkturentwicklung und die Gewinndynamik bei den Unternehmen die entscheidenden Faktoren. Am amerikanischen Arbeitsmarkt ergibt sich ein gemischtes Bild. Die Unternehmen zeigen sich weiterhin zurückhaltend bei Neueinstellungen, aber ebenso bei Entlassungen. Für die US-Wirtschaft bleibt die Entwicklung des Konsums zentral. Dieser präsentiert sich nach wie vor robust. In Europa und insbesondere in Deutschland fehlen dagegen klare Anzeichen für einen nachhaltigen Aufschwung. Im Jahr 2026 werden Fiskalmassnahmen gewisse Impulse liefern. Das Wachstum bleibt jedoch unterdurchschnittlich. Die Schweizer Wirtschaft kann sich diesem Umfeld nur begrenzt entziehen und wird ebenfalls ein unterdurchschnittliches Wachstum verzeichnen. Das Wachstum der Weltwirtschaft bleibt insgesamt verhalten, aber positiv. Aktien sind die bevorzugte Anlageklasse, um an diesem Wachstum zu partizipieren. Eine zentrale Frage ist, wie lange der Aufschwung im amerikanischen Technologiesektor anhalten kann. Zuletzt sorgten die zunehmenden Verflechtungen unter den grossen Tech-Unternehmen für Diskussionen. Ein direkter Vergleich mit der Situation bei der Dotcom-Blase drängt sich zwar fundamental aufgrund der soliden Gewinndynamik nicht auf, doch die Risiken einer Korrektur nehmen zu. Gleichwohl überwiegt derzeit an den Märkten das Vertrauen, dass Chancen und Risiken einander die Waage halten.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.223%; DE: 2.835%; CH: 0.254%

Die langen US-Zinsen haben mit einem Anstieg auf die Bemerkung von Trump reagiert, dass Kevin Hassett wohl nicht der neue Fed-Präsident wird. Befürchtungen kamen auf, dass nun jemand gewählt werden würde, der dem Willen von Trump zu tieferen Fed-Zinsen noch weniger entgegensetzen wird als Hassett. Das zeigt, dass Trump aufpassen muss, den Kapitalmarkt nicht gegen sich aufzubringen. Sonst wird es nichts mit tieferen Hypothekarzinsen.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.7986
Euro in US-Dollar: 1.1635
Euro in Franken: 0.9291

Die Kursbewegungen am Devisenmarkt halten sich in engen Grenzen. Zinsveränderungen der Zentralbanken stehen nicht im Raum, weder in den USA noch in Europa. Welche Auswirkungen der neuerliche Zollstreit zwischen den Amerikanern und den Europäern rund um Grönland haben wird, wird sich erst in den nächsten Tagen zeigen.

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 59.46 pro Fass
Goldpreis: USD 4'669.26 pro Unze

Der Kupferpreis hat sich auf einem Rekordstand von 13'000 US-Dollar pro Tonne eingependelt. Seit Anfang Jahr hat er fast 30% zugelegt. Angebotsengpässe in Chile und Hamsterkäufe in den USA aus Angst vor neuen Zöllen treiben den Preis in neue Höhen. Das wird die Inflation in den USA nicht senken.

Wirtschaft

Daten, die ein neues Bild auf den Zustand der Wirtschaft geben könnte, gibt es in diesen Tagen weder in der Schweiz noch in Europa oder in den USA. Das ist nicht aussergewöhnlich, sondern zu Monatsmitte üblich. Erst gegen Ende Woche nehmen die Datenpublikationen wieder zu.

Thomas Stucki

Portraitfoto von Thomas Stucki, Leiter Investment Center bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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