14. Januar 2026, Konjunktur | Meine Anlagewelt
Rauer Wind für die Ostschweizer Exportindustrie
Die Ostschweizer Wirtschaft bleibt zweigeteilt. Während die Herausforderungen in der Exportindustrie weiterhin gross sind, entwickelt sich die Binnenwirtschaft solide.
Die Stimmung bei den Ostschweizer Unternehmen hat sich in den letzten Monaten des Jahres trotz Zolldeal mit den USA kaum verbessert. Der Ostschweizer Exportindustrie weht weiterhin ein rauer Wind entgegen. Die Auftragslage ist angespannt, die durchschnittliche Auslastung der Produktionskapazitäten ist mit knapp 80 % auf tiefem Niveau. Insbesondere Deutschland – mit einem Exportanteil von einem Drittel der wichtigste Absatzmarkt für die hiesige Industrie – entwickelt sich weiter impulslos. Robuster präsentiert sich der Binnenmarkt, der nach wie vor eine wichtige Stütze für die Ostschweizer Wirtschaft ist. Der private Konsum bleibt solide, wovon insbesondere der Detailhandel sowie das Gastgewerbe profitieren. Allerdings mehren sich auch hier Anzeichen einer Verlangsamung.
Geschäftslageindikator
Die Grafik zeigt die Differenz zwischen dem Anteil Unternehmen, der die Geschäftslage als gut bezeichnet, und jenem, der sie als schlecht einschätzt. Je höher der Wert, desto besser schätzen die Unternehmen die Geschäftslage ein.
Diskrepanz zwischen Binnenmarkt und Exportsektor
Die Industrie vermeldet bereits seit fast drei Jahren einen zu tiefen Auftragsbestand. Neben der seit längerem anhaltenden Nachfrageschwäche aus Europa sind letztes Jahr mit den US-Zöllen und der Frankenaufwertung gegenüber dem Dollar weitere Herausforderungen dazugekommen. Zudem hat die durch die US-Zölle ausgelöste Unsicherheit Investitionsentscheide gebremst, was vor allem die in der Ostschweiz stark vertretene Maschinenbauindustrie im vergangenen Jahr stark belastet hat. Im Baugewerbe ist die Situation deutlich stabiler: Tiefe Zinsen sowie die grosse Nachfrage nach Wohnraum stützen die Auftragslage. Bis zur Abschaffung des Eigenmietwerts dürfte es ausserdem im Bereich Renovationen und Sanierungen zu Vorzieheffekten kommen, was insbesondere im Baunebengewerbe für volle Auftragsbücher sorgen wird.
Impulse für eine nachhaltige Belebung fehlen
Zu Jahresbeginn dürfte das globale Umfeld weiterhin herausfordernd sein. In den zentralen Absatzmärkten der Ostschweizer Industrie wird das Wachstum voraussichtlich unter dem langfristigen Mittel bleiben. In Deutschland dürfte das Infrastrukturpaket zwar erste Impulse setzen, die strukturellen Probleme der deutschen Industrie bleiben aber bestehen. Die Unsicherheit rund um die US-Zölle hat jedoch mit den diversen Zolldeals der USA etwas nachgelassen. Von der gestiegenen Planungssicherheit profitiert vor allem der Maschinenbau. Dort wird der Auftragsbestand inzwischen nicht mehr als zu tief eingeschätzt. Die leicht positive Dynamik dürfte auch in den ersten Monaten des Jahres anhalten.
Die binnenorientierten Branchen bleiben 2026 eine Stütze für die Gesamtwirtschaft. Ganz entziehen können sie sich der Abkühlung in der Industrie jedoch nicht. Zuletzt hat sich die Einschätzung der Arbeitsplatzsicherheit eingetrübt, was zu einer gewissen Zurückhaltung beim Konsum führt. Der private Konsum büsst folglich trotz steigender Reallöhne leicht an Dynamik ein und wirkt nicht mehr gleich stimulierend.
Roman Elbel
8021 Zürich
Céline Koster
8021 Zürich
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