12. Februar 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Positive Überraschung vom US-Arbeitsmarkt
Der US-Arbeitsmarkt zeigte sich im Januar solider als erwartet. Heute stehen die Zahlen von Swisscom, BCV und Montana Aerospace im Fokus.
US-Arbeitsmarkt überrascht mit Stellenwachstum
Der mit Spannung erwartete Bericht zum US-Arbeitsmarkt ist deutlich besser ausgefallen als erwartet. Im Januar wurden in den USA netto 130'000 neue Stellen geschaffen – der grösste Anstieg seit mehr als einem Jahr. Wesentlicher Treiber der Entwicklung war der Bildungs- und Gesundheitssektor, aber auch in der Industrie resultierte erstmals seit November 2024 wieder ein kleines Stellen-Plus. Getragen vom Zuwachs an neuen Jobs ist die Arbeitslosenquote um 0.1 Prozentpunkte auf 4.3% gesunken.
Trotz der positiven Zahlen wäre es zu früh, von einer Trendwende am US-Arbeitsmarkt zu sprechen. In der Gesamtbetrachtung bleibt der US-Arbeitsmarkt schwach und stellt für die weitere Entwicklung des Privatkonsums – dem mit Abstand wichtigsten Pfeiler der US-Wirtschaft – immer noch ein Risiko dar. In diesem Zusammenhang positiv zu werten ist, dass sich auch die Reallöhne zuletzt solid entwickelt haben. Das durchschnittliche Lohnwachstum lag im Januar im Vorjahresvergleich mit 3.7% über der Inflationsrate. Es gibt aber auch Signale in die andere Richtung: Die am Dienstag publizierten Dezember-Daten zu den US-Detailhandelsumsätzen sind vergleichsweise schwach ausgefallen.
Der Arbeitsmarktbericht ist auch für die US-Notenbank relevant. An den Future-Märkten ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im ersten Halbjahr 2026 im Vergleich zum Stand vom Dienstag zurückgegangen. Weitere Bewegung könnten die Inflationsdaten bringen, welche am Freitag veröffentlicht werden.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: +0.21%, SPI: -0.04%, SMIM: -0.90%
Der Schweizer Aktienmarkt bewegte sich gestern unter Schwankungen leicht nach oben. Die US-Arbeitsmarktdaten, die am Nachmittag veröffentlicht wurden und über den Erwartungen lagen, hatten dabei nur einen kurzen positiven Einfluss. Der Leitindex SMI schloss 0.2% höher. Von den 20 grosskapitalisierten Aktien schlossen zehn höher und zehn tiefer. Angeführt wurde das Tableau von Swisscom (+2.9%), Novartis (+1.7%) und Roche (+1.6%). Der US-Baustoffkonzern Amrize setzte mit einem Tagesgewinn von 0.8% den positiven Lauf von rund 15% seit Ende Januar fort und erreichte einen neuen Höchstwert seit der Abspaltung von Holcim im vergangenen Sommer. Tagesverlierer waren die Aktien von Partners Group (-3.5%), UBS (-2.8%) und Lonza (-1.9%). Die Finanztitel wurden durch die Sorge um die disruptive Veränderung durch Künstliche Intelligenz belastet. Am Vortag führte am US-Markt ein KI-Tool des Startup Altruist für Investment-, Steuer- und Vermögensverwaltungsstrategien zu Verwerfungen bei den Finanzdienstleistern. Neben den Schwergewichten UBS und Partners Group wiesen unter anderem auch die Aktien von Swissquote (-6.8%), VZ (-5.3%), EFG (-4.4%) und Julius Bär (-3.1%) Kursverluste auf.
Im breiten Markt stand die Aktie von Schindler im Fokus. Diese korrigierte als schwächster Wert im SPI um 10.3% trotz leicht besser als von den Analysten erwarteten Jahreszahlen und Sonderdividende. Der Warenprüfkonzern SGS (-3.8%) verbuchte ebenfalls Kursverluste nach der Vorlage des Jahresabschlusses. Dies, obwohl die Zahlen über den Markterwartungen lagen und mit 16% eine operative Marge schon nahe dem Ziel für 2027 von 16.2% resultierte.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.19%, DAX: -0.53%
Die europäischen Aktienmärkte schlossen nach grösseren Schwankungen mehrheitlich im Minus. Der länderübergreifende EuroStoxx50 verlor 0.2%, der deutsche DAX 0.5% und der französische CAC40 0.2%. Der britische FTSE100 stieg hingegen um 1.1%. Auf Sektorenebene waren die Bereiche Energie, Versorger und Grundstoffe gefragt. Einbussen verbuchten die Sektoren Finanzen, Nichtzyklischer Konsum und Technologie. Der Kurs von SAP drehte mit einem Minus von 5.0% wieder nach unten. Seit Jahresanfang haben die Titel nun rund 19% eingebüsst.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -0.13%, S&P 500: 0.00%, Nasdaq: -0.16%
Die amerikanischen Aktienmärkte konnten gestern nicht von den deutlich stärker als erwartet gestiegenen Beschäftigungszahlen profitieren. Der Leitindex Dow Jones gab um 0.1% nach, während der breiter gefasste S&P500 unverändert schloss. Der technologielastige Nasdaq verlor 0.2%. Bei den Einzelwerten überzeugte Micron mit einem Kurssprung von 10.3%. Das Unternehmen äusserte sich positiv zur eigenen Produktion von HBM4-Speicherchips. Ebenfalls nach oben ging es für T-Mobile US (+5.4%), die US-Tochter der Deutschen Telekom. Trotz schwacher Quartalszahlen überzeugte die Investoren das beschleunigte Aktienrückkaufprogramm. Die Aktien der Handelsplattform Robinhood gaben um 8.6% nach. Die Zahlen zum 4. Quartal litten unter dem Kursverlust des Bitcoins und anderen Kryptowährungen.
Unternehmensberichte
Swisscom zeigt durchmischte Zahlen und erhöht Dividende
Die Swisscom erzielte im vergangenen Jahr einen auf vergleichbarer Basis um 2% tieferen Umsatz von CHF 15.05 Mrd. Währungsbereinigt lag das Minus bei 1.3%. Der Betriebsgewinn sank um 1.2% auf CHF 4.98 Mrd. Neben der weiteren Erosion im Telekomgeschäft lasteten Integrationskosten für die Übernahme von Vodafone Italia auf dem Ergebnis. Der Reingewinn fiel entsprechend 17.6% tiefer bei CHF 1.27 Mrd. aus. Mit den Zahlen wurden die Analystenerwartungen beim Umsatz erfüllt und bei den Gewinnzahlen verfehlt. Für das laufende Jahr wird ein Umsatz von CHF 14.7 bis 14.9 Mrd. und ein Betriebsgewinn von CHF 5.0 bis 5.1 Mrd. erwartet. Die Investitionen sollen bei CHF 3.0 bis 3.1 Mrd. liegen. Die Dividende wird erstmals seit 2010 erhöht von CHF 22 auf CHF 26 je Aktie.
BCV mit leicht tieferem Reingewinn aber unveränderter Dividende
Die Waadtländer Kantonalbank BCV erzielte im abgelaufenen Jahr einen um 2% tieferen Reingewinn von CHF 430 Mio., was einer Eigenkapitalrendite von 11% entspricht. Die Einnahmen lagen unverändert bei CHF 1.15 Mrd. Das um 7% gewachsene Kommissionsergebnis kompensierte unter anderem Rückgänge von 5% bei den Nettozinseinnahmen und ein unverändertes Handelsergebnis. Die Kosten stiegen dagegen leicht um 1% auf CHF 560 Mio. Damit resultierte ein Aufwand-Ertrags-Verhältnis von 55.6% (2024: 55.2%). Das Nettoneugeld lag bei CHF 3.8 Mrd., was einem Wachstum von 3.1% entspricht. Die verwalteten Vermögen stiegen um 8% auf CHF 134.1 Mrd. Die Dividende wird unverändert bei CHF 4.40 je Aktie vorgeschlagen. Mit dem Zahlenset wurden die Analystenerwartungen getroffen.
Montana Aerospace übertrifft mit Umsatz
Montana Aerospace erzielte im Geschäftsjahr 2025 einen 15.1% höheren Umsatz von EUR 979.3 Mio. Der bereinigte EBITDA nahm um rund 25% auf EUR 161 Mio. zu. Die Nettoverschuldung ging auf EUR 125 Mio. zurück, was einem Verhältnis von 0.8x zum EBITDA entspricht. Für das laufende Jahr werden ein Umsatz von über EUR 1 Mrd., ein bereinigter EBITDA von EUR 185 Mio. sowie positive Werte beim Nettogewinn, Free Cashflow und eine Netto Cash-Position erwartet. Die detaillierten Geschäftszahlen werden am 2. April vorgelegt.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.18%; DE: 2.79%; CH: 0.32%
Der überraschend positive Bericht vom US-Arbeitsmarkt beeinflusste gestern auch die Kapitalmärkte. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe gewann drei Basispunkte hinzu, nachdem sie in den Tagen davor tendenziell verloren hatte. Mit rund 4.18% liegt die Rendite damit wieder im Bereich von Anfang Jahr.
Währungen
Euro in Franken: 0.915
US-Dollar in Franken: 0.772
Euro in US-Dollar: 1.185
Im Sog der positiven Nachrichten vom US-Arbeitsmarkt und Zugewinnen beim Yen, verzeichnete der Schweizer Franken gestern für einmal leichte Verluste. Mittelfristig betrachtet bleibt der Franken aber auf Aufwertungskurs – getrieben von globalen Unsicherheiten und der Suche nach Alternativen zum US-Dollar. Gegenüber der US-Währung resultiert seit Anfang Jahr ein Anstieg von 2.8%, gegenüber dem Euro beträgt der Zugewinn 1.4%. Dies kontrastiert mit den Entwicklungen im zweiten Halbjahr 2025, in welchem der Franken im Vergleich zu beiden Währungen vergleichsweise stabil geblieben ist.
Rohwarenmärkte
Ölpreis WTI: USD 64.78 pro Fass
Goldpreis: USD 5'049.36 pro Unze
Der Ölpreis wird weiterhin von den Spannungen zwischen den USA und dem Iran geprägt. Die beiden Länder stehen indirekt im Dialog, ein militärisches Eingreifen der USA ist aber weiterhin nicht ausgeschlossen. Vor diesem Hintergrund setzte der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI gestern seinen Anstieg fort. Mit knapp 65 US-Dollar liegt dieser aktuell rund 13% über dem Stand von Anfang Jahr.
Wirtschaft und Konjunktur
Neben den US-Arbeitsmarktdaten wurden gestern keine weiteren Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht.
Roman Elbel
8021 Zürich
Tobias Kistler
8021 Zürich
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