03. Februar 2026, CIO-Sicht | Meine Anlagewelt | Zinsen & Geldpolitik

Kevin Warsh soll neuer Präsident der US-Notenbank Fed werden

Mit Kevin Warsh hat US-Präsident Trump einen für seine Verhältnisse moderaten Kandidaten als Fed-Präsident und Nachfolger von Jerome Powell nominiert. Wir erwarten von dieser Wahl kurzfristig keine wesentliche Veränderung der US-Geldpolitik. Mögliche weitere Angriffe Trumps auf die politische Unabhängigkeit der Fed bergen aber Risiken, insbesondere für den US-Dollar.

Was ist der Hintergrund der Nominierung?

Die politische Unabhängigkeit der US-Notenbank Fed steht unter Druck. Präsident Trump fordert tiefere Leitzinsen, um die US-Wirtschaft vor den Zwischenwahlen zu stützen und Staatsschulden günstiger refinanzieren zu können. Ziel der verbalen und juristischen Angriffe ist auch der amtierende Fed-Präsident Jerome Powell. Dessen Amtszeit als Präsident läuft Mitte Mai aus.

Wie ist Kevin Warsh einzuordnen?

Mit Kevin Warsh hat US-Präsident Trump eine für seine Verhältnisse moderate Wahl getroffen. Er ist kein klarer Trump-Loyalist und dürfte im Vergleich mit anderen Kandidaten verantwortungsvoller umgehen mit der Institution Fed und ihrer politischen Unabhängigkeit. Warsh war zwischen 2006 und 2011 bereits einmal Fed-Gouverneur und Mitglied im zinsbestimmenden Offenmarktausschuss. Damals galt er als Verfechter einer strikten Inflationskontrolle und stand damit raschen Zinssenkungen kritisch gegenüber. Gleichzeitig gilt er als Kritiker der während und nach der Finanzkrise von 2008 eingesetzten Anleihenkauf-Programme («Quantitative Easing»), mit welchen die Fed die Marktzinsen zusätzlich gesenkt hatte. Während die Biografie von Warsh für einen Fokus auf die Inflationsbekämpfung spricht, hat er sich in den letzten Monaten – trotz weiterhin hoher Inflation – für weitere Zinssenkungen ausgesprochen. Es erscheint auch unwahrscheinlich, dass US-Präsident Trump einen Kandidaten ohne entsprechende Absichten nominiert hätte. Genaueres über die Positionierung von Warsh wird im Rahmen des weiteren Nominationsprozesses bekannt werden.

Wie geht der Nominationsprozess weiter?

Die Wahl von Kevin Warsh muss noch durch den US-Senat bestätigt werden. Diese Bestätigung gilt als sehr wahrscheinlich, könnte aber erst mit gewisser Verzögerung erfolgen. Ebenfalls muss formal zuerst noch ein Platz im Offenmarktausschuss frei werden. Jerome Powell könnte theoretisch noch bis 2028 als reguläres Mitglied im Amt bleiben. Nur seine Amtszeit als Präsident läuft aus. Es ist aber davon auszugehen, dass er mit der Nominierung des vergleichsweise moderaten Warsh bald auch als Gouverneur zurücktreten wird.

Wie wirkt sich dies auf die US-Geldpolitik aus?

Wir erwarten kurzfristig keine Änderung des aktuellen geldpolitischen Kurses. An den Märkten wird derzeit mit rund zwei Zinssenkungen bis Ende 2026 gerechnet – gleich viele wie vor der Nominierung von Warsh. Dies hat auch formale Gründe: Das Fed-Präsidium ist zwar eine einflussreiche Position, verfügt im Offenmarktausschuss aber auch nur über eine Stimme. Mittelfristig hängt die weitere US-Geldpolitik insbesondere von der Entwicklung der Inflation ab. Neben den Leitzinsen ist dabei auch deren Zusammenspiel mit den von Warsh kritisierten Anleihenkauf-Programmen zu berücksichtigen. Ein solches Programm wurde erst kürzlich wieder aufgenommen. Sollte die Fed in Zukunft verstärkt bestehende Bestände an Anleihen verkaufen, könnte dies den Effekt tieferer Leitzinsen teilweise kompensieren. 

Zu beachten ist zudem, inwiefern die Angriffe von US-Präsident Trump auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank und Druckversuche auf Mitglieder des Offenmarktausschusses weitergehen werden. Zentral ist dabei das Urteil des Supreme Courts im Fall der Fed-Gouverneurin Lisa Cook, welche Trump aus ihrem Amt entlassen möchte. Bewilligt das Gericht die Entlassung von Cook, würde dies dem US-Präsidenten einen erheblich grösseren Einfluss auf die US-Notenbank geben. Mit einem Entscheid wird im Frühling gerechnet.

Was bedeutet das für die Finanzmärkte?

Im Vorfeld hatten Befürchtungen um einen Trump-Loyalisten als Fed-Präsidenten zu einem höheren Goldpreis beigetragen, wobei der Anstieg auch spekulative Elemente beinhaltete. Die Nominierung von Warsh hat dann eine gewisse Korrektur ausgelöst. Der Goldpreis ist von seinem Höchststand von rund 5'600 US-Dollar pro Unze zwischenzeitlich um fast 18% gefallen. Inzwischen hat das Edelmetall aber bereits einen wesentlichen Teil der Verluste wieder aufgeholt. Zwischenzeitlich ebenfalls unter Druck geraten ist der US-Dollar, was aber primär mit Spekulationen rund um mögliche Interventionen im USD/JPY-Wechselkurs zu tun hatte. Die Rendite auf 30-jährige US-Staatsanleihen – ein Indikator für die langfristigen Inflationserwartungen – hat sich kaum verändert. Auch die Aktienmärkte haben insgesamt nur geringfügig auf die Nominierung von Warsh reagiert.

Mittelfristig sind tiefere US-Leitzinsen tendenziell positiv für die Aktienmärkte. Für ausländische Anleger muss die Entwicklung von US-Aktien aber im Zusammenspiel mit dem US-Dollar betrachtet werden. Dieser hatte in der Vergangenheit am sensibelsten auf Angriffe der Trump-Regierung auf die Unabhängigkeit der US-Notenbank reagiert. Dasselbe gilt für den Fall, dass die US-Notenbank die Zinsen deutlich stärker als erwartet senken würde und die Märkte diesen Kurs als nicht nachhaltig einstufen. 

Dominik Schmidlin

Portraitfoto von Dominik Schmidlin, Leiter Anlagestrategie und Analyse bei der St.Galler Kantonalbank
Leiter Anlagestrategie und Analyse
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
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