19. März 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Keine Überraschung von der Fed

Die US-Notenbank hat ihren Leitzins wie erwartet unverändert gelassen. Der Schweizer Aktienmarkt drehte gestern nach einem freundlichen Start angesichts der erneuten Eskalation des Iran-Konflikts im Tagesverlauf deutlich in die Verlustzone. Heute stehen unter anderem die Jahreszahlen von Swissquote im Fokus.

US-Notenbank lässt Leitzins unverändert

Wie erwartet hat die US-Notenbank Fed ihren Leitzins gestern unverändert bei 3.50-3.75% belassen. Vor diesem Hintergrund galt das Interesse der Marktteilnehmer den Aussagen von Notenbank-Chef Jerome Powell zu den möglichen Auswirkungen des Iran-Kriegs und des hohen Ölpreises. Gemäss Powell dürften die Energiepreise die Inflation kurzfristig erhöhen. Es sei aber noch zu früh, um das Ausmass und die Dauer der daraus resultierenden Effekte auf die Wirtschaft genauer abzuschätzen. Szenarien einer Stagflation analog der 1970er Jahre erteilte Powell aber eine Absage. 

Bezüglich des weiteren geldpolitischen Kurses zeigen die individuellen Prognosen der Mitglieder des Offenmarktausschusses bis Ende 2026 im Median eine weitere Zinssenkung um 25 Basispunkte. Die dazugehörige «Dotplot»-Grafik zeigt aber auch, dass eine grössere Gruppe von Mitgliedern von einem konstanten Leitzins ausgeht. An den Future-Märkten wird eine Zinssenkung um 25 Basispunkte bis Ende Jahr aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von rund 50% eingepreist.

Im Rahmen der Pressekonferenz gab Jerome Powell zudem bekannt, dass er im Amt bleiben werde, bis die von der Trump-Regierung initiierten juristischen Untersuchungen gegen seine Person beendet seien. Powells Amtszeit als Fed-Präsident endet offiziell im Mai, diejenige als regulärer Gouverneur aber erst 2028. Die Bestätigung von Powells designiertem Nachfolger Kevin Warsh ist im Moment ebenfalls blockiert. Im US-Senat haben Mitglieder des zuständigen Ausschusses gefordert, dass zuerst die aus ihrer Sicht politisch motivierten Ermittlungen gegen Powell eingestellt werden müssen.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -1.52%, SPI: -1.35%, SMIM: -0.88%

Der Schweizer Aktienmarkt startete gestern zunächst kaum verändert in den Handel, sackte aber nach Bekanntwerden des israelischen Angriffs auf ein iranisches Gasfeld deutlich ab. Der SMI beendete den Handelstag 1.5% tiefer. Besonders schwach entwickelten sich die drei Index-Schwergewichte: Novartis (-1.9%), Roche (-2.8%) und Nestlé (-3.6%) gehörten ohne ersichtliche Gründe zu den Tagesverlierern im Leitindex. Neben Roche und Novartis reihten sich mit Lonza (-1.4%) und Alcon (-2.1%) zwei weitere Gesundheitstitel auf der Verliererseite ein. Am stärksten unter Druck standen die Aktien von Logitech (-6.1%), die von einer Brokerabstufung belastet wurden. Gewinner gab es angesichts des erneut von Vorsicht geprägten Umfelds nur wenige. Zuoberst im Tableau standen die Zykliker Holcim (+1.0%) und ABB (+1.4%).

Im breiten Markt gaben die Aktien von SMG nach der Veröffentlichung der Jahreszahlen 10.1% nach. Dies, obwohl der Betreiber von Online-Plattformen wie Ricardo oder Homegate die eigene Zielsetzung und die Analystenerwartungen erfüllen konnte. Auch die Aktien der Mutterholding TX Group (-5.3%) reagierten mit Kursverlusten auf das Jahresergebnis. Swatch (-3.9%) gehörte ebenfalls zu den Verlierern, nachdem der Uhrenhersteller den detaillierten Geschäftsbericht veröffentlichte und sich an einer Bilanzmedienkonferenz vorsichtig zum Ausblick äusserte. Ohne offensichtlichen Grund auf der Verliererseite standen die Schokoladenunternehmen Lindt & Sprüngli (-3.0%) und Barry Callebaut (-4.7%). Einen Freudensprung von 11.2% machten dagegen die Aktien von Stadler Rail, die zuletzt auf einen neuen Tiefstand abgesackt waren. Die Zahlen des Zugherstellers blieben beim Ausblick zwar etwas unter den Analystenerwartungen, wurden aber trotzdem mehrheitlich positiv kommentiert. Zudem nahm ein Broker die Aktie neu auf seine Empfehlungsliste. Ebenfalls positiv auf die Zahlenvorlage reagierten die Papiere von Orell Füssli (+6.5%).

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.56%, DAX: -0.96%

Nach der erneuten Eskalation im Iran und vor dem US-Zinsentscheid brachen die europäischen Aktienmärkte ihren jüngsten Erholungsversuch ab und schlossen gestern mehrheitlich klar tiefer. Der länderübergreifende EuroStoxx50 gab 0.6% nach, während der DAX um 0.9% zurückfiel. Unternehmensneuigkeiten waren gestern rar gesät. Aus Branchensicht gehörten eher überraschend defensive Sektoren wie Gesundheit, Kommunikationsdienste, Versorger und Basiskonsum zu den klarsten Verlierern. Gefragt waren hingegen Aktien aus den konjunktursensitiven Bereichen Finanzen und Industrie sowie der Energiesektor, der von den höheren Ölpreisnotierungen angetrieben wurde.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: -1.63%, S&P 500: -1.36%, Nasdaq: -1.46%

Auch die amerikanischen Aktienmärkte drehten nach zwei Erholungstagen gestern wieder in die Verlustzone. Der wieder angestiegene Ölpreis und vorsichtige Aussagen der US-Notenbank zu möglichen weiteren Zinssenkungen lasteten auf den Risikopapieren. Der Dow Jones knickte um 1.6% ein, während der S&P 500 um 1.4% zurückfiel. Der auf Technologietitel ausgerichtete Nasdaq schloss 1.5% tiefer. Zu den wenigen Gewinnern in diesem Umfeld gehörten Energie- und Petrochemiewerte, die im Zuge der steigenden Ölpreise gefragt waren. Dow Chemical schloss um 2.1% höher, während LyondellBasell um 5.6% anzog. Der Warenhausbetreiber Macys (+4.7%) legte gestern Zahlen zum verschobenen 1. Geschäftsquartal vor, die positiv überraschten.

Unternehmensberichte

Swissquote bleibt mit Ausblick unter den Erwartungen

Nach den Vorabzahlen von Mitte Januar legte Swissquote heute den detaillierten Jahresbericht vor. Die Online-Bank steigerte die verwalteten Vermögen 2025 um 16.3% auf CHF 88.7 Mrd. Neben der positiven Marktentwicklung konnte Swissquote Netto-Neugelder von CHF 8.5 Mrd. (+2.5%) gewinnen. Der Nettoertrag erhöhte sich im Vorjahresvergleich um 9.4% auf CHF 723.3 Mio. Der Vorsteuergewinn stieg um 21.6% auf CHF 420.2 Mio. und übertraf damit das ursprünglich im März festgelegte Ziel von CHF 350 Mio. deutlich. Positiv zum Ergebnis trug unter anderem die Vollkonsolidierung des Finanzinstituts Yuh ab Mitte Jahr bei, die zu einem Einmaleffekt von CHF 49.8 Mio. führte. Unter dem Strich verblieb ein Reingewinn CHF 366.4 Mio., 24.5% höher als im Vorjahr. Den Aktionären wird eine Dividende von CHF 7.40 pro Aktie vorgeschlagen, eine Erhöhung von CHF 1.40 im Vergleich zum Vorjahr. Das im März 2025 angekündigte Vorsteuergewinnziel von CHF 500 Mio. für das Jahr 2028 wurde bestätigt. 2026 rechnet Swissquote mit einem Anstieg des Nettoertrags auf CHF 760 Mio., aber wegen höherer Investitionen mit einem tieferen Vorsteuergewinn von CHF 385 Mio. Der Ausblick bleibt etwas unter den Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.27%; DE: 2.94%; CH: 0.36%

Die Rendite auf die 10-jährige US-Staatsanleihe ist gestern um 8 Basispunkte angestiegen und kratzte damit am höchsten Stand seit Anfang Jahr. Hintergrund des Anstiegs waren Aussagen von Fed-Präsident Powell zu den möglichen Auswirkungen der höheren Energiepreise auf die Inflation sowie stärker als erwartet gestiegene US-Produzentenpreise. Heute stehen die Zinsentscheide der Europäischen Zentralbank und der Schweizerischen Nationalbank an. In beiden Fällen wird nicht mit einer Veränderung der Leitzinsen gerechnet. Analog zur Fed dürfte der Fokus wiederum darauf liegen, wie sich die Zentralbanken zu den möglichen Auswirkungen des höheren Ölpreises äussern.

Währungen

Euro in Franken: 0.909
US-Dollar in Franken: 0.793
Euro in US-Dollar: 1.147

Auch an den Devisenmärkten standen gestern der Fed-Zinsentscheid und die neuen Daten zu den US-Produzentenpreisen im Fokus. Der US-Dollar gewann gegenüber fast allen wichtigen Währungen an Wert hinzu. Damit hat die US-Währung im Vergleich zum Schweizer Franken ihre Verluste von Anfang Jahr wieder aufgeholt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 97.33 pro Fass
Goldpreis: USD 4'831.93 pro Unze

Im Kontext des Kriegs im Nahen Osten ist der Ölpreis gestern erneut angestiegen. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI überquerte dabei zeitweise die Marke von 100 US-Dollar. Dies ist gleichbedeutend mit einem Plus von 45% gegenüber vor Beginn des Krieges. Zum Vergleich: Nach Ausbruch des Ukrainekriegs im Jahr 2022 hatte der WTI-Ölpreis Höchststände im Bereich von 120 US-Dollar erreicht. In der Golf-Region drehte gestern die Eskalationsspirale weiter: Der Iran hat erneut mit Angriffen auf die Energieförderinfrastrukturen verschiedener arabischer Staaten gedroht. Dies als Reaktion auf israelische Luftangriffe auf ein iranisches Gasfeld. Aus Katar wurde von einem Raketeneinschlag in einer wichtigen Produktionsstätte für Flüssigerdgas berichtet.

Wirtschaft und Konjunktur

Zusätzlich zum Zinsentscheid der US-Notenbank wurden gestern keine neuen Konjunkturdaten aus der ersten Reihe veröffentlicht. Für heute stehen die Zinsentscheide der EZB und der Schweizerischen Nationalbank an.

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

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