19. Februar 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht

Amrize nach Jahreszahlen mit Freudensprung

Die Aktien des Baustoffkonzerns führten den SMI gestern mit einem Kursplus von 13.3% an. Heute stehen die Jahresberichte von Nestlé, Zurich Insurance und Cembra im Fokus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.39%, SPI: +0.40%, SMIM: +0.20%

Der Schweizer Aktienmarkt knüpfte gestern in einem freundlichen Handelsumfeld an die positive Entwicklung der letzten Tage an. Für Impulse sorgten dabei vor allem Unternehmenszahlen, die mehrheitlich positiv aufgenommen wurden. Der SMI kletterte um 0.4% und übertraf damit erstmals die Marke von 13'800 Punkten. Im Rampenlicht standen die Aktien von Amrize, die an der Spitze des Feldes um 13.3% nach oben sprangen. Der auf die USA ausgerichtete Baustoffkonzern präsentierte am Dienstagabend Jahreszahlen, die im Rahmen der Erwartungen ausfielen. Für positive Reaktionen bei den Analysten sorgte insbesondere der optimistische Ausblick, die Dividende und das neu angekündigte Aktienrückkaufprogramm. Im Soge des Branchennachbarn zogen Holcim 2.9% an. Ebenfalls deutliche Kursavancen verzeichneten Alcon, Kühne + Nagel und UBS, die zwischen 1.8% und 2.7% anzogen. Auf der Verliererseite standen Sika (-1.0%), Givaudan (-1.7%) und Swiss Re (-2.0%).

Im breiten Markt sprangen Straumann nach der gestrigen Zahlenvorlage zunächst bis zu 8% nach oben, drehten aber im Verlaufe der morgendlichen Telefonkonferenz in die Verlustzone. Kritisch kommentiert wurde beim Hersteller von Dentalimplantaten vor allem der zurückhaltende Margenausblick. Trotzdem drehte die Aktie am späteren Nachmittag wieder ins Plus und schloss zuletzt 0.9% höher. Mit Siegfried (+3.6%), Bachem (+3.7%) und Tecan (+2.7%) gehörten weitere Titel aus dem erweiterten Gesundheitssektor zu den Tagesgewinnern. Nach dem zahlenbedingten Ausverkauf vom Dienstag zeigte ALSO gestern eine Gegenbewegung (+14.4%). Gefragt waren auch die Aktien von Sunrise, die nach der gestrigen Präsentation der Jahreszahlen 4.2% anzogen. Eine positive Entwicklung im 4. Quartal gab dem Telekomunternehmen Auftrieb.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +1.35%, DAX: +1.12%

Die europäischen Aktienmärkte verzeichneten gestern mehrheitlich deutliche Kursgewinne. Die jüngsten Unsicherheiten im Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz und ihren Auswirkungen auf verschiedene Branchen traten etwas in den Hintergrund. Dazu kamen positive Konjunkturdaten, etwa von besser als erwarteten Exportzahlen in Deutschland. Der EuroStoxx50 gewann zur Wochenmitte 1.4% dazu. Im Fokus standen unter anderem Bayer. Nachdem die Aktien des Pharma- und Agrarkonzerns am Dienstag wegen Hoffnungen auf eine Einigung im Rechtsstreit um das Pflanzenschutzmittel Glyphosat um 7.4% nach oben gesprungen waren, überwogen gestern wieder die möglichen Unsicherheiten (-7.1%).  Branchenseitig waren gestern Aktien aus den konjunktursensitiven Sektoren Bergbau und Industrie gefragt.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.26%, S&P 500: +0.56%, Nasdaq: +0.78%

Nach der jüngsten Kursturbulenzen fanden die amerikanischen Aktienmärkte gestern wieder etwas den Tritt. Für positive Impulse sorgten unter anderem Daten zur Industrieproduktion, die sich im Januar besser als erwartet entwickelte. Für einen Dämpfer im späteren Handelsverlauf sorgte die Veröffentlichung des US-Notenbankprotokolls, in dem sich mehrere Teilnehmer vorsichtig zur Inflationsentwicklung äusserten und sogar mögliche Zinserhöhungen ins Spiel brachten. Der Dow Jones schloss 0.3% höher, während der S&P 500 mit einem Kursplus von 0.6% auf dem Handel ging. Der Nasdaq, der in den letzten Tagen am stärksten unter den KI-Sorgen gelitten hat, zog um 0.8% an. Getragen wurde der Anstieg unter anderem durch das Kursplus des KI-Schwergewichts Nvidia (+1.6%). Der Chiphersteller erhielt Rückenwind von einer Vereinbarung mit dem Technologiekonzern Meta (+0.6%), der in den nächsten Jahren noch stärker auf die KI-Chips von Nvidia setzten will. Eine negative Reaktion lösten die Quartalszahlen von Palo Alto (-6.8%) aus. Beim Cybersecurity-Spezialisten enttäuschte der von Integrationskosten belastete Gewinnausblick.

Unternehmensberichte

Nestlé kündigt Fokussierung auf vier Sparten an

Nestlé musste 2025 einen Umsatzrückgang von 2% auf CHF 89.49 Mrd. hinnehmen. Wenn man die stark negative Wechselkursentwicklung ausklammert, die vor allem vom schwachen US-Dollar beeinflusst wurde, erreichte der Nahrungsmittelkonzern ein organisches Wachstum von 3.5%. Getragen wurde das Wachstum vor allem von Preiserhöhungen (+2.8%), während das Mengenwachstum (+0.8%) bescheiden ausfiel. Die operative Betriebsgewinnmarge sank von 17.2% im Vorjahr auf 16.1%. Neben der Wechselkursentwicklung belasteten Wachstumsinvestitionen und höhere Rohstoffkosten für Kaffee und Kakao die Marge. Unter dem Strich verblieb ein 17% tieferer Reingewinn von CHF 9.0 Mrd. Den Aktionären wird trotzdem eine um 5 Rappen höherer Dividende von CHF 3.10 pro Aktie vorgeschlagen. Zukünftig will sich Nestlé auf die vier Geschäftsbereiche Kaffee, Tiernahrung, Ernährung (Nutrition) und Gesundheit (Health Science) konzentrieren. Im laufenden Geschäftsjahr 2026 rechnet der Konzern mit einem organischen Umsatzwachstum von 3% bis 4% und einer Verbesserung der Marge. Das Zahlenset erfüllt die Erwartungen bei Umsatz und Reingewinn. Der Ausblick ist hingegen leicht besser als von den Analysten erwartet.

Zurich Insurance übertrifft Erwartungen

Zurich Insurance steigerte den Betriebsgewinn 2025 um 14% auf USD 8.86 Mrd. Getragen wurde der Anstieg insbesondere von einer starken Entwicklung im Bereich Schaden--Unfallversicherung, wo sich der Betriebsgewinn um 22% auf USD 5.1 Mrd. erhöhte. Im Lebensversicherungsbereich stieg der Betriebsgewinn um 2% auf USD 2.3 Mrd., während der US-Landwirtschaftsversicherer Farmers ein 4% höherer Betriebsgewinn von USD 2.4 Mrd. auswies. Unter dem Strich verblieb ein 17% höherer Reingewinn von USD 6.8 Mrd. Die Eigenkapitalrendite verbesserte sich von 24.6% im Vorjahr auf 26.9%. Der Generalversammlung wird einen um 7% höhere Dividende von CHF 30 pro Aktie vorgeschlagen. In Bezug auf die mittelfristige Zielsetzung bis 2027 sieht sich das Unternehmen auf Kurs. Das Zahlenset übertrifft die Analystenerwartungen.

Cembra erhöht Dividende nach solidem Jahr

Cembra steigerte den Reingewinn 2025 um 5% auf CHF 180 Mio. Die Nettoforderungen gegenüber Kunden nahmen bei der Kreditbank um 1% auf CHF 6.6 Mrd. ab., während die Nettoerträge um 2% auf CHF 542 Mio. zurückgingen. Das Aufwand-Ertrags-Verhältnis verbesserte sich von 48.1% im Vorjahr auf 45.2%, während die Eigenkapitalquote um 0.3% auf 13.7% anstieg. Den Aktionären wir eine 8% höhere Dividende von CHF 4.60 und eine Sonderdividende von CHF 1.00 pro Aktie vorgeschlagen. Für das Geschäftsjahr 2026 prognostiziert Cembra ein Nettoertragswachstum im Rahmen der Schweizer Wirtschaftsentwicklung und eine weitere Verbesserung des Aufwands-Ertrags-Verhältnisses in Richtung des Ziels von 39%. Der Reingewinn soll erneut steigen und die Eigenkapitalrendite wird neu bei «rund 15%» erwartet (zuvor: «mindestens 15%»). Das Zahlenset bleibt insgesamt im Rahmen der Analystenerwartungen.

Kapitalmärkte

Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.10%; DE: 2.74%; CH: 0.25%

An den Kapitalmärkten gab es gestern nur geringfügige Veränderungen. Weder Spekulationen um einen vorzeitigen Rücktritt von EZB-Präsidentin Lagarde noch das Protokoll der letzten Zinssitzung der US-Notenbank führten zu grösseren Bewegungen. Das Protokoll der Fed bestätigte, dass es im zinsbestimmenden Offenmarktausschuss aktuell keinen Konsens über den weiteren Zinspfad gibt. An den Future-Märkten wird aktuell mit rund zwei Zinssenkungen bis Ende Jahr gerechnet, wobei der Leitzins bis zum geplanten Ende der Amtszeit von Jerome Powell im Mai unverändert bleiben dürfte. 

Währungen

Euro in Franken: 0.911
US-Dollar in Franken: 0.773
Euro in US-Dollar: 1.180

Gestützt durch unerwartet starke Daten zur US-Industrieproduktion gewann der US-Dollar gestern gegenüber fast allen wichtigen Währungen an Wert hinzu. Zum Schweizer Franken resultiert seit Anfang Jahr aber weiterhin ein Minus von 2.6%. Besser hielt sich der Greenback in diesem Jahr bisher gegenüber dem Euro (-0.4%).

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 65.32 pro Fass
Goldpreis: USD 5'015.33 pro Unze

Die anhaltenden Spannungen zwischen den USA und Iran, kombiniert mit den überraschend starken Daten vom US-Industriesektor, gaben gestern dem Ölpreis Auftrieb. Der Preis für ein Fass der US-Sorte WTI stieg im Tagesverlauf um rund 3 US-Dollar an und überquerte wieder die Marke von 65 US-Dollar. Gegenüber Anfang Jahr ist dies gleichbedeutend mit einem Plus von rund 14%.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Industrieproduktion MoM (Januar)
aktuell: +0.7% (erwartet: +0.4%, Vormonat: +0.2%)

Der Output des US-Industriesektors ist im Januar stärker gewachsen als erwartet. Mit +0.7% im Vergleich zum Vormonat resultierte der grösste Anstieg seit fast einem Jahr. Dies unterstützt die Anzeichen, dass die US-Industrie die Turbulenzen rund um die Handelspolitik langsam verdaut. Auch die Einkaufsmanager-Indizes (PMI) hatten zuletzt auf eine Erholung hingewiesen.

Matthias Müller

Portraitfoto von Matthias Müller, Senior Finanzanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich

Roman Elbel

Portraitfoto von Roman Elbel, Senior Strategieanalyst bei der St.Galler Kantonalbank
Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

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