06. Februar 2026, Meine Anlagewelt | Tägliche Marktsicht
Aktienmärkte im Rückwärtsgang
Schwache US-Arbeitsmarktdaten und eine zunehmende Skepsis gegenüber hohen KI-Investitionen belasteten die Märkte. Heute stehen die Zahlen von EMS-Chemie, Vontobel und Amazon im Fokus.
Aktienmarkt Schweiz
SMI: -0.31%, SPI: -0.19%, SMIM: +0.49%
Schwächer als erwartet ausgefallene US-Arbeitsmarktzahlen, zunehmende Zweifel an der Rentabilität der hohen Investitionen in KI der US-Techwerte sowie der markante Rückgang des Bitcoins belasteten die Marktstimmung. Der Schweizer Leitindex SMI verlor 0.3%, während der klein- und mittelkapitalisierte SMIM entgegen dem allgemeinen Trend um 0.5% höher schloss. Von den 20 Blue Chips im SMI schlossen 14 Titel im Minus. Unter Abgabedruck standen besonders die Finanzwerte Partners Group (-3.4%) und UBS (-2.2%). Richemont stand mit einem Plus von 1.5% zuoberst auf dem Tableau und wurde von Spekulationen um einen potenziellen Verkauf der Marke Jaeger LeCoultre angetrieben. Die Indexschwergewichte notierten derweil uneinheitlich. Während Novartis (+0.5%) und Nestlé (+0.4%) im Plus schlossen, gab Roche (-0.5%) nach. Nestlé wird am 19. Februar die Jahreszahlen 2025 sowie ein Strategieupdate präsentieren. Meldungen zufolge will Novartis eine Nachahmer-Abnehmpille auf den Markt bringen, während Roche diesbezüglich hingegen noch hinterherhinkt und von einer Produkteinführung noch weit entfernt sei.
Am breiten Markt gewann die Aktie von Straumann 3.3% hinzu, welche von besser als erwarteten Ergebnissen des US-Konkurrenten Align Technology Auftrieb erhielt. Der grösste Schweizer Immobilienkonzern SPS legte um 0.8% zu, nachdem das vorgelegte Zahlenset die Erwartungen erfüllte.
Aktienmärkte Europa
EuroStoxx50: -0.75%, DAX: -0.46%
An den europäischen Aktienmärkten sahen die Vorzeichen gestern rot aus und die Indizes legten den Rückwärtsgang ein. Am stärksten büsste der spanische IBEX 35 mit einem Minus von 2.0% ein, gefolgt vom italienischen FTSE MIB, der 1.8% tiefer schloss. Der Zinsentscheid der EZB sorgte derweil für keine Impulse. Im Rampenlicht stand weiterhin der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk (-7.9%), nachdem das US-Unternehmen Hims & Hers laut Berichten eine Kopie der Novo Nordisk Abnehmpille Wegovy zu günstigeren Konditionen als Novo Nordisk auf den Markt bringen will. Die Aktie war bereits nach einem schwachen Unternehmensergebnis am Vortag um 17.1% gefallen. Weiter wurde gestern bekannt gegeben, dass die Verhandlungen über einen Zusammenschluss der Rohstoffgiganten Glencore (-7.0%) und Rio Tinto (-2.6%) gestoppt wurden, da keine für die Aktionäre wertschöpfende Einigung erzielt werden konnte.
Aktienmärkte USA
Dow Jones: -1.20%, S&P 500: -1.23%, Nasdaq: -1.59%
Die amerikanischen Aktienmärkte setzten gestern ihren Rückwärtsgang fort. Weiterhin sorgten die umfangreichen Investitionsankündigungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz für zunehmende Nervosität. So kündigte Alphabet an, die Investitionen in KI auf USD 175 bis 185 Mrd. zu erhöhen, was einer nahezu Verdoppelung entspricht. Zusätzlich belasteten schwächer als erwartete US-Arbeitsmarktzahlen sowie der deutliche Rückgang des Bitcoins unter die Marke von USD 63'000 die Stimmung und führten zu einer Risikoaversion. In der Folge waren die defensiven Sektoren Nichtzyklischer Konsum und Versorger gefragt und die zyklischen Bereiche gaben nach. Der technologielastige Nasdaq verlor 1.6%, während der marktbreite S&P500 und der US-Leitindex Dow Jones beide je 1.2% tiefer schlossen.
Alphabet konnte die zu Handelsbeginn erlittenen Kursverluste von 8% im Tagesverlauf deutlich eingrenzen und schloss 0.5% tiefer. Zwar übertraf das Quartalsergebnis die Markterwartungen, die angekündete massive Ausweitung der Investitionen setzte den Titel jedoch unter Druck. Im Gesundheitssektor sorgte die Ankündigung von Hims & Hers (-3.8%), eine kostengünstigere Nachahmer-Version der Abnehmpille Wegovy von Novo Nordisk auf den Markt zu bringen, für Verwerfungen. In der Folge verlor auch die Aktie von Eli Lilly 7.8%. Unbestätigten Berichten zufolge verstösst Hims & Hers mit diesem Vorgehen gegen geltende Arzneimittelvorschriften, was die US-Gesundheitsbehörde FDA auf den Plan rufen dürfte.
Unternehmensberichte
Ems-Chemie steigert Profitabilität trotz Umsatzrückgang
Ems-Chemie musste 2025 einen Umsatzrückgang von 5.8% auf CHF 1.95 Mrd. verzeichnen. Belastend wirkte der starke Schweizer Franken, bereinigt um die negativen Währungseffekte betrug der Rückgang 2.4%. Trotz des verhaltenen Marktumfelds gelang es dem Unternehmen, die Profitabilität zu steigern, was auch einer hohen Kostendisziplin zu verdanken war. Der EBIT erhöhte sich um 5.2% auf CHF 567 Mio., was einer 310 Basispunkte höheren EBIT-Marge von 29.1% entsprach. Insgesamt resultierte ein 1.2% höherer Reingewinn von CHF 467 Mio. Für 2025 soll eine ordentliche Dividende von CHF 14.65 (Vorjahr: CHF 13.95) sowie eine zusätzliche ausserordentliche Dividende von CHF 3.75 (Vorjahr: CHF 3.30) an die Aktionäre ausgeschüttet werden Für 2026 stellt das Management einen währungsbereinigten Umsatz leicht unter Vorjahr in Aussicht, während der EBIT leicht über dem Vorjahresniveau erwartet wird. Insgesamt erfüllt das Zahlenset die Markterwartungen, wobei die Dividende positiv überrascht.
Vontobel erhöht Reingewinn
Vontobel konnte im Geschäftsjahr 2025 den Reingewinn um 5% auf CHF 280 Mio. steigern und damit die Markterwartungen übertreffen. Die verwalteten Vermögen stiegen um 5% auf CHF 241 Mrd. Das Wachstum wurde getragen von einer positiven Marktperformance, der Übernahme der Kundenbeziehungen der IHAG Privatbank (CHF 17.5 Mrd.) sowie Nettoneugeldzuflüssen, während der schwache US-Dollar einen Teil des Wachstums neutralisierte. Insgesamt verzeichnete Vontobel Nettoneugelder von CHF 4.2 Mrd., die vor allem aus dem Privatkundengeschäft sowie aus Fixed-Income-Mandaten institutioneller Kunden stammten. Dank des laufenden Effizienzprogramms konnte das Kosten-Ertrags-Verhältnis von 79.2% im Jahr 2023 auf 74.2% gesenkt werden. Die Eigenkapitalquote (CET1) beläuft sich auf 19.7%. Den Aktionären wird eine unveränderte Dividende in Höhe von CHF 3 je Aktie vorgeschlagen.
Amazon überzeugte im 4. Quartal, hohe KI-Investitionen belasten
Amazon steigerte im 4. Quartal 2025 den Umsatz um 13.6% auf USD 213.4 Mrd. Besonders stark entwickelte sich die Cloud-Sparte AWS, deren Umsatz um 24% auf USD 35.6 Mrd. zulegte und damit über den Analystenschätzungen lag. Der operative Gewinn erhöhte sich um 17.9% auf USD 25.0 Mrd., während der Reingewinn um 5.5% auf USD 21.2 Mrd. anstieg. Gleichzeitig kündigte der Konzern an, die Investitionen in Künstliche Intelligenz im Jahr 2026 auf rund USD 200 Mrd. zu erhöhen, um den Ausbau der KI-Infrastruktur weiter zu beschleunigen. Insgesamt fiel das Zahlenset leicht besser als erwartet aus. Die Ankündigung der hohen Investitionen sorgte jedoch für Zurückhaltung bei den Anlegern. Die Amazon-Aktie notierte im nachbörslichen Handel deutlich im Minus.
Kapitalmärkte
Rendite 10-jährige Staatsanleihen
USA: 4.19%; DE: 2.84%; CH: 0.27%
Im gestrigen Marktumfeld sowie angesichts schwächerer Konjunkturdaten tendierten die Zinsen nach unten. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe fiel um 9 Basispunkte auf ein Monatstief. Die Sitzung der Europäischen Zentralbank lieferte hingegen kaum neue Impulse. Die Leitzinsen im Euroraum blieben wie erwartet unverändert, die Marktreaktionen fielen entsprechend verhalten aus. Der nächste Zinsentscheid in den USA und der Schweiz steht erst im März an.
Währungen
Euro in Franken: 0.916
US-Dollar in Franken: 0.776
Euro in US-Dollar: 1.179
Der Franken legte gestern gegenüber dem Euro und dem US-Dollar etwas zu. Die EZB überraschte am Donnerstag nicht. Zuletzt hatte der im Vergleich zum US-Dollar stärkere Euro vereinzelt Fragen zum künftigen geldpolitischen Kurs der EZB aufgeworfen. Diese Aufwertung des Euros gegenüber dem Dollar kommentierte EZB-Präsidentin Lagarde gelassen. Der Eurokurs sei seit März 2025 gestiegen, dies sei in den Szenarien der EZB bereits eingepreist.
Rohwarenmärkte
Ölpreis WTI: USD 64.09 pro Fass
Goldpreis: USD 4'885.50 pro Unze
An den Edelmetallmärkten ist nach wie vor viel Bewegung. Nach den jüngsten heftigen Preisbewegungen zeigt Gold mit einem Plus von rund 10% die beste Jahresentwicklung, während Silber wieder auf das Niveau von Anfang Jahr zurückgefallen ist.
Am Ölmarkt stehen die politischen Entwicklungen zwischen den USA und dem Iran im Fokus. Iranische und US-Vertreter treffen sich heute zu Gesprächen in Oman. Im Vorfeld wurde ein militärisches Eingreifen im Iran jedoch nicht ausgeschlossen, was den Ölpreis weiterhin nahe dem Ende Januar erreichten Jahreshoch hält.
Wirtschaft und Konjunktur
Eurozone: EZB-Leitzinsentscheid (Einlagefazilität)
aktuell: 2.00% (erwartet: 2.00%, letzter: 2.00%)
Die Europäische Zentralbank hat ihre Leitzinsen wie erwartet unverändert belassen. Die EZB hält an ihrem datenabhängigen Vorgehen und an Entscheidungen von Sitzung zu Sitzung fest. EZB-Präsidentin Christine Lagarde zeigte sich gelassen gegenüber der jüngsten Aufwertung des Euro zum US-Dollar und verwies darauf, dass Wechselkurse zwar für den Inflations- und Wachstumsausblick relevant seien, die EZB jedoch keine Wechselkursziele verfolgt. Die tiefer als erwartete Inflationsrate im Januar von 1.7% wurde als vorübergehend eingestuft und nicht als geldpolitisch problematisch bewertet. Der mittelfristige Inflationsausblick bleibt unverändert und sieht eine Rückkehr der Teuerung zum Zielwert von 2% im Jahr 2027 vor. Insgesamt sieht sich die EZB geldpolitisch weiterhin gut positioniert.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe (WoW, 31. Januar)
aktuell: 231’000 (erwartet: 212’000, Vorwoche: 209’000)
Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist in der vergangenen Woche stärker gestiegen als erwartet. Bereits zuvor hatte der Arbeitsmarktdienstleister ADP schwächere Beschäftigungszahlen aus der US-Privatwirtschaft bekannt gegeben. Der Arbeitsmarktbericht der Regierung für den Monat Januar erscheint am 11. Februar.
Deutschland: Neue Industrieaufträge (MoM, Dezember)
aktuell: +7.8% (erwartet: -2.2%, Vormonat: +5.7%)
Entgegen den Erwartungen ist im Dezember das reale Volumen der neuen Industrieaufträge in Deutschland im Vergleich zum Vormonat deutlich angestiegen (+7.8%) und hat den höchsten Stand seit Anfang 2022 erreicht. Der Anstieg ist jedoch fast ausschliesslich durch Grossaufträge getrieben. Der um solche Aufträge bereinigte Index stieg lediglich um 0.9% an. Viele der Wachstumstreiber lassen sich zudem mit Rüstungsproduktionsinputs assoziieren (z.B. Motoren, ohne solche für Strassenfahrzeuge), was die Breite des damit verbundenen Aufschwungssignals relativiert. Auch der kürzlich veröffentlichte Einkaufsmanager-Index (PMI) für die deutsche Industrie zeigte bislang keinen breiten Anstieg neuer Bestellungen.
Angela Truniger
8021 Zürich
Daniel Wachter
8021 Zürich
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