Finanzmärkte zwischen Energiepreisen und KI-Rentabilität

Höhere Energiepreise und Mehrjahreshochs bei den Langfristzinsen treffen auf starkes Gewinnwachstum. Gleichzeitig wird die Rentabilität der KI-Investitionen wieder stärker in Frage gestellt.

Die Energiepreise sind erneut gestiegen. Das Nadelöhr verschiebt sich vom knappen Roh­ölangebot zu den Raffineriekapazitäten, die selbst bei einem baldigen Ende des Iran-Kriegs weiterhin unter Druck stehen dürften. In den USA und in Europa hat die Inflation im September wieder zugenommen, in der Schweiz bleibt der Preisdruck insgesamt moderat. Die Weltwirtschaft wächst trotz widrigen Umständen weiter, doch die Kluft zwischen den Profiteuren des KI-Investi­tionszyklus und der hohen Energiepreise einerseits und den übrigen Ländern andererseits wird grösser.

Notenbanken und Zinsen im Fokus

Mit den höheren Energiepreisen haben auch die Auf­wärtsrisiken für die Inflation zugenommen. Weitere Leitzinserhöhungen sind wahrscheinlich, die aktuellen Markterwartungen mit mehreren Zinsschritten in Europa und den USA sind jedoch überzogen. Die Renditen lang­laufender Staatsanleihen haben neue Mehrjahreshochs erreicht und schmälern die Aktienrisikoprämie. Die Vola­tilität am Zinsmarkt ist erhöht, und auch die Kreditauf­schläge bei Unternehmensanleihen schwächerer Bonität haben zugenommen.

Aktienmärkte unter Beobachtung

Die Volatilität am Aktienmarkt bleibt hingegen moderat. Dank des hohen Gewinnwachstums trotzen die Märk­te den gestiegenen Risiken. Nach neuen Höchstständen haben jedoch Gewinnmitnahmen eingesetzt, und die Marktbreite hat abgenommen. Zugleich wächst die Skep­sis gegenüber dem KI-Investitionszyklus. Insbesonde­re die Frage, ob sich der Infrastrukturaufbau rechtzeitig und ausreichend monetarisieren lässt, rückt zunehmend in den Fokus. Erste Antworten werden die laufende Berichtssaison und speziell die Ergebnisse der grossen Technologiekonzerne liefern. Bestätigen die Zahlen die Nachfrage, dürfte die Skepsis vorübergehend bleiben. Ent­täuschen sie, drohen eine Neubewertung und gedrosselte KI-Investitionen. Dies würde den wichtigsten Wachstums­motor der US-Wirtschaft treffen.

Neutrale Gewichtung der Aktien

Chancen und Risiken halten sich die Waage, wir bleiben bei Aktien neutral gewichtet. Übergewichtet bleiben die Schweiz und die USA, untergewichtet Europa und der asi­atisch-pazifische Raum, neutral die Schwellenländer. Obli­gationen in Fremdwährungen bieten attraktive Renditen, die Währungsabsicherung ist aber weiterhin sehr teuer. Wir bevorzugen daher Anlagen in Franken und bleiben insgesamt untergewichtet. Zudem bleiben Gold und Liqui­dität in Schweizer Franken übergewichtet.

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