Leichter Wellengang

Die Gewitterwolken über der Eurozone haben sich mit dem Wahlausgang in Frankreich verzogen. Auch die Konjunktur- und Gewinnaussichten für die Währungsunion haben sich jüngst aufgehellt.

In den letzten Jahren machte die Eurozone vor allem mit negativen Schlagzeilen auf sich aufmerksam. Dabei ging es um wachsende Schuldenberge, um die Strukturschwächen und um fehlenden Reformwillen. Die Schwächen der Eurozone zeigten sich an den Finanzmärkten deutlich: Der Euro kam zum US-Dollar immer wieder unter Abgabedruck und auch der europäische Aktienmarkt hinkte der Performance des amerikanischen Marktes hinterher. Nun aber zeigen sich greifbare Verbesserungen in der Eurozone und der Aktienmarkt hat bereits mit einem Plus darauf reagiert.

Was hat die Gewitterwolken vertrieben?

Die Stimmung bei den Wirtschaftsakteuren hat sich aufgehellt. Dies zeigt sich deutlich an der Entwicklung der Umfragewerte bei Einkaufsmanagern in der Währungsunion. Diese Stimmungsindikatoren sind gestiegen, während beispielsweise die Pendants für die USA oder China zurückglitten. Das ist im «Regionen-Ranking» ein Vorteil für die europäischen Aktienmärkte. Ebenfalls sind die Gewinnerwartungen für Firmen aus der Eurozone jüngst deutlich in den grünen Bereich gestiegen. Das ist ein weiterer positiver Faktor für die Aktienmärkte Europas. Mit dem Wahlausgang in Frankreich haben die Euro- Befürworter das Rennen gemacht, was ebenfalls für die Stabilität in der Eurozone positiv ist. Zu guter Letzt stellen wir der EZB ein gutes Zeugnis aus. Ja, ihre Geldpolitik birgt Risiken und ja, sie kauft in erster Linie Zeit. Aber ohne Risiken funktioniert die Wirtschaft nun mal nicht, denn Risiken sind nur die negative Seite der Chancen. Und das Erkaufen von Zeit macht im Fall der Eurozone Sinn. Die EZB hat Italien mit ihrem Vorgehen nicht die Absolution erteilt, nötige Reformen auf die lange Bank zu schieben. Das hat die Politik Italiens entschieden. Das Vorgehen der EZB hat die Kapitalmarktfähigkeit Italiens erhalten und damit die Eurozone vor einem Insolvenzproblem bewahrt. Das war für die Weltwirtschaft von Vorteil und insbesondere auch für die Schweizer Wirtschaft, deren wichtigster Exportpartner nach wie vor die Eurozone ist.

Konklusion: Chancen und Risiken halten sich die Waage. Mit den Wahlausgängen in Frankreich und den besseren Wirtschafts- sowie Gewinnaussichten bietet sich ein Aufbau von europäischen Aktien an. Wir erwarten, dass die Geldpolitik der EZB weiterhin stimulierend bleibt. Neu ist die Aktienallokation gleichgewichtet. Diese Positionierung zeigt, dass wir für die Aktienmärkte grundsätzlich positiv gestimmt sind. Ein Gleichgewicht signalisiert aber auch, dass wir die Situation nach wie vor vorsichtig bewerten. Wir erkennen die Chancen, sehen aber angesichts der zahlreichen Unsicherheiten auch weiterhin Potenzial für stärkeren Wellengang an den Märkten, insbesondere wegen der schwer prognostizierbaren US-Politik und der hohen Erwartungen an die weitere Wirtschaftsentwicklung.

Anlagestrategie SGKB

Die Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank.