Europa kann positiv überraschen

Die europäischen Aktien haben in den letzten Monaten schlechter abgeschnitten als die Aktien in der Schweiz oder in den USA. Die Wirtschaft und die Unternehmen in der Eurozone litten überdurchschnittlich stark unter den Auswirkungen des Handelsstreits, was die schlechtere Performance der europäischen Aktien rechtfertigte. Mittlerweile sind die Erwartungen an Europa so tief, dass die Region positiv überraschen kann.

Die Finanzmärkte werden nicht nur von den effektiven Wirtschafts- und Unternehmenszahlen angetrieben, sondern auch von Veränderungen der Erwartungshaltung. Davon könnten die europäischen Aktien profitieren. Die Unternehmensgewinne in der Eurozone haben in den letzten Wochen nicht zu Jubelstürmen Anlass gegeben. Besonders bei den Industrieunternehmen haben die negativen Einflüsse der amerikanischen Strafzölle ihre Spuren hinterlassen. Die Analysten haben deshalb ihre Gewinnerwartungen deutlich nach unten angepasst. Sie sind jedoch zu pessimistisch geworden. In letzter Zeit ist eine Trendumkehr bei den Gewinnrevisionen der Analysten erkennbar und die Gewinnrückgänge werden weniger pessimistisch eingeschätzt. Das eröffnet Raum für positive Überraschungen und bietet neue Chancen für europäische Aktien.

Der Handelskonflikt hat sich vorübergehend beruhigt

Um den Handelskonflikt zwischen den beiden Grossmächten USA und China ist es ruhig geworden, seit US-Präsident Trump die angekündigte Ausweitung der Strafzölle auf noch mehr chinesische Produkte abgesagt hat. Die Aktienmärkte haben das erleichtert zur Kenntnis genommen und mit höheren Kursen reagiert. Der Konflikt ist jedoch nicht gelöst und kann jederzeit wieder eskalieren. Mit der Wahl von Boris Johnson zum neuen britischen Premierminister und dem Näherrücken des nächsten geplanten Austrittstermins wird auch der Brexit wieder ein Thema. Im Unterschied zum Handelskonflikt hat der Brexit aber nicht das Potenzial, die Weltwirtschaft als Gesamtes massiv zu schädigen.

Zinsaussichten dominieren Finanzmärkte

Für die gute Stimmung unter den Anlegern sorgen weiterhin die Zentralbanken. Die Aussicht auf Zinssenkungen der Fed und neue expansive Massnahmen der EZB drücken die Anleihenrenditen nach unten sowie die Aktienkurse nach oben. Auch wir gehen davon aus, dass die Leitzinsen in den USA sinken und die EZB aktiv wird, jedoch nicht in dem Ausmass, wie das von den Marktteilnehmern erhofft wird. Die Anpassung der Hoffnungen an die Realität wird in den nächsten Monaten neue Unsicherheit an die Märkte bringen.

Wir bleiben vorsichtig

Angesichts der Risiken halten wir weiterhin an unserem Untergewicht bei den Aktien fest. Auf regionaler Ebene nehmen wir eine antizyklische Verschiebung vor, indem wir das Untergewicht bei den zurückgebliebenen Aktien in Europa reduzieren und das Übergewicht bei den sehr gut gelaufenen Schweizer Titeln abbauen.

Anlagestrategie SGKB