Steht der Bär in den Startlöchern?
Nach einem starken September kamen die Aktienmärkte im Oktober ins Taumeln. Gleichzeitig sind die Zinsen an den Obligationenmärkten angestiegen und die geopolitischen Risiken haben im Marktgeschehen mitgemischt.
Die Liste der potenziellen Risiken an den Aktienmärkten ist lang. In Europa war Mitte Oktober noch keine Einigung bezüglich Brexit in Sicht und der Budgetvorschlag Italiens birgt auch einiges an Konfliktpotenzial. Die USA und China haben in Sachen Zoll- und Handelsstreit bisher keinen Schritt aufeinander zu gemacht. Im Gegenteil, der Konflikt zwischen den wirtschaftlichen Schwergewichten spitzt sich eher zu und eine Einigung scheint ausser Reichweite. Mit China kommen auch die anderen Schwellenländer nicht zur Ruhe. In der Türkei ist die Inflation ausser Kontrolle geraten und auch südamerikanische Länder wie Brasilien und Argentinien machen nicht gerade mit positiven Nachrichten Schlagzeilen. Aktuell tummeln sich an den Finanzmärkten einige politische Risiken, deren potenzielle Sprengkraft die Aktienmärkte weiter unter Druck setzen könnte und die Tagesschwankungen erhöhen wird.
Zinsanstieg verunsichert, Konjunktur stützt
Neben diesen geopolitischen Krisenherden ist auch der Zinsmarkt in den letzten Wochen in Bewegung gekommen. Nachdem die US-Zinsen für die 10-jährigen amerikanischen Staatsanleihen lange unter der magischen Marke von 3% verharrten, konnten sie Mitte Oktober diese Hürde überwinden. Vor allem die Aussicht auf weitere Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed hat die Zinsen angetrieben. Denn USNotenbankpräsident Jerome Powell machte klar, dass die US-Wirtschaft nicht nur weitere Zinsschritte gut verdauen kann, sondern diese sogar braucht. Er will mit einer restriktiveren Geldpolitik eine Überhitzung der aktuell prosperierenden US-Wirtschaft verhindern. Der restriktivere Kurs der US-Fed macht absolut Sinn und ist der Konjunkturlage angemessen. Für die Aktienmärkte bedeutet dies zweierlei: Erstens ist die US-Wirtschaft in einer ausnehmend guten Verfassung. Die Binnenkonjunktur brummt und die starken Gewinnausweise der US-Banken deuten darauf hin, dass auch andere US-Firmen dank guter Konjunkturlage überzeugende Gewinne abliefern werden. Das stützt die Aktienmärkte nach unten ab. Zweitens aber wird die restriktivere Geldpolitik in den USA den Finanzmärkten mit der Zeit einen Teil der Liquidität entziehen, was den Aufwärtstrieb für Aktien eindämmen wird.
Kein Bärenmarkt, aber hohe Tagesschwankungen
Die Gewinn- und Konjunkturaussichten sprechen für Aktien. Auf der anderen Seite werden die zahlreichen Risiken für Unruhe unter den Anlegern sorgen und die Aktienkurse auf Berg- und Talfahrt schicken. Weil sich gute Fundamentaldaten und Krisenherde die Waage halten, halten wir dem Gleichgewicht bei Aktien die Treue. Aufgrund der Gewinn- und Konjunkturaussichten halten wir auch an unserem Übergewicht in US-Aktien fest.


