Erwartungshaltung ist hoch, Enttäuschungspotenzial auch

Im März trübte kein Wölkchen die Stimmung an den Finanzmärkten und gerade diese Ausgangslage behagte uns nicht. Denn die starke Performance an den Aktienmärkten ist der effektiven Konjunkturentwicklung davongeeilt.

Zwar hat im letzten Monat die starke Aufwärtsbewegung des amerikanischen Leitindex S&P500 an Kraft verloren. Dafür haben die europäischen Aktienmärkte und auch der Schweizer Leitindex eine kleine Aufholjagd hingelegt. Die Poleposition im Aktienmarktranking zwischen Europa, der Schweiz und den USA konnte sich der europäische Aktienleitindex EuroStoxx50 sichern.

Kaum positives Überraschungspotenzial

Die Stimmungsindikatoren signalisieren eine starke Expansion der Konjunktur und wir teilen die Meinung, dass das Wirtschaftswachstum in den kommenden Monaten positiv ausfallen wird. Wir sehen aber angesichts der bereits hohen Erwartungshaltung und der starken Entwicklung der Aktienindizes wenig Potenzial für weitere positive Überraschungen. Und eine positive Entwicklung der Aktienmärkte hängt stark mit der Möglichkeit positiver Überraschungen zusammen. Ebenfalls haben wir die vielfältigen politischen Entscheide in der Eurozone auf unserem Radar. Denn Wahlausgänge können die Entwicklung der europäischen Finanzmärkte durchaus beeinflussen. Ein Beispiel für diesen Einfluss ist die Entwicklung der Renditen französischer Staatsanleihen. Die Möglichkeit, dass die EU-Gegnerin Marine Le Pen gewinnen könnte, hat zu einem Anstieg der Risikoprämien geführt. Ein weiteres Beispiel für die Verbindung zwischen Politik und Märkten ist die Wertentwicklung der jeweiligen Währung. Der Brexit hat das Pfund auf Talfahrt geschickt und die potenziellen politischen Umwälzungen in der Eurozone belasten zu einem gewissen Teil bereits den Euro.

Geldpolitik – Risiko oder Chance?

Immer mehr US-Firmen geben an, dass sie kaum noch qualifiziertes Personal finden. Aus diesem Grund sollten die Löhne in den nächsten Monaten tendenziell steigen. Der Konsum dürfte deshalb ebenfalls zunehmen und die protektionistischen Bestrebungen der Regierung Trump drücken gleichfalls den Inflationsdruck nach oben. Darum ist es keine Überraschung, dass die US-Notenbank den Leitzins erhöht hat und weitere Erhöhungen in diesem Jahr plant. Ebenfalls taucht auf der Agenda zum ersten Mal das Traktandum «Reduktion der Fed-Bilanzsumme» auf. Damit werden die QE-Massnahmen vielleicht zum ersten Mal wieder reduziert. Das birgt durchaus Gefahr für die Aktienmärkte, weil die expansive US-Geldpolitik die Aktienmärkte beflügelt hatte.

Konklusion: Die Erwartungshaltung der Marktteilnehmer ist trotz guter Wirtschaftsdaten nicht gerechtfertigt und birgt Enttäuschungspotenzial. Darum reduzieren wir die Aktienquote auf ein Untergewicht. Wir parkieren den Erlös in der Liquidität, um bei einer Marktkorrektur schnell reagieren zu können.

Anlagestrategie SGKB

Die Anlagestrategie der St.Galler Kantonalbank.