Rezession und Aktienhöchststände: Passt das?

Die Aktienmärkte haben die Verluste beinahe wettgemacht, aber die Weltwirtschaft durchläuft eine tiefe Rezession. Ist das ein Widerspruch, der zur Vorsicht mahnt? Wir finden ja.

Der Lockdown im Zuge der Corona-Pandemie war teuer. Allein in der Schweiz hat er gemäss Schätzungen über 30 Milliarden Franken gekostet. Nun sind die Ansteckungszahlen tiefer und die Wirtschaft kann wieder Fahrt aufnehmen. Aber die Vollbremsung hat die Weltwirtschaft noch nicht verkraftet. Das Corona-Virus ist nicht verschwunden und darum bleibt auch die Unsicherheit gross.

Konjunktur: Kein Schreckensszenario

Die Konsumausgaben werden «post Corona» wieder steigen, weil sie erfahrungsgemäss stabil sind. Aber positive Wachstumsraten über mehrere Monate wird es wohl kaum geben, sondern nur einen positiven Basiseffekt von «Null auf ein bisschen». Bei den Investitionen sind wegen der tiefen Zinsen die Kosten attraktiv, aber der Optimismus dafür dürfte weiterhin die fehlende Komponente bleiben. Und auch die Exportwirtschaft wird nicht von heute auf morgen wieder zur alten Stärke zurückfinden. Hier fehlt der weltweit synchrone Aufschwung. Während sich China aufrappelt, haben die USA im besten Fall die Talsohle durchschritten. Und weil der Flugverkehr nach wie vor auf Sparflamme läuft, fehlen die Transportmöglichkeiten. Vor Corona wurde jedes zweite Exportgut im Bauch eines Passagierflugzeugs versandt. Dafür braucht es jetzt Alternativen, die teurer sind. Die Exportwirtschaft wird weiterhin negativ von den Auswirkungen betroffen sein, auch wenn hier der Basiseffekt kurzfristig positiv wirken wird.

Woher kommt der Optimismus?

Ein erster Grund sind die positiven Überraschungen. Auch wenn die Rezession tief ausfällt, zeigen sich mit dem Ende eines jeden Lockdowns in der entsprechenden Region die ersten Anzeichen einer Verbesserung. Das ist nach den sehr pessimistischen Erwartungen und der grossen Unsicherheit eine positive Überraschung und ein Kurstreiber. Zweitens blicken mehr und mehr Unternehmen wieder vorsichtig optimistisch in die Zukunft, nachdem sie vor einigen Monaten noch sehr negativ waren und nicht einmal einen Ausblick formulieren wollten. Drittens spiegelt der Anstieg klar die Erwartung einer konjunkturellen Erholung in den kommenden drei bis sechs Monaten, die schnell und deutlich vonstattengehen wird. Die Entwicklung des Aktienmarktes suggeriert, dass die konjunkturelle Talsohle durchschritten ist und es keine zweite Welle geben wird.

Zu optimistisch?

Der «Worst Case» auf der Konjunkturseite ist nicht eingetreten, aber die Stabilisierung wird von den Aktienmarktteilnehmern tendenziell überschätzt. Zwar gehen auch wir von einer Verbesserung der weltweiten Konjunkturlage aus, aber erwarten einen langsameren Pfad. Die rigorosen Massnahmenpakete der Notenbanken und vieler Regierungen stufen wir positiv ein, sie waren unverzichtbar. Aber sie zeigen auch, wie stark der Einbruch war. Und gerade ein Blick auf die steigende Arbeitslosigkeit legt offen, dass die Erholung fragil ist. Der Optimismus und die nötige Aufbruchstimmung fehlen noch. Wir bleiben in Gold investiert und halten auch die Aktienmärkte leicht untergewichtet. 

Anlagestrategie SGKB

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