Aktien auf Höchst trotz Rezessionssorgen?

Die Anzeichen, dass der wirtschaftliche Aufschwung in den USA nach zehn Jahren ein Ende haben könnte und im nächsten Jahr eine Rezession ansteht, mehren sich. An den Aktienmärkten spürt man davon aber nicht viel.

Für die Fed in New York beträgt die Wahrscheinlichkeit einer US-Rezession im nächsten Jahr 35%. So hoch war dieser Wert in ihrem Modell letztmals 2007. Der vorausschauende Einkaufsmanagerindex ISM für die US-Industrie ist mit 47.8 Punkten deutlich unter die Marke von 50 Punkten gefallen, welche die Grenze zwischen Expansion und Schrumpfung markiert. Das Wachstum in China ist im dritten Quartal weiter gesunken und beträgt nur noch 6.0%. Die Eurozone, allen voran Deutschland, ächzt ebenfalls unter den Auswirkungen des Handelsstreits. Ein stabiler Pol ist dagegen der Arbeitsmarkt. In den USA werden zwar nicht mehr so viele Stellen geschaffen wie in den Vorjahren, aber die Arbeitslosenrate ist mit 3.5% aussergewöhnlich tief, was den privaten Konsum stützt. Zudem sind die Zinsen deutlich tiefer als sie das bei früheren Wirtschaftszyklen während der Abschwächungsphase waren. Die Geldpolitik der Fed ist alles andere als restriktiv und wird Ende Oktober mit der allseits erwarteten weiteren Zinssenkung noch expansiver.

Zinserwartungen machen den Unterschied

Damit sind wir beim grössten Unterschied zum Vorjahr, als die Angst vor der Rezession ein Börsenbeben auslöste. Damals gingen die Finanzmärkte davon aus, dass die Zinsen deutlich ansteigen und dadurch zu einer Belastung für die Konjunktur werden. Entsprechend steil war die Zinskurve. Aktuell gehen die Erwartungen in die andere Richtung und es wird für die nächsten Jahre nicht mehr mit höheren Zinsen gerechnet. Entsprechend tief sind die Zinsen auch für Obligationen mit längeren Laufzeiten. Der Handelsstreit von Donald Trump war im letzten Jahr noch neu und hat Ängste ausgelöst. Mittlerweile hat man sich an ihn gewöhnt. Er ist dadurch für die Wirtschaft nicht weniger schädlich, aber neue Wendungen in die eine oder andere Richtung beeinflussen die Finanzmärkte nur noch während einer kurzen Zeit.

Keine Rezession

Die Zinssenkungen der Fed werden ihre positive Wirkung auf die Wirtschaft entfalten. Im Handelsstreit wird der Druck sowohl in China als auch in den USA grösser, sich auf eine gesichtswahrende Minimallösung zu einigen und ihn dann zumindest bis nach den Präsidentschaftswahlen in den USA ruhen zu lassen. Die Chancen stehen deshalb gut, dass die US-Wirtschaft nach einem schwachen zweiten Halbjahr 2019 im nächsten Jahr wieder stärker wird und ein Absturz in eine Rezession vermieden werden kann. Die Kursschwankungen bei den Aktien werden hoch bleiben. Da der konjunkturelle Absturz aber ausbleibt, werden die Aktien über die nächsten Jahre einen angemessenen Ertrag abwerfen.

Konklusion: Weil die relative Attraktivität von Aktien dank tiefer Zinsen steigt, erhalten die Aktien Rückenwind. Wir erhöhen deswegen unsere Aktienallokation wieder auf ein Gleichgewicht, halten aber mit einem Übergewicht in Schweizer Aktien an einer defensiven Ausrichtung fest.

Anlagestrategie SGKB