Höhenangst?

Die Aktienmärkte notieren auf Höchstständen. Wie lange kann das noch so weitergehen? Oft länger, als man denkt – wenn die Grundlagen stimmen.

Die Verhaltensökonomie hat auch dieses Jahr wieder einen Nobelpreis erhalten. Das ist gut so, denn die Verhaltensökonomie kümmert sich um die menschliche Seite im Anlagegeschäft, welche sich weder durch mathematische Modelle noch durch ökonomische Annahmen erklären lässt. Die Verhaltensökonomie offenbart, dass jeder Wirtschaftsakteur letztlich ein Mensch ist, der oft rational handelt, aber nicht vor Überlegungsfehlern gefeit ist. Und gerade die aktuelle Marktphase ist ein Tummelfeld für diese Art von «Verlockungen». Denn die aktuell historisch hohen Indexstände an den Aktienmärkten schreien schon fast nach einer Korrektur, nach Gewinnmitnahmen und nach kritischen Fragen, ob diese Indexlevels gerechtfertigt sind oder eben nicht. Die Verhaltensökonomie besagt, dass der Entscheid aufgrund von Indexständen aber häufig ein Überlegungsfehler ist.

Wie lange kann das noch weitergehen?

Aktuell notieren die Stimmungsindikatoren auf der positiven Seite. Und gerade das löst ein besonders starkes Misstrauen aus. Sofort taucht die Frage auf, ob die Anleger alle Risiken ignorieren, die hohen Indexstände und die Freude über die Kursgewinne die Investoren blenden. Sicher lässt sich diese Frage nicht zu 100% mit einem Nein beantworten, aber die Konjunkturdaten sind in einer bemerkenswert guten Verfassung. Insbesondere die vorlaufenden Indikatoren notieren auf sehr hohen Niveaus, was eine weitere Expansion der Wirtschaft signalisiert. Auch die Erwartungen an die anstehende Gewinnsaison der Unternehmen sind positiv, ohne unrealistisch hoch zu erscheinen. Ferner signalisiert die US-Notenbank Fed zwar eine restriktivere Geldpolitik, sie hat sich aber für eine sanfte Erhöhung der Zinsen entschieden. Ebenfalls geht sie die Reduktion ihrer Bilanzsumme sachte an. Die Kombination dieser drei Faktoren – Konjunktur, positive Gewinnerwartungen, sanfte Geldpolitik – legen aktuell die Basis für eine gute Entwicklung an den Aktienmärkten, auch wenn die Indexstände sehr hoch notieren.

Höhenangst ist nicht angebracht, aber erhöhte Aufmerksamkeit

Wir gehen davon aus, dass die Aktienmärkte sich in der nahen Zukunft positiv entwickeln werden. Unverändert auf dem Risiko-Radar haben wir die Situation zwischen den USA und Nordkorea, denn dort kann sehr schnell etwas passieren. Und sobald China eingreifen muss, ist der Konflikt an den Finanzmärkten angekommen. Ebenfalls eng beobachten wir alles, was mit der US-Geldpolitik zu tun hat. Denn ein sanfter Kurs in Richtung restriktivere Geldpolitik ist enorm wichtig, eine schnelle Zinserhöhung würde nämlich die Konjunkturentwicklung empfindlich schwächen.

 

Konklusion: Wir haben uns angesichts der positiven Konjunktur- und Gewinnaussichten für ein Beibehalten des Übergewichts entschieden. Die Schweiz und Europa sind dabei übergewichtet, die US-Aktienmärkte gleichgewichtet.

Anlagestrategie SGKB