31. Mai 2024, Tägliche Marktsicht

Nestlé schiebt den SMI an

Während die Schweizer und europäischen Aktienindizes zulegen, belastet unter anderem das Zinsthema die US-Märkte.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.65%, SPI: +0.62%, SMIM: +0.16%

Der Schweizer Aktienmarkt konnte gestern den kurzfristigen Abwärtstrend stoppen und legte am Donnerstag zu. Bis am Nachmittag sah die Marktstimmung noch uneinheitlich aus. Der SMI bewegte sich zunächst unverändert, ehe vor US-Börsenöffnung der Index deutlich Anstieg. Der SMI beendete den Börsentag 0.7% im Plus. Der plötzliche Anstieg im Index war auf einen kurzfristige Kurssprung von Nestlé zurückzuführen. Ansonsten wurde das Marktgeschehen nur von wenigen Impulsen getrieben. Die US-Zahlen zum Bruttoinlandprodukt kamen unter den Erwartungen zu liegen. Gespräche innerhalb der Notenbank Fed über mögliche Zinserhöhungsschritte beeinflussten die Märkte tendenziell negativ. Von den 20 Blue Chips verzeichneten zu Börsenschluss insgesamt 13 Werte Gewinne. Nestlé, als Index Schwergewicht, trieb den SMI mit einem Kurszuwachs von 3.3% an. Der Firmenchef Mark Schneider machte an einer Analystenkonferenz optimistische Aussagen über das zweite Quartal und die Entwicklung der Bruttomarge, die den Kurssprung auslösten. Logitech (+2.2%) und Partners Group (+1.3%) wiesen ebenfalls deutliche Tagesgewinne aus. Auf der Verliererseite befand sich der Pharmariese Roche (-0.6%), Sonova (-1.0%) und der Rückversicherer Swiss Re (-1.1%). Am breiten Markt verbuchten die Titel von Idorsia (+7.6%) sowie DocMorris (+2.0%) ein deutliches Plus. Ebenso legten die Aktien von Biotechwert Kuros (7.1%) klar zu.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.38%, DAX: +0.13%

An den europäischen Aktienmärkten kam es am Donnerstag nach dem jüngstem Kursrutsch wieder zu einer moderaten Erholung. Die aktuellen europäischen Konjunkturdaten vermochten die Märkte nicht erkennbar zu beeinflussen. Die Inflationsdaten aus Deutschland sorgten zur Wochenmitte für getrübten Hoffnungen auf baldige Zinssenkungen der Europäischen Zentralbank. Für heute werden nun die Inflationsdaten des gesamten Währungsraums erwartet. Der länderübergreifende Eurozonenindex EuroStoxx50 konnte sich im Tagesverlauf steigern und schloss 0.4% höher als am Vortag. Der spanische IBEX35 legte am Donnerstag klar um 1.7% zu. Ebenfalls höher notierten der britische FTSE100 (+0.6%), der französische CAC40 (+0.6%) und der deutsche DAX (+0.1%). In der Sektorenbetrachtung gewannen die Immobilienwerte, Kommunikationsdienstleistungen und Konsumgüter hinzu, während einzig der Sektor Technologie deutlich an Boden verlor. Auf Einzeltitelebene sorgten BHP und Anglo American erneut für Gesprächsstoff. Der weltgrösste Bergbaukonzern BHP verwirft vorerst die Pläne, eine weitere verbindliche Offerte zur Übernahme von Anglo American auszustellen. Zuvor wurde die Verlängerung der Angebotsfrist seitens Anglo American abgelehnt.

Aktienmärkte USA

DowJones: -0.86%, S&P500: -0.60%; Nasdaq: -1.08%

Die US-Aktienmärkte verloren am Donnerstag erneut deutlich an Terrain. Anhaltende Sorgen und Unsicherheiten im Hinblick auf die Inflation drückten auf die Marktstimmung. Auch die Wachstumsdaten der grössten Volkwirtschaft der Welt vermochten nicht zu überzeugen. Das Wachstum der US-Wirtschaft fiel im 1. Quartal schwächer als angenommen aus. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stiegen zwar mehr als erwartet, befinden sich jedoch nach wie vor auf einem tiefen Niveau. Der DowJones fiel am gestrigen Handelstag 0.9%, während der S&P500 (-0.6%) und der technologielastige Nasdaq (-1.1%) ebenfalls klar tiefer notierten. In der Sektorenbetrachtung legten Immobilienwerte, Versorger und Grundstoffe zu. Die Sektoren Kommunikationsdienstleistungen und Technologie waren rückläufig. Bei den Einzeltiteln fielen die Aktien von Salesforce (-19.7%) negativ auf, nachdem das Unternehmen im Zahlenset für das 1. Quartal 2024 den Umsatzausblick gesenkt hatte. Das Tech-Unternehmen HP konnte dank überraschend positiver Umsatzentwicklung am gestrigen Handelstag 17% zulegen. Auch der Elektronikhändel Best Buy (+13.4%) vermochte mit den neusten präsentierten Zahlen die Anleger zu überzeugen.   

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.545% DE: 2.650% CH: 0.809%

Im Vorfeld der Publikation der Inflationsdaten in der Eurozone sowie in den USA verhalten sich die Zinskurven ruhig. Steigt die Inflation in den USA wieder unerwartet an, dürften die Renditen am mittleren und längeren Ende weiter anziehen. Aktuell wird damit gerechnet, dass sich die Inflation in den USA weiter stetig nach unten bewegt. Allerding hält sich diese in den letzten Monaten sehr hartnäckig, da gleichzeitig die Wirtschaft weiter gut läuft und vor allem der Arbeitsmarkt nur geringe Spuren einer Eintrübung zeigt.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.9046
Euro in US-Dollar: 1.0819
Euro in Franken: 0.9798

Der Euro bewegt sich gegenüber dem Schweizer Franken wieder etwas weg von der Parität, bleibt aber auf Schlagdistanz. Hintergrund der jüngsten Frankenstärke dürften die überraschend guten Wachstumszahlen im ersten Quartal sein. Dies reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass die SNB weitere Zinssenkungen vornimmt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 77.69 pro Fass
Goldpreis: USD 2'343.46 pro Unze

Der Ölpreis notiert mit knapp 78 US-Dollar das Fass weiter auf tiefem Niveau. Zumindest tief genug, um in den USA und Europa die Inflation nicht zusätzlich anzuheizen. Die OPEC+-Staaten arbeiten aktuell daran, das Angebot am Markt erneut zu reduzieren, um einen weiteren Preiszerfall zu verhindern.

Wirtschaft und Konjunktur

Schweiz: KOF Leading Indikator (Mai)
letzter: 101.9; erwartet: 102.1; aktuell: 100.3

Die Umfragen der Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich zeigt, dass sich die Schweizer Wirtschaft zwar weiter robust verhält, aber die positiven Impulse weiter abnehmen. Der Indikator hält sich weiterhin knapp über dem langjährigen Mittel. Es ist insbesondere die Exportorientierte Industrie, welche weiterhin nicht in die Gänge kommt. Einzig die Nahrungs- und Genussmittelindustrie zeigt sich verbessert. Im Inland zeigen sich die Bauindustrie und die Finanzbranche weiter sehr robust.

China: Einkaufsmanagerindex (Mai)
letzter: 51.7; erwartet: - ; aktuell: 51.0

Die Umfragen unter den Einkaufsmanagern in China zeichnet für den Mai ein solides Bild. Wie in fast allen industrialisierten Ländern zeigt sich auch in China der Binnenmarkt robust, auf der anderen Seite kämpft das verarbeitende Gewerbe, welches in erster Linie Exportorientiert ist, mit der globalen Nachfrage. Der Sub-Index für die Industrie liegt mit 49.5 leicht unter dem expansiven Bereich von 50. Mittelfristig dürfte China aber vor allem auch dank den neu aufgelegten Staatsinvestitionsprogrammen wieder an Fahrt aufnehmen.

Ausblick

Heute werden in den USA den von der US-Notenbank genau beobachtete PCE-Deflator sowie in der Eurozone die Inflationsdaten publiziert. Erwartet wird in den USA ein leichter Rückgang auf 2.8%. In der Eurozone ein leichter Anstieg auf 2.5%.

Beat Schiffhauer

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Florian Hiltpold

Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
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