Jahresabschluss 2015: Gutes operatives Ergebnis – strategische Neuausrichtung abgeschlossen

St. Gallen, 17. Februar 2016

In einem anspruchsvollen und intensiven Jahr behauptet sich die St.Galler Kantonalbank gut. Trotz Negativzinsen und Frankenstärke wurde der Betriebsertrag gehalten. Weiter belasten der Abschluss des US-Steuerprogramms sowie die Aufwendungen im Zusammenhang mit der strategischen Neuausrichtung das Ergebnis. Per Jahresende wurde die Mitte 2013 angekündigte und seither schrittweise umgesetzte strategische Transformation abgeschlossen: Die Umsetzung der Steuertransparenz für Auslandkunden sowie die Bereinigung und Straffung des nach dem Verkauf der ehemaligen Hyposwiss-Einheiten verbliebenen grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäfts.

Die St.Galler Kantonalbank erwirtschaftet im Geschäftsjahr 2015 einen Betriebsertrag von CHF 450.9 Mio. und kann somit das Vorjahresniveau halten (-0.4 %, CHF -1.8 Mio.). Verantwortlich für dieses ausgeglichene Resultat sind zwei Effekte, die sich gegenseitig kompensieren: Zum einen geht der Erfolg aus dem Zinsengeschäft sowie dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft vor allem aufgrund der Negativzinsen und des allgemeinen Börsenumfelds zurück, zum anderen entwickelt sich das Handelsgeschäft dank der Belebung des Devisengeschäfts erfreulich.

Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft beträgt CHF 293.2 Mio. und liegt damit nur leicht unter dem Niveau des Vorjahres (-0.9 %, CHF -2.7 Mio.). Grund dafür sind vor allem die höheren Absicherungskosten. Diese konnten durch Anpassung der Kundenkonditionen nicht vollständig aufgefangen werden. Beim aktuellen Zinsniveau belastet die SGKB ihren Kundinnen und Kunden keine Negativzinsen auf den klassischen Spar- und Privatkonti.

Der Erfolg aus dem Kommissions- und Dienstleistungsgeschäft geht gegenüber dem Vorjahr deutlich zurück und beläuft sich auf CHF 109.8 Mio. (-7.3 %, CHF -8.7 Mio.). Ausschlaggebend für den Rückgang sind die tieferen Depotvermögen sowie die Reduktion der Fondsvertriebsentschädigungen der verkauften Swisscanto. Auf das Wertschriftengeschäft belastend wirken zudem die andauernde Zurückhaltung und die hohe Liquiditätshaltung der Anleger, weshalb die gehandelten Volumen unverändert schwach sind.

Der Erfolg aus dem Handelsgeschäft beträgt CHF 37.3 Mio. (+13.7 %, CHF +4.5 Mio.). Der Anstieg ist zurückzuführen auf das seit der Aufhebung der Euro-Untergrenze lebhaftere Devisengeschäft.

Einlage in Vorsorgeeinrichtung erhöht Personalaufwand

Der Sachaufwand liegt bei CHF 96.9 Mio. und kann – trotz Integration der Vadian Bank – leicht reduziert werden (-0.3 %, CHF -0.3 Mio.). Der Personalaufwand beträgt CHF 161.0 Mio. Der Anstieg um 2.3 % bzw. CHF 3.6 Mio. ist zurückzuführen auf eine Einlage in die Vorsorgeeinrichtung der SGKB von CHF 5.0 Mio. Aufgrund des Tiefzinsumfeldes und der schwachen Performanceaussichten wurde der technische Zinssatz auf 2.25 % reduziert. Einen Teil der damit verbundenen Kosten trägt die Bank. In der Summe liegt der Geschäftsaufwand mit CHF 257.9 Mio. etwas über dem Vorjahresniveau (+1.3 %, CHF +3.3 Mio.), weshalb auch der Bruttogewinn mit CHF 193.0 Mio. leicht rückläufig ist (-2.6 %,
CHF -5.1 Mio.).

Sonderfaktoren beeinflussen Konzerngewinn

Der im Frühling 2015 erfolgte Verkauf der Swisscanto-Beteiligung führt zu einem ausserordentlichen Erfolg von CHF 18.1 Mio. Umgekehrt belasten die Integration der Vadian Bank, der Abschluss der strategischen Neuausrichtung, die Einlage in die Vorsorgeeinrichtung sowie die Beendigung des US-Steuerprogramms für das Stammhaus sowie die ehemaligen Tochtergesellschaften Hyposwiss Zürich (heute HSZH Verwaltungs AG) und Hyposwiss Genf das Ergebnis insgesamt deutlich.

Der ausgewiesene Konzerngewinn liegt mit CHF 133.4 Mio. CHF 12.9 Mio. oder 8.8 % unter dem Vorjahr. Ohne die erwähnten Sonderfaktoren würde ein höheres Ergebnis resultieren.

Geschäftsvolumen: Tiefere Vermögensbestände, höheres Ausleihungsniveau

Die Verwalteten Vermögen stehen per Ende Jahr bei CHF 36.2 Mia. und liegen damit unter dem Vorjahreswert von CHF 36.8 Mia. Die Differenz stammt hauptsächlich von den Assets under Management, die verglichen mit dem Vorjahr um CHF 0.6 Mia. abnehmen, wobei vor allem der Abbau von Kundenpositionen im Zuge des Strategiewechsels im grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft sowie die Aufhebung der Euro-Untergrenze zu tieferen Beständen führen. Dies belastet die Entwicklung des Net New Money im Bereich Private Banking entsprechend und führt zu einem Abfluss von CHF 638 Mio. Umgekehrt ist die Neugeldgewinnung im Bereich Privat- und Geschäftskunden mit CHF 734 Mio. (+5.1 %) sehr erfreulich. Ebenso ist innerhalb der Assets under Management ein Wachstum bei Depotvolumen mit Verwaltungsmandat zu verzeichnen (+ CHF 0.6 Mia.).

Die Kundenausleihungen steigen um 1.5 % oder CHF 0.4 Mia. und betragen per 31.12.2015 CHF 24.2 Mia. Das Wachstum bei den Hypothekarausleihungen befindet sich trotz leichter Abschwächung auf stabilem Niveau (+3.2 %). Weiterhin zu nimmt das Volumen der Festhypotheken, welche nun rund 81 % des gesamten Hypothekarbestandes ausmachen. Aufgrund der Euroschwäche und des gegenwärtigen wirtschaftlichen Umfelds besteht umgekehrt eine geringe Investitionsneigung, und die Nachfrage nach Firmenkrediten ist entsprechend tief. Die SGKB hat an ihrer risikobewussten Kreditpolitik unverändert festgehalten. Das Kreditportefeuille der St.Galler Kantonalbank präsentiert sich weiterhin in einem sehr guten Zustand. Aufgrund seiner hohen Qualität fallen 2015 lediglich 0.9 Mio. Franken neu zu bildendende Rückstellungen für Kreditrisiken an.

Gute Entwicklung der SGKB Deutschland

Aufgrund der geografischen Lage und der geschichtlichen Entwicklung ist der Markt Deutschland für die SGKB seit jeher von besonderer Bedeutung. Um ihre deutschen Kunden vor dem Hintergrund veränderter aufsichtsrechtlicher Rahmenbedingungen weiterhin aktiv zu betreuen und das Deutschlandgeschäft erfolgreich weiterzuentwickeln, hat die SGKB 2009 eine Tochtergesellschaft errichtet. Sie verfügt über zwei Standorte in München und Frankfurt und beschäftigte per Jahresende  rund 50 Mitarbeitende. Die Gesellschaft besitzt eine Vollbanklizenz und erfüllt sämtliche aufsichtsrechtlichen Auflagen in Deutschland. Damit können Kunden nach ihren persönlichen Bedürfnissen sowohl den Betreuungsort wie auch den Buchungsort Deutschland oder Schweiz frei wählen.

Aktuell liegt die operative Entwicklung der Tochtergesellschaft erfreulich über dem Business Case. Die SGKB Gruppe betreut ein Geschäftsvolumen von Kunden mit Domizil Deutschland von insgesamt CHF 3.1 Mia. Darin sind per 31.12.2015 CHF 0.8 Mia. in der SGKB Deutschland gebucht.

Unveränderte Dividende von 15 Franken pro Aktie

Der Verwaltungsrat der St.Galler Kantonalbank schlägt den Aktionärinnen und Aktionären an der ordentlichen Generalversammlung vom 27. April 2016 eine unveränderte Dividende von CHF 15 pro Aktie vor. Dieser Antrag entspricht der langfristigen und stabilen Dividendenpolitik der SGKB mit einer Ausschüttungsquote zwischen 50 und 70 % des ausgewiesenen Reingewinns. Die vorgeschlagene Dividende von CHF 15 entspricht einer Ausschüttungsquote von 62.7 % bezogen auf den Konzerngewinn und einer attraktiven Dividendenrendite von 4.2 % – bezogen auf den Jahresendkurs von 361 Franken.

68.9 Millionen Franken für Kanton St. Gallen

Mit der beantragten Dividendenausschüttung, der Abgeltung für die Staatsgarantie sowie der Kantons- und Gemeindesteuern erhalten der Kanton St. Gallen und die Gemeinden für das Geschäftsjahr 2015 von der St.Galler Kantonalbank rund CHF 68.9 Mio. Hinzu kommt das Steuersubstrat, das durch die überwiegend im Kanton St.Gallen wohnhaften SGKB-Mitarbeitenden generiert wird.

Solide Kapitalisierung, gutes Rating

Die St.Galler Kantonalbank weist per 31.12.2015 ein Eigenkapital von CHF 2.1 Mia. Franken bzw. anrechenbare Eigenmittel von CHF 2.2 Mia. Franken aus. Die Gesamtkapitalquote auf den risikogewichteten Aktiven beträgt 15.4 %.  Mit diesen Werten erfüllt die SGKB die Eigenmittelvorschriften nach Basel III komfortabel. Die Ratingagentur Moody’s stuft die St.Galler Kantonalbank unverändert mit Aa1 ein.

Strategische Transformation abgeschlossen

Bei der Bekanntgabe der strategischen Neuausrichtung im Juni 2013 setzte sich die St.Galler Kantonalbank zum Ziel, den Transformationsprozess bis Ende 2015 abzuschliessen. Dies hat sie erreicht: Der weitgehende Ausstieg aus dem grenzüberschreitenden Vermögensverwaltungsgeschäft ist vollzogen, die entsprechenden Geschäftseinheiten der ehemaligen Hyposwiss Tochterbanken in Zürich und in Genf wurden verkauft, das strategiekonforme Geschäft der Hyposwiss Zürich wurde als Niederlassung in das Stammhaus integriert, das verbliebene Crossborder-Geschäft bereinigt und gestrafft und für die ausländischen Kunden wurde eine umfassende Strategie der Steuerkonformität umgesetzt. Im Rahmen der strategischen Neuausrichtung wurde insgesamt ein Geschäftsvolumen von rund CHF 6.4 Mia. abgebaut. Dabei kann die Bank wie beabsichtigt das gute operative Gewinnniveau halten.

Als letztes Element der strategischen Refokussierung wird die SGKB im Laufe dieses Jahres ihre Niederlassung in Lissabon verkaufen. Diese erfreulich wachsende Geschäftseinheit stammt aus der ehemaligen Tochtergesellschaft Hyposwiss Genf und arbeitet profitabel. Sie wird im Rahmen eines Management Buyout durch den Geschäftsführer übernommen. Im Sinne der Kontinuität wird die SGKB zu Beginn einen Minderheitsanteil von 40 % behalten.

Mittelfristige Ziele angepasst

Verwaltungsrat und Geschäftsleitung haben im Rahmen ihrer laufenden Strategieüberprüfung die Mittelfristziele evaluiert und teilweise angepasst. Nach Abschluss der strategischen Transformation hat sich die Ertragsbasis insbesondere im Anlagegeschäft nachhaltig verändert. Neu soll der Anteil des Neugeschäfts an den Verwalteten Vermögen in die nächsten fünf Jahren 3 % statt wie bisher 4 % betragen. Zudem wird der Zielwert für die Geschäftsaufwandquote (Cost/Income-Ratio) von 50 % auf 55 % erhöht. Ausschlaggebend hierfür sind die geänderten FINMA-Rechnungslegungsvorschriften (Verbuchung der ausfallrisikobedingten Wertberichtigungen neu als Reduktion des Zinsensaldos und damit Reduktion des Betriebsertrags) sowie die Einschätzung der Zinsentwicklung, wonach der Zinserhöhungszyklus durch die SNB frühestens 2017 einsetzen wird.

Zukunftsinitiativen im Kundenfokus

Der strategische Transformationsprozess im Vermögensverwaltungsgeschäft hat in den vergangenen drei Jahren massgebliche Ressourcen gebunden. In den kommenden Jahren wird sich die Bank wieder verstärkt auf Zukunftsinitiativen mit einem klaren Kundenfokus konzentrieren.

Erstens will die SGKB ihre Marktposition im Heimmarkt sowohl bei den Privatkunden wie auch bei den Gewerbe- und Firmenkunden weiter ausbauen. Zu diesem Zweck lanciert sie entsprechende Entwicklungsinitiativen und beschliesst zusätzliche Personalressourcen.

Zweitens wird die Bank ihre Marktleistung im Anlagegeschäft schärfen und sich noch stärker als ganzheitlicher Vermögens-, Strategie- und Risikoberater positionieren. Dazu gehören unter anderem ein klar strukturiertes, verständliches Angebot für den Vermögensverwaltungs-, den Beratungs- und den Selbstberatungskunden sowie das Angebot unterschiedlicher Anlagestile.

Ein drittes Schwergewicht wird die Digitalisierung sein. Im Rahmen ihrer Digitalisierungsstrategie hat die SGKB für die kommenden fünf Jahre ein Investitionsvolumen von CHF 30 Mio. vorgesehen. Im laufenden Jahr werden beispielsweise ein rundum erneuertes, leistungsstarkes E-Banking sowie die beiden Bezahl-Applikationen Paymit und Twint eingeführt. Weitere laufende Vorhaben sind unter anderem eine Mobile App mit «digitalem Kontoauszug» und Budgettool, die Online Verlängerung von Hypotheken, das digitale Kunden-Onboarding oder der Ausbau der Sozialen Medien.

Höherer Reingewinn 2016 erwartet

Für die Konjunktur im laufenden Jahr erwartet die St.Galler Kantonalbank im Wesentlichen eine Fortsetzung von 2015. Die Wirtschaft in der Schweiz wird nach wie vor mit der Frankenstärke, den Negativzinsen und politischen Unsicherheiten im Verhältnis zur EU gefordert sein. Der Franken wird stark und die Zinsen werden tief bleiben. Dennoch erwartet die SGKB ein moderates Wachstum in der Schweiz. Für die SGKB bedeutet dies, dass der Geschäftsgang wie im Jahr 2015 solide verlaufen und sich das Gewinnniveau der Bank trotz schwieriger Rahmenbedingungen positiv entwickeln und leicht höher als 2015 ausfallen wird.

Kennzahlen 2015

(in CHF Mio.)       2015
(31.12.2015)
      2014
(31.12.2014)
  Veränderung
Betriebsertrag 450.9 452.6 - 0.4 %
Bruttogewinn 193.0 198.0 - 2.6 %
Geschäftserfolg
(Geschäftsergebnis)
141.5 177.9 - 20.4 %
Konzerngewinn 133.4 146.3 - 8.8 %
Bilanzsumme 31'189 30'317 + 2.9 %
Kundenausleihungen 24'243 23'886 + 1.5 %
Verwaltete Vermögen1 36'176 36'844 - 1.8 %
Eigenkapital 2'075 2'027 + 2.4 %
Mitarbeitende2
umgerechnet auf Vollzeitstellen2
1'234
1'065
1'273
1'102
- 3.1 %
- 3.4 %

1 Verwaltete Vermögen = Kundeneinlagen (Verpflichtungen gegenüber Kunden in Spar- und Anlageform und übrige Verpflichtungen gegenüber Kunden), Kassenobligationen sowie Depotvermögen (Assets under Management). Nicht enthalten sind Custody Assets (= Vermögenswerte, die lediglich zu Transaktions- und Aufbewahrungszwecken gehalten werden und für welche die Bank keine Beratung zu den Anlagemöglichkeiten anbietet).

2 Durchschnittsbestand 2015