Wirtschaftserholung nach Corona

Die Corona-Pandemie brachte eine konjunkturelle Vollbremsung und damit viele Schreckensszenarien für die Wirtschaftsaussichten. Die grössten Pessimisten verkündeten eine «I-Entwicklung», was einen unaufhaltbaren BIP-Einbruch zur Folge gehabt hätte. Zum Glück kam es besser.

Lockerungen bringen Stabilisierung

Mit den Lockerungen konnte sich der Detailhandel nach dem äusserst starken Einbruch erholen. Auch die Konsumentenstimmung hat sich zuletzt wieder etwas aufgehellt, liegt jedoch nach wie vor deutlich unter ihrem langjährigen Durchschnitt. Der Grund: Die Aussichten für den Arbeitsmarkt sind negativ. Darum ist es von grosser Bedeutung, dass mit dem Mechanismus der Kurzarbeit Stellen erhalten werden und die Unternehmen die Nachfrageschwäche überbrücken können. Wichtig ist gerade für die exportorientierte Ostschweizer Wirtschaft auch, dass die Nachfrage aus der Eurozone wieder steigt. Hier dürfte der stabilere und etwas stärkere Euro unterstützen. Wir erwarten auch, dass es keine rigorosen Lockdown-Massnahmen mehr geben wird und die Corona-Pandemie mit anderen Massnahmen wie Quarantäne-Vorschriften und weiteren Vorsichtsmassnahmen im Griff behalten werden kann. Wir erwarten darum auch kein «L», sondern sind optimistischer.

Herausgegriffen:
Vorlaufende Indikatoren erlauben den Blick in die Glaskugel

Wir brauchen Indikatoren, um Aussagen über die wirtschaftliche Entwicklung zu machen. Üblich sind drei Arten: die besonders interessanten vorlaufenden Indikatoren mit Blick in die Zukunft z.B. der Einkaufsmanagerindex (PMI), gleichlaufende für den aktuellen Wirtschaftsgang und nachlaufende Indikatoren wie das BIP. Vorlaufende Indikatoren werden häufig über Umfragen erhoben, welche die Stimmung, die Zukunftsaussichten und Auftragslage bei den Unternehmen spiegeln sollen. In der Regel sind sie sehr verlässlich und zeigen, in welche Richtung die Konjunktur läuft.

Corona-Pandemie verursachte konjunkturelle Vollbremsung
Corona-Pandemie

 

Die Grafik stellt das BIP-Wachstum dem Einkaufsmanagerindex (Purchasing Managers’ Index PMI) gegenüber. Der PMI wird durch eine monatliche Umfrage bei Einkaufsmanagern erhoben und gilt als verlässliches Prognoseinstrument. Ein PMI-Wert von unter 50 zeigt eine rückläufige, ein Wert von über 50 eine steigende Entwicklung an.

Neue Erwartungshaltung deutet auf «V» hin

Die Stimmungsumfragen und die Entwicklung der vorlaufenden Indikatoren signalisieren einen optimistischeren Ausblick. Der KOF-Konjunkturbarometer verbesserte sich im Juli deutlich, liegt jedoch mit 85.7 Punkten unter seinem langjährigen Durchschnitt von 100 Punkten. Mit den Lockerungsmassnahmen kehrte mehr Planungssicherheit zurück und die Nachfrage belebte sich. Nachdem die Maschinen stillstanden, konnte nun wieder produziert werden, was für Erleichterung sorgte und die Umfragewerte besser ausfallen liess. So sagen immer mehr Unternehmen, dass sie für die kommenden Monate optimistischer sind als für das 1. Halbjahr. Einige Unternehmen spüren sogar einen Nachholeffekt und die Auftragsbücher füllen sich stärker als erwartet. Das aufgehellte Sentiment hat zu einer Gegenbewegung bei den vorlaufenden Indikatoren geführt, was wie ein «V» aussieht. Aber ist das realistisch?

Realistischer als «V»: «Häkchen»

Zwar zeigen mehrere vorlaufende Indikatoren die begehrte V-Form, aber nach einer ersten Gegenreaktion wird sich der positive Basiseffekt abflachen und es wird immer schwieriger, die Erwartung zu übertreffen. So wird die Verbesserung der allgemeinen Lage andauern, aber diese wird mittelfristig schwächer ausfallen, als dass es die erste Gegenbewegung implizierte. Wir rechnen deshalb eher mit einem Häkchen als mit einem «V». Dies gilt übrigens nicht nur für die Schweiz, sondern auch für den Rest der Welt.