«Der SARON ist transparenter»

Die Ablösung des LIBORS durch den SARON rückt immer näher. Was sind die Gründe für die Abschaffung des LIBORS? Welche Auswirkungen hat der neue Referenzzinssatz? Im Interview mit Manuela Inauen erfahren Sie mehr dazu.

Warum SARON statt LIBOR?

Die britische Finanzmarktaufsicht «Financial Conduct Authority» (FCA) teilte im Juli 2017 mit, dass der LIBOR bis Ende 2021 durch einen vertrauenswürdigeren, marktbasierten Basiszins abgelöst werden muss. Die Nationale Arbeitsgruppe (NAG) empfiehlt den SARON als Alternative zum CHF-LIBOR. Die Berechnungsmethodik wurde in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalbank und der SIX Group AG entwickelt und hat sich mittlerweile etabliert.

Was sind die Gründe für die Abschaffung?

Der dem LIBOR zugrundeliegende Markt ist nicht mehr liquide. Seit der Finanzkrise hat sich die Aktivität vom ungesicherten zum gesicherten Geldmarkt verlagert. Dies hat zur Folge, dass für viele Laufzeiten keine echten Geschäfte mehr abgeschlossen wurden. Die «Panel-Banken» fühlten sich vermehrt unwohl dabei, ihre Zinsmeldungen lediglich basierend auf Expertenschätzungen abzugeben. Zudem kam es zu Unregelmässigkeiten, welche dem Vertrauen in diesen Referenzzins Schaden zufügten.

Wer publiziert den neuen Referenzzinssatz in der Schweiz?

Swiss Average Rate Overnight, kurz SARON, ist ein Übernachtzins. Er wird täglich auf dem Franken-Repo-Markt ermittelt und basiert auf effektiv abgeschlossenen Markttransaktionen und verbindlichen Kauf- und Verkaufspreisen. Somit ist er wesentlich transparenter und erfüllt alle internationalen Anforderungen an einen Referenzsatz. Der SARON wird von der SIX berechnet und publiziert.

Und wie erfolgt die Zinsberechnung für ein SARON-Kreditprodukt?

Der SARON ist ein Tagesgeldsatz und gilt somit nur für eine Zinsperiode von heute auf morgen. Damit Kundinnen und Kunden beispielsweise bei einer SARON-Hypothek mit einer Zinsperiode von drei Monaten, nicht täglich Zinsen bezahlen müssen, hat die von der Schweizerischen Nationalbank eingesetzte Arbeitsgruppe (NAG) als Lösung den sogenannten «compounded» SARON zur Verwendung im Kreditgeschäft vorgeschlagen. Somit wird der am Ende einer Abrechnungsperiode zu zahlende Zinssatz aus dem Durchschnitt der täglich aufgezinsten SARON-Sätze auf das Ende der Zinsabrechnungsperiode berechnet.

Unterschiede zwischen SARON und LIBOR

  LIBOR SARON
Abkürzung für London Interbank Offered Rate Swiss Average Rate Overnight
Geldmarkt Reflektiert den unbesicherten Geldmarkt Reflektiert den besicherten Geldmarkt
Grundlage
  • Ein an Bankarbeitstagen durch die Panelbanken fixierter Referenzzinssatz im Interbankengeschäft
  • Seit der Finanzkrise hat sich die Aktivität vom ungesicherten zum gesicherten Geldmarkt verschoben. Die Berechnung basiert folglich fast ausschliesslich auf Expertenbeurteilungen.
  • Basiert auf den täglichen und tatsächlichen Markttransaktionen sowie verbindlichen Preisstellungen (Quotes), auf der regulierten Handelsplattform der SIX Repo AG
  • Die Berechnungsmethodik wurde in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Nationalbank und der SIX Group AG entwickelt, ist öffentlich einsehbar und transparent
Teilnehmer Gruppe von 11 bis 16 Banken (Panel-Banken)  Über 160 Banken und Versicherungen 
Zinssatz
  • Verfügbar in fünf Währungen (CHF, EUR, GBP, JPY, USD) und in einer Reihe von Laufzeiten bis 12 Monate
  • Reflektiert das erwartete Zinsniveau und entspricht einer Abfolge erwarteter Tagesgeldsätze
  • Zinssatz und Höhe der zu leistenden Zinszahlung ist am Anfang bekannt
  • CHF-Overnight-Zinssatz (gilt für eine Zinsperiode von heute auf morgen)
  • Der im Zusammenhang mit SARON-Hypotheken und –Krediten verwendete aufgezinste (compounded) SARON (Zinssatz) und die Höhe der zu leistenden Zinszahlung ist erst am Ende der Zinsperiode bekannt
Veröffentlichung
  • Veröffentlichung einmal am Tag
  • Berechnung fortlaufend / Veröffentlichung alle 10 Minuten
  • Fixierung dreimal am Tag / Der Schlusskurs von 18.00 Uhr wird für die Berechnungen des aufgezinsten (compounded) SARON verwendet

Welche Auswirkungen hat der Übergang zum SARON für Kreditnehmer?

Nebst der Tatsache, dass die Höhe des zu zahlenden Zinses erst am Ende einer Zinsperiode bekannt ist, sind die Auswirkungen im Moment unbedeutend. Noch immer setzt sich der vom Kunden zu zahlende Zins aus einem Basiszins und einer Marge zusammen. Der Basiszins ist neu der «compounded» SARON anstelle des LIBORS. Da dieser im gegenwärtigen Tiefzinsumfeld – wie auch der LIBOR – negativ ist, wird er derzeit durch 0 % ersetzt.

Die St.Galler Kantonalbank hat bereits seit Mitte Mai zwei neue SARON-basierte Produkte lanciert: Die SARON-Hypothek und den SARON-Kredit. Somit stehen die neuen Geldmarkt-Kreditprodukte rechtzeitig bereit.

Was passiert mit den laufenden Produkten?

Geldmarkt-Hypotheken oder -Kredite, die vor dem 31.12.2021 auslaufen oder bei denen das letzte Zinssatz-Fixing innerhalb der Vertragslaufzeit bis zum 31.12.2021 stattfindet, werden bei Fälligkeit ordentlich verlängert.

Produkte, die erst nach dem 31.12.2021 fällig sind, werden vor Ende 2021 in die neuen Produkte überführt. Die Kundinnen und Kunden werden rechtzeitig kontaktiert.

Wie informieren Sie Ihre Kundinnen und Kunden?

Kundinnen und Kunden können sich auf unserer Website über die Umstellung informieren. Selbstverständlich können sich Kundinnen und Kunden mit ihren Fragen an ihre Beraterin oder ihren Berater wenden.

Manuela Inauen, Leiterin Kreditprodukte bei der St.Galler Kantonalbank