Frankenstärke ist eine Herausforderung

Der Schweizer Franken hat in den letzten Monaten an Stärke gewonnen. Das verbilligt einerseits die Kosten von Importgütern, was den Unternehmen in der Schweiz helfen kann. Auf der anderen Seite werden so Schweizer Produkte im Ausland teurer, was die Nachfrage nach «Made in Switzerland» belasten oder bei den Firmen auf die Marge drücken kann. Eine aktive Auseinandersetzung mit der Währungssituation macht darum für jede Firma, die mit dem Ausland zu tun hat, Sinn.

KMU-Fokus: Caroline Hilb

Einschätzungen von Caroline Hilb, Leiterin Anlagestrategie und Analyse

Krisenstimmung stärkt den Franken

Seit Anfang Mai befindet sich der EUR/CHF-Wechselkurs in einem Abwärtstrend. Das Währungspaar ist seither von 1.14 auf unter 1.09 gerutscht. Ein Niveau, das letztmals im Frühjahr 2017 vor den Wahlen in Frankreich erreicht worden war. Grossen Einfluss auf den Kurs hat die Kommunikation der Zentralbanken. Die US-Notenbank Fed hat mit ihrem Richtungswechsel hin zu tieferen Zinsen eine neue Welle expansiver geldpolitischer Erwartungen ausgelöst. Die EZB wird im September zumindest den Einlagesatz senken müssen, um ihre gegenüber den Finanzmärkten ausgesprochenen Versprechen einzulösen. Zu allem Überfluss weckt der US-chinesische Handelszwist Befürchtungen vor einer globalen Rezession. Die Gefahr, dass der Franken als sicherer Hafen das Ziel einer noch stärkeren Aufwertungsspekulation wird, ist hoch und zeigt sich bereits am Devisenmarkt.

Wie wird sich der Schweizer Franken entwickeln?

Die SNB hat wenig Handlungsspielraum. Sie kann den Franken den Marktkräften überlassen und nichts tun. Das ist die beste Option, solange eine zu schnelle Aufwertung des Frankens ausbleibt. Oder die SNB kann ihren Leitzins senken. Das ist die schlechteste Option. Die Wirkung von Zinssenkungen auf die Währung verpufft relativ rasch. Wenn die Nationalbank die Zinsen nicht immer weiter senken will, steht sie schon in Kürze wieder vor der Frage, was gegen einen stärker werdenden Franken zu tun ist. Mit -0.75% hat die Schweiz bereits den tiefsten Leitzins weltweit. Somit sind Interventionen am Devisenmarkt die wahrscheinlichste Option. Damit kann die SNB den Kurs des Frankens am direktesten beeinflussen. Zudem erhöht sie das Risiko für diejenigen Akteure, die auf eine weitere Aufwertung des Frankens spekulieren. Die SNB muss mit ihrer Strategie unberechenbar bleiben. Das bedeutet, dass sie kein vorbestimmtes Niveau im EUR/CHF-Kurs verteidigt, sondern flexibel agieren muss. Die Folge davon wird sein, dass die Bilanz der SNB wachsen wird.

Sichteinlagen deuten im August auf SNB-Intervention hin

Die SNB hält sich bezüglich Devisenmarktinterventionen stets bedeckt. Einen Anhaltspunkt liefern die wöchentlich publizierten Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB. Im August zeigten diese einen überdurchschnittlichen Anstieg (Quelle: Bloomberg):

KMU-Fokus: Veränderung Sichteinlagen

Was heisst das für Schweizer Unternehmen?

Für Schweizer Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen ins Ausland bleibt die Situation anspruchsvoll. Der Franken wird in Phasen von erhöhter Unsicherheit an den Finanzmärkten aufwerten und die Zahl dieser Unsicherheitsfaktoren ist unverändert hoch. Der Franken wird hoch bewertet bleiben, die Zinsen auf der anderen Seite tief. Unternehmer sollten ihre  Verpflichtungen in Euro und anderen Fremdwährungen gut im Auge behalten und diese Positionen aktiv managen. Absicherungsstrategien, die auf die Verpflichtungen in Volumen und Zeit zugeschnitten sind, können beispielsweise zur Entlastung eingesetzt werden.  

Wie erkenne ich allfällige SNB-Interventionen?

Die SNB stemmte sich in den vier Jahre seit der Aufgabe der Euro-Untergrenze gegen das Erstarken des Frankens. Bezüglich der Grössenordnung ihrer Interventionen hält sich die Nationalbank bedeckt. Anhaltspunkte liefern die Entwicklung der Devisenreserven sowie die wöchentlichen Daten zu den Sichtguthaben der Geschäftsbanken bei der SNB. Das Prinzip dahinter: Kauft die SNB bei ihren Interventionen am Devisenmarkt Euro, dann schreibt sie den Gegenwert in Franken den Geschäftsbanken auf deren SNB-Konten gut. Entsprechend steigen deren Sichtguthaben. Mit Blick auf die Grafik intervenierte die SNB demnach im Vorfeld der französischen Wahlen im Frühjahr 2017 mit mehreren Milliarden Franken pro Woche. Damals sank der EUR/CHF-Kurs gegen 1.06. Nach einer Phase mit relativ konstanten Sichteinlagen folgte nun im August 2019 erstmals wieder ein überdurchschnittlicher Anstieg. Dies deutet auf Interventionen durch die SNB hin.