Covid-19 sprengt Lieferketten

Heute Morgen flog ein Flugzeug über den Säntis. Es war das einzige am Himmel. Kein Wunder: Mit der Corona-Krise kam der Flugverkehr zum Erliegen. Das ist für die Schweizer Wirtschaft ein Stresstest. Wir spüren es als Konsumierende und auch als Unternehmerinnen und Unternehmer.

Der Bewegungsradius aller Menschen rund um den Globus hat sich mit der Corona-Pandemie spürbar verkleinert. Phasenweise waren mehr als vier Milliarden Menschen gleichzeitig von Ausgangssperren und Lockdown-Massnahmen betroffen.

Der Flughafen Zürich Kloten musste einen Umsatzeinbruch von gut 90% hinnehmen. Denn wegen der Reisebeschränkungen und Grenzschliessungen weltweit hoben die Passagierflugzeuge nicht mehr ab. Die ganze Reise-, Tourismus- und Gastrobranche ist von fehlenden Gästen aus dem Ausland betroffen, auch in der Ostschweiz. Und selbst wenn in der Schweiz die Massnahmen gelockert werden, bleiben die Gäste aus dem Ausland, die rund 50% ausmachen, weiterhin aus.

Der ganze Sektor muss wegen Corona nicht nur mit den schmerzhaften Umsatzeinbussen der letzten Monate leben, sondern auch mit fehlender Planbarkeit und einer grossen Unsicherheit in der Zukunft. Sicher, viele Schweizerinnen und Schweizer werden ihre Ferien in der Schweiz verbringen, den Alpstein oder die Schwägalp besuchen. Aber die Lücke durch die fehlenden Gäste aus dem Ausland werden wir alle nicht kompensieren können. Die Lage wird bis ins vierte Quartal angespannt und unsicher bleiben.

Exporte von zwei Seiten unter Druck

80% der Exportfirmen in der Schweiz meldeten Absatzschwierigkeiten. Rund 62% der Schweizer Export-Unternehmen hatten gemäss Angaben des Verbandes Swiss Export Mühe mit den Lieferketten. Die Corona-Krise hat die Exportwirtschaft über zwei Kanäle hart getroffen. Auf der einen Seite brach mit dem Lockdown die Nachfrage ein, auf der anderen Seite kam die weltweite Logistik in die Krise. Die Passagierflugzeuge befördern rund 50% der globalen Exportgüter.

«Wegen der Corona-Pandemie wurden die Lieferzeiten länger und die Transportkosten stiegen an.»

Diese Transportkapazitäten fielen im Zuge der Corona-Krise aus. Die Cargo-Flugzeuge machen rund 35% aus, allerdings sind ihre Leistungen bis zu fünfmal teurer. Und auch die Schifffahrt und die Cargo-Züge konnten nicht wie gewohnt liefern. Wegen der Corona-Pandemie wurden die Lieferzeiten länger und die Transportkosten stiegen an. Selbst wenn eine Firma im Rheintal weiter produzieren durfte, fehlten ihr womöglich die Bestandteile, um zu produzieren. Und wenn ein Autozulieferer seine Bestandteile fertiggestellt hatte, wurden sie beim deutschen Autobauer nicht nachgefragt oder konnten erst verspätet geliefert werden. Die Umsatzeinbussen werden bei den Exportunternehmen, bei den Zulieferfirmen und Industriebetrieben deutlich negativ zu Buche schlagen. Eine Verbesserung dürfte es im dritten Quartal geben, eine spürbare Entspannung allerdings erst zum Jahresende.

Herausgegriffen: Beispiel von globaler Wertschöpfungskette (iPhone)

Gemäss US-Zollstatistik sind Handys in den USA inzwischen das wichtigste einzelne Importprodukt aus China. Wenn man das Produkt aber genauer unter die Lupe nimmt, sind die Lieferketten einiges komplexer und globaler. In einem iPhone stecken zum Beispiel die Bewegungssensoren von Bosch (Deutschland), die Batterien von Simplo (Taiwan) oder Sunwoda (China), der Flash-Speicher von Toshiba (Japan) sowie die Chips von Qualcomm (USA). Zusammengeschraubt wird das Gerät schlussendlich in China. Deshalb taucht das erwähnt Smartphone in der US-Zollstatistik dann als China-Import im Wert von knapp 240 Dollar auf, obwohl nur 4 % in China hergestellt wird.

Beiträge von Herstellern verschiedener Staaten zu einem iPhone 7
Quelle: Dedrick, Linden und Kraemer

Konjunktur Covid-19

Wiederbelebung 2021

Die Ostschweiz und die ganze Weltwirtschaft wurden von der Corona-Pandemie unvermittelt und hart getroffen. Die Nachfrage brach innert Tagen ein, das Wirtschaftsleben wandelte sich mit Social Distancing und Home Office stark und die Globalisierung hat ihre Verletzlichkeit gezeigt. Dies alles wird in der Wirtschaft Spuren hinterlassen.

«Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft zum Jahresende und vor allem 2021 erholen wird, sofern eine zweite Welle ausbleibt.»

Wir erwarten, dass viele Firmen ihre Lieferketten überprüfen und einige Produktionen wieder in der Schweiz aufbauen werden. Das ist allerdings eine mittelfristige Entwicklung, weil diese Infrastruktur nicht von heute auf morgen erstellt werden kann. Wir erwarten, dass sich die Wirtschaft zum Jahresende und vor allem 2021 erholen wird, sofern eine zweite Welle ausbleibt. Wichtig ist, dass der wirtschaftliche Aufschwung rund um den Globus möglichst zeitgleich und synchron stattfindet. Nur so können die Transportwege wieder unterhalten und die Güter transportiert werden.