2020: Rezessionsjahr?

Die Aussichten für die Schweizer Wirtschaft waren mal besser. Als offene Volkswirtschaft ist die Schweiz den Unsicherheiten der globalen Wirtschaft direkt ausgesetzt. Und diese haben in den letzten Monaten zugenommen, was auch die Unternehmen in der Ostschweiz gespürt haben.

Der Handelsstreit zwischen den USA und China steht dabei ganz oben auf der Gefahrenliste, obwohl er geographisch weit weg ist. Erstens verunsichert der Handelsstreit, der seit Anfang 2018 andauert, den Exportsektor weltweit. In diesem Umfeld nimmt die Investitionstätigkeit tendenziell ab, was die Schweiz zu spüren bekommen hat. Zweitens ist der Industriesektor von den Handelsstreitigkeiten stärker belastet als der Dienstleistungssektor. Denn weltweit werden mehr Industrie- als Dienstleistungsgüter gehandelt. Die Schweiz und insbesondere die Ostschweiz als Standort von Zulieferfirmen hat die Schwäche im Industriesektor, vor allem im europäischen Automobilsektor, durchaus zu spüren bekommen. Und drittens hat der andauernde Handelsstreit die internationalen Produktionsketten aufgebrochen, was für die hiesige Wirtschaft eine Belastung ist.

Wiederbelebung der Wirtschaft erwartet

Die Schweizer Wirtschaft befindet sich im Abschwung. Während die Arbeitslosigkeit stabil und tief ist, zeigen sich der Konsum, die Investitionstätigkeit und auch der Aussenbeitrag schwächer. Darum ist die Gretchenfrage für 2020: Wird aus dem konjunkturellen Abschwung im kommenden Jahr eine Rezession? Die Vorzeichen stehen gut, dass eine Rezession 2020 verhindert werden kann. Wir erwarten im Laufe des ersten Halbjahres 2020 eine Wiederbelebung der Weltwirtschaft. Davon wird die Schweiz profitieren, so wie sie in den letzten Monaten darunter gelitten hat. Im Handelsstreit zwischen den USA und China erwarten wir eine Annäherung, was die Wogen glätten und die Stimmung unter den Wirtschaftsakteuren heben wird. Ebenfalls ist die Geldpolitik sowohl in der Schweiz, in Europa und auch den USA expansiv. Das wird der Schweizer Wirtschaft ebenfalls Rückenwind geben.

Stabiler Franken

Die Schweizer Binnenkonjunktur wird von den Aktivitäten im Bausektor und vom Konsum getragen. Der Wechselkurs des Frankens ist ein Risikofaktor, weil er auch im aktuellen Umfeld tendenziell aufwertet. Weil die Geldpolitik der Schweizerischen Nationalbank mit Negativzinsen und Deviseninterventionen aber weiterhin auf den Wechselkurs fokussiert ist, dürfte das Risikopotential von dieser Seite eher beschränkt bleiben und der Franken eine mehrheitlich stabile Entwicklung zeigen.  

Herausgegriffen: Was ist eine Rezession?

Konjunkturzyklus

Der Konjunkturzyklus besteht aus vier Phasen: Aufschwung, Boom, Abschwung und Rezession. Zwei Quartale mit negativem BIP-Wachstum sind per Definition eine Rezession. Weil die Rezession zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit führt und wir sie im Portemonnaie spüren, ist diese Konjunkturphase verständlicherweise die unbeliebteste. Dabei dauert eine Rezession in der Regel nicht länger als zwei Quartale. Der Abschwung dagegen ist immer der Vorläufer einer Rezession und zeitlich unbegrenzt. Der Fokus auf die Dauer eines Abschwungs ist darum von grosser Bedeutung. Während eines Abschwungs lässt sich mit geld- und wirtschaftspolitischen Massnahmen eine Rezession verhindern.