Ein Kursverlauf in Form eines Candlestick Charts

Daily Focus, 10.11.2022

Der Schweizer Aktienmarkt widersetzte sich gestern der international eher gedrückten Börsenstimmung und schloss deutlich höher.

Unterstützt durch eine starke Kursentwicklung bei den defensiven Schwergewichten legte der SMI im Tagesverlauf stetig zu und beendete den Tag 0.7 % höher. Heute stehen die Zwischenberichte von Zurich Insurance, Vontobel, Deutsche Telekom, Merck KGaA und RWE im Fokus. 

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: -1.95 %, S&P500: -2.08 %,
Nasdaq: -2.48 %

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: -0.30 %, DAX: -0.16 %,
SMI: +0.71 %

Asiatische Märkte
Nikkei 225: -0.98 %, HangSeng: -1.84 %
S&P/ASX 200: -0.50 % 

Der Schweizer Aktienmarkt widersetzte sich gestern der international eher gedrückten Börsenstimmung und schloss deutlich höher. Unterstützt durch eine starke Kursentwicklung bei den defensiven Schwergewichten legte der SMI im Tagesverlauf stetig zu und beendete den Tag 0.7 % höher. Zu den gefragtesten Titeln gehörten Roche, die nach einer positiven Studie im Zusammenhang mit einem Medikament zur Behandlung von Herzinsuffizienz um 1.1 % anzogen. Auch die anderen beiden Index-Schwergewichte Nestlé und Novartis gehörten mit Kursavancen von +1.1 % respektive +1.2 % zu den Tagesgewinnern. Mit Swisscom (+1.7 %) und Givaudan (+1.3 %) profitierten weitere defensive Werte von der Suche nach Sicherheit. An der Indexspitze legten die Aktien von Swiss Re ohne relevante Neuigkeiten um 2.1 % zu. Swiss Life (+0.5 %) reagierte verhalten auf das starke 3. Quartalsergebnis. Am unteren Ende des Tableaus gehörten mit Partners Group (-1.2 %), Logitech (-1.8 %) und Credit Suisse (-3.2 %) drei der bisherigen Jahresverlierer. Im breiten Markt standen die Aktien von Temenos im Mittelpunkt, nachdem der aktivistische Investor Petrus Advisors in einen offenen Brief an den kriselnden Bankensoftwarekonzern den Rücktritt des Verwaltungsratspräsidenten und des CEO forderte. Temenos kündigte in einem kurzen Statement an, dass man bald ein Strategieupdate publizieren werde. Die Aktie schloss 1.5% höher.

Die US-Aktienmärkte verloren gestern an Terrain. Neben enttäuschenden Unternehmenszahlen standen dabei die Resultate der Zwischenwahlen im Fokus, die entgegen den jüngsten Erwartungen auf einen weniger deutlichen Erfolg der Republikaner hindeuteten. Der DowJones gab 2.0 % nach, während der S&P500 um 2.1 % zurückfiel. Der technologielastige Nasdaq verlor 2.5 %. Auf Einzeltitelebene standen unter anderem die Aktien von Walt Disney im Fokus. Der Unterhaltungskonzern verfehlte mit seinen Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten deutlich. Grund dafür waren unter anderen ein Verlust von USD 1.5 Mrd. bei der Streaming-Sparte Disney+ sowie schwächere Margen beim Geschäft mit Vergnügungsparks. Die Aktie gehörte mit einem Minus von 13.2 % zu den schwächsten US-Werten. Mit einem Kurssprung von 5.2% reagierten die Aktien von Meta auf die Ankündigung, dass der Facebook-Konzern mehr als 11'000 Mitarbeiter entlassen will. Meta musste zuletzt wegen gesunkenen Werbeeinnahmen und hohen Investitionen in die Reality Sparte, in der das Metaverse entwickelt wird, einen deutlichen Gewinnrückgang hinnehmen. Mit dem Stellenabbau möchte der Konzern Kosten einsparen und die Effizienz verbessern.

An den meisten europäischen Aktienmärkten blieben die Anleger gestern zurückhaltend gestimmt. Der EuroStoxx50 gab zur Wochenmitte 0.3 % nach. Positiv aus dem Rahmen fielen der spanische IBEX 35 (+0.5 %) und der italienische FTSE MIB (+0.4 %), die unter anderem von einer starken Entwicklung der Versorgerwerte profitierten. Mit Immobilien, Gesundheit, Basiskonsum und Kommunikationsdienste gehörten weitere defensive Sektoren zu den Tagesgewinnern. Unter Druck standen hingegen zyklische Sektoren wie zyklischer Konsum, Grundstoffe und IT. Am schwächsten entwickelte sich der Energiesektor, der von rückläufigen Ölpreisnotierungen gebremst wurde. 

Unternehmensberichte

Zurich Insurance publizierte heute Eckdaten zu den ersten 9 Monaten 2022. Im Schaden- und Unfallgeschäft nahmen die Bruttoprämien im Vorjahresvergleich um 8 % auf USD 33.5 Mrd. zu. Bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte betrug der Anstieg 13 %. Das solide Wachstum war unter anderem auf Preiserhöhungen im Firmenkundengeschäft und im US-Markt zurückzuführen. Im Lebensversicherungsgeschäft glitt der Wert des Neugeschäfts um 6 % auf USD 2.6 Mrd. zurück. Bereinigt um den Einfluss des starken USD resultierte ein knapper Anstieg von 2 %. Im US-Farmers-Geschäft stiegen die Bruttoprämien um 11 % auf USD 20.2 Mrd. Die Solvenzquote lag bei etwa 252 % und damit leicht unter den 262 % per Ende 1. Halbjahr. Damit liegt die Quote aber immer noch substanziell über dem angestrebten Mindestziel von 160 %. Im Zusammenhang mit dem Hurrikan Ian rechnet Zurich mit Schadenskosten von USD 550 Mio. Gewinnzahlen werden erst wieder mit dem Gesamtjahresbericht vorgelegt. Am 16. November wird Zurich im Rahmen eines Investorentages über die neue Dreijahreszielsetzung orientieren. Das 9-Monatsergebnis fiel im Rahmen der Analystenerwartungen aus. 

Vontobel spürte im 3. Quartal das anspruchsvolle wirtschaftliche Umfeld und die Turbulenzen an den Finanzmärkten. Per Ende 3. Quartal betrugen die verwalteten Neugelder bei CHF 201.2 Mrd., was einem Rückgang von CHF 42.5 Mrd. seit Jahresanfang entspricht. CHF 3.4 Mrd. entfallen auf Netto-Neugeldabflüsse, während der Bärenanteil auf die negative Marktentwicklung zurückzuführen ist. Als Reaktion auf das anspruchsvolle Umfeld hat Vontobel Kostenmassnahmen initiiert und rechnet für 2022 mit einem zwischen CHF 40 bis 70 Mio. tieferen Geschäftsaufwand als im letzten Jahr. Im letzten Jahr wurde insgesamt CHF 1.1 Mrd. an Aufwand verbucht. Erreicht werden soll das Sparziel über einen temporären Einstellungsstopp und eine Straffung des Portfolios. An den Mittelfristzielen hält die Privatbank fest. Das Zwischenergebnis bewegt sich im Rahmen der Analystenerwartungen.

Die Deutsche Telekom steigerte den Konzernumsatz im 3. Quartal um 8.8 % auf EUR 29.0 Mrd. Unterstützt war das starke Wachstum durch eine dynamische Entwicklung im Service-Bereich und einem soliden Wachstum bei T-Mobile US. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA AL) wuchs um 8.5 % auf EUR 10.5 Mrd. Unter dem Strich verblieb dem Konzern eine bereinigter Konzerngewinn von EUR 2.4 Mrd., 83.6 % über dem Vorjahr. Die Jahresprognose wird zum dritten Mal in Folge leicht angehoben. Neu rechnet der Telekomkonzern mit einem bereinigten operativen Gewinn von über EUR 37 Mrd. (zuvor: rund EUR 37 Mrd.). Der bereinigte Gewinn pro Aktie soll bei EUR 1.50 zu liegen kommen, zuvor hatte man mit EUR 1.25 gerechnet. Die Dividende für das Gesamtjahr soll von EUR 0.64 auf 0.70 pro Aktie angehoben werden. Das Zahlenset blieb insgesamt leicht hinter den Analystenerwartungen zurück. Merck KGaA vermeldete für das 3. Quartal einen Umsatzanstieg von 16.8% auf EUR 5.8 Mrd. Organisch, also bereinigt um Währungs- und Portfolioeffekte, betrug das Wachstum 7.1 %. Angetrieben wurde das Wachstum von den Bereichen Life Science und Healthcare, die jeweils ein organisches Wachstum von 8.7 % erreichten. Im konjunktursensitiven Electronics-Bereich fiel das Wachstum mit 0.4% hingegen bescheiden aus. Der bereinigte operative Gewinn (EBITDA pre) erhöhte sich um 16.7 % auf EUR 1.8 Mrd. 7.5 % davon entfielen auf organisches Wachstum. Die Mittelfristzielsetzung, die einen Umsatz von EUR 25 Mrd. bis 2025 anstrebt, wurde bestätigt. Die Jahresziele wurden präzisiert und insgesamt leicht angehoben. Mit dem Zwischenergebnis übertrifft Merck KGaA die Analystenerwartungen.

RWE vermeldete für die ersten 9 Monate 2022 einen Anstieg des bereinigten operativen Gewinns (EBITDA) um 70 % auf EUR 4.1 Mrd. Dabei profitierte der Stromversorger von der hohen Stromnachfrage, dem Ausbau an erneuerbaren Energien und einem starken Handelsergebnis. Der Ausblick für das Gesamtjahr, der einen EBITDA zwischen EUR 5.0 und 5.5 Mrd. erwartet, wurde bestätigt. Auch am Dividendenziel für 2022, das eine Ausschüttung von EUR 0.90 pro Aktie vorsieht, wurde festgehalten. Das Zwischenergebnis fällt leicht besser aus als von den Analysten erwartet.

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.006 %; DE: 2.162 %; CH: 1.014 %

Die Midterm-Wahlen in den USA zeigten wenig Einfluss auf die Märkte. Zum einen, weil das Rennen zumindest um den Senat noch offen ist, um zum anderen, weil sich für die Märkte vorerst kaum etwas ändern wird. Entscheidender werden hingegen die heute Nachmittag veröffentlichten Inflationsdaten für die USA sein. Im Vorfeld dessen sind die längeren Zinsen etwas zurückgeglitten. 

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.9827
Euro in US-Dollar: 1.0034
Euro in Franken: 0.9806

Der Euro hält sich gegenüber dem Schweizer Franken weiterhin knapp unter der Paritätsmarke und somit deutlich über dem Tief der letzten Wochen von unter 0.94. Mittelfristig dürfte der Euro zumindest gegenüber dem Schweizer Franken wieder zur Schwäche neigen. Aktuell geniesst er aber einiges an Support durch die erwarteten Zinserhöhungen der europäischen Zentralbank. Diese muss dezidiert durchgreifen, um die hohe Inflation in der Eurozone in den Griff zu kriegen. 

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 85.74 pro Fass
Goldpreis: USD 1'710.19 pro Unze

Der Ölpreis notiert seit dem Sommer relativ konstant in einem Band zwischen 78 und 92 US-Dollar. Die jüngste Korrektur dürfte stark mit den vorerst zerschlagenen Hoffnungen auf ein schnelles Ende der Null-Corona-Politik in China zu tun haben. China ist der grösste Importeur von Erdöl und entsprechend wichtig für die Preisbildung. 

Wirtschaft

Es wurden keine relevanten Wirtschaftsdaten veröffentlicht.

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich
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