Ein Kursverlauf in Form eines Candlestick Charts

Daily Focus, 07.11.2022

Die Aktienmärkte sind nach wie vor auf der Suche nach Orientierung.

Tägliche Kursschwankungen von 2 % oder wie in China gar deutlich mehr sind fast schon die Regel. Der S&P 500 verlor letzte Woche 3.35 %. Die europäischen Aktien stiegen dagegen 2.08 %, während der Swiss Performance Index mit einem Plus von 0.18 % vergleichsweise stabil war.

Im Fokus:
Der Franken ist und bleibt eine starke Währung

Der Franken hat seit Ende September handelsgewichtet 4 % an Wert verloren. Der Euro ist von 96 Rappen auf 99 Rappen gestiegen. Der US-Dollar kostete wieder mehr als einen Franken. Die SNB hat einen Verlust von 142 Mrd. Franken für die ersten neun Monate dieses Jahres bekanntgegeben und damit die Diskussion um ihr tiefes Eigenkapital lanciert. Das genügt, um die fast schon legendäre Stärke des Frankens in Frage zu stellen. Teilweise wird gar darüber spekuliert, ob die grossen Hedge Funds jetzt gegen den Franken wetten. Die Abschiedsreden für einen starken Franken sind jedoch verfrüht.

Zuerst muss man die «Schwäche» des Frankens relativieren. Im Vergleich zum Jahresanfang ist der Franken handelsgewichtet immer noch 5 % teurer. Zudem lag der Wert des Frankens vor einem Monat auf einem Allzeithöchst. Für einen Euro musste vor einem Jahr noch 1.10 Franken bezahlt werden. Der US-Dollar profitiert davon, dass die Fed in einem halben Jahr die USZinsen um satte 3 % angehoben hat und das Ende weiterer Zinserhöhungen noch nicht absehbar ist. Fast alle anderen Währungen wie das Britische Pfund, der Australische Dollar oder die Norwegische Krone haben in den letzten Monaten gegenüber dem Franken deutlich an Wert eingebüsst. Dass der Franken vorübergehend billiger wird, kommt ausserdem immer wieder vor.

Mittel- und langfristig wird das Pendel weiterhin in Richtung eines starken Frankens ausschlagen. Dafür gibt es etliche Gründe. Einer der wichtigsten Faktoren ist dabei die gute alte Kaufkraftparität. Diese besagt, dass die tiefere Inflation in der Schweiz gegenüber dem Ausland über einen teureren Franken ausgeglichen wird. Mit dieser Theorie ist es nicht möglich, den Wechselkurs des Frankens zum Euro oder zum US-Dollar in der nächsten Woche oder in drei Monaten zu prognostizieren. Dazu dominieren zu viele kurzfristige Einflussfaktoren die Preisbildung am Devisenmarkt. Über die lange Frist funktioniert der Kaufkraftausgleich aber gut. So ist der Franken langfristig um rund 2 % pro Jahr teurer geworden, was in etwa der durchschnittlichen Inflationsdifferenz zwischen der Schweiz und der Eurozone oder den USA entspricht. Es spricht vieles dafür, dass die Inflation in der Schweiz auch in Zukunft tiefer sein wird als in den meisten anderen Ländern.

In den aktuell schwierigen Zeiten zeigt sich einmal mehr, dass die Schweiz wirtschaftlich und politisch überdurchschnittlich stabil ist. Die Inflationsrate ist vergleichsweise tief, die Wirtschaft ist anpassungsfähig und ein neu zusammengesetzter Bundesrat wird die Politik nur in Nuancen verändern. Dadurch wird der Franken als Hort der Sicherheit auch in Zukunft weit oben auf der Liste der sicheren Häfen stehen.

Nicht zuletzt sitzt die SNB auf einem 800 Mrd. Franken hohen Berg an Devisenreserven und hat ein Interesse daran, diesen abzubauen. Dazu muss sie im Markt Franken zurückkaufen. Inwieweit die SNB aktiv ihre Währungsreserven abbauen wird, ist offen. Falls sie diesen Weg geht, wird sie darauf bedacht sein, den Kurs des Frankens nicht zu stark zu beeinflussen. Aber schon das Wissen, dass mit der SNB ein potenzieller sehr grosser Käufer von Franken im Raum steht, macht es sehr gefährlich, auf eine Schwäche des Frankens zu spekulieren.

Schweizer Anlegerinnen und Anleger haben in der Vergangenheit mit Fremdwährungen regelmässig Geld verloren. An diesem schon fast natürlichen Gesetz wird sich nicht viel ändern. Deshalb lohnt es sich, in seinem Portfolio einen hohen Anteil an Franken zu halten. 

Aktienmärkte

US-Aktienmärkte
Dow Jones: +1.26 %, S&P500: +1.36 %,
Nasdaq: +1.28 %

Europäische Aktienmärkte
EuroStoxx50: +2.65 %, DAX: +2.51 %,
SMI: +0.72 %

Asiatische Märkte
Nikkei 225: +1.27 %, HangSeng: +3.35 %,
S&P/ASX 200: +0.60 %

Die Aktienmärkte sind nach wie vor auf der Suche nach Orientierung. Tägliche Kursschwankungen von 2 % oder wie in China gar deutlich mehr sind fast schon die Regel. Der S&P 500 verlor letzte Woche 3.35 %. Die europäischen Aktien stiegen dagegen 2.08 %, während der Swiss Performance Index mit einem Plus von 0.18 % vergleichsweise stabil war.

Die Unsicherheit an den Aktienmärkten ist nach wie vor gross und die Liste der potenziellen Risiken lang. Neben der restriktiveren Geldpolitik spielen Konjunktursorgen eine grössere Rolle. Die Inflation ist hoch und bahnt sich ihren Weg durch den Wirtschaftsprozess. Das Risiko weiter steigender Zinsen ist nach wie vor gegeben. Hinzu kommen geopolitische Risiken, welche die Stimmung an den Märkten belasten. Der Krieg in der Ukraine ist für die Wirtschaft Europas, aber auch für das politische Europa, ein grosses Risiko. Über eine potenzielle Energiemangellage hat er einen direkten Einfluss auf die Wirtschaft. Gleichzeitig nimmt auch der Konflikt zwischen China und den USA, der sich vor allem im Technologiebereich offenbart, konkretere Formen an. So haben die USA Exporte von Mikro-Chips nach China beschränkt. Neben all diesen negativen Faktoren gibt es auch Lichtblicke. Einer ist die Bewertung der Aktien. Inzwischen ist diese gesunken und einige Märkte und Titel erscheinen wieder attraktiver. Sobald sich die Gewinnerwartungen der Unternehmen, die Zinsentwicklung und die Konjunkturaussichten stabilisiert haben, ist dies für einen Wiedereinstieg ein positives Signal. Die Unternehmen gehen von einer schwächeren Konjunkturentwicklung aus, während die aktuelle Lage noch positiv eingeschätzt wird. Sobald sich hier eine Trendwende zeigt und die zukünftige Entwicklung besser eingeschätzt wird, bietet dies ebenfalls Potenzial für eine positive Gegenbewegung bei den Aktienkursen. Zu guter Letzt braucht es eine spürbare Abschwächung des Inflationsdrucks und die Aussicht auf sinkende Zinsen. Dies wird zwar zuletzt als positiver Treiber hinzukommen, ist aber für eine positive Aktienmarktentwicklung essenziell. Der Aktienmarkt ist für eine nachhaltige Trendwende noch nicht bereit. 

Kapitalmärkte

Renditen 10 J: USA: 4.154 %; DE: 2.295 %; CH: 1.201 %

Nach der Zinserhöhung ist vor der Zinserhöhung. Der Zinsschritt der Fed von letzter Woche wird nicht ihr letzter sein. Bereits am 14. Dezember wird der nächste kommen. Auch wenn die Fed dann das Tempo der Zinserhöhungen reduzieren wird und die Zinsen nur noch um 0.50% anhebt, ist das Ende noch nicht in Sicht. 

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.9951
Euro in US-Dollar: 0.9948
Euro in Franken: 0.9899

Reisen ist momentan einfach, zumindest was das Umrechnen der Preise im Euroraum oder in den USA in Franken betrifft. Daran wird sich auch bei einem allfälligen Christmas Shopping nicht viel ändern. Einzig bei einer Shopping Tour in London muss man etwas mehr rechnen. 

Rohstoffmärkte

Ölpreis WTI: USD 91.70 pro Fass
Goldpreis: USD 1'673.87 pro Unze

Der Ölpreis ist in den letzten Tagen deutlich gestiegen. Dies ist für die Demokraten und Joe Biden so kurz vor den MidtermWahlen eine schlechte Meldung. Mit den US-Wahlen hat der Preissprung aber nur wenig zu tun. Vielmehr ist es die Reaktion auf Gerüchte, dass China seine Zero-Covid-Politik lockern könnte. 

Wirtschaft

USA: Nonfarm Payrolls (Oktober)
letzte: 315’000; erwartet: 193’000; aktuell: 261’000

USA: Arbeitslosenrate (Oktober)
letzte: 3.5 %; erwartet: 3.6 %; aktuell: 3.7 %

Der US-Arbeitsmarktbericht für den Oktober sendet unterschiedliche Signale aus. Die Zahl der neuen Stellen lag deutlich über den Erwartungen und über dem Wert, den der Arbeitsmarkt absorbieren kann. Die von den Non Farm Payrolls unabhängige Erhebung für die Arbeitslosenrate malt dagegen ein anderes Bild. Die Beschäftigung hat um 328'000 Personen abgenommen und die Arbeitslosenrate ist um 0.2% gestiegen. Der Arbeitsmarkt ist immer noch in einer guten Verfassung, aber die Risse nehmen zu.

Thomas Stucki

Leiter Investment Center
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich
Disclaimer

Die Angaben auf diesen Publikationen und insbesondere die Beschreibung zu einzelnen Wertpapieren stellen weder eine Offerte zum Kauf der Produkte noch eine Aufforderung zu einer andern Transaktion dar. Sämtliche auf dieser Empfehlungsliste enthaltenen Informationen sind sorgfältig ausgewählt und stammen aus Quellen, die vom Investment Center der St.Galler Kantonalbank grundsätzlich als verlässlich betrachtet werden. Meinungsäusserungen oder andere Darstellungen in dieser Empfehlungsliste können jederzeit und ohne vorherige Ankündigung geändert werden. Es wird keine Garantie oder Verantwortung bezüglich der Genauigkeit und Vollständigkeit der Informationen übernommen. Die St.Galler Kantonalbank AG ist von der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht FINMA (Laupenstrasse 27, 3003 Bern, Schweiz, www.finma.ch) reguliert und beaufsichtigt.

Ihr nächster Schritt

Möchten Sie unsere Research-Berichte als Newsletter erhalten? Oder mit unseren Audio- und Videopodcasts auf dem Laufenden gehalten werden? Abonnieren Sie die entsprechenden Newsletter.

Twitter

Trends und tagesaktuelle Entwicklungen aus unserem Investment Center auf Twitter.

Folgen Sie uns jetzt auf Twitter
Der Twitter-Kanal der St.Galler Kantonalbank auf einem Smartphone

Diese Informationen dienen Werbezwecken.