Geldpolitik treibt Devisenmärkte vor sich her

Der Schweizer Franken wertete seit Jahresbeginn zu fast allen G10-Währungen auf. Lediglich der US-Dollar kann zum Franken eine positive Jahresbilanz vorweisen. Die restlichen G10-Währungen haben 4% und mehr eingebüsst. Zum Jahresschluss sind die Beschlüsse der Notenbanken die entscheidenden Taktgeber am Devisenmarkt.

Die Geldpolitik prägte das Finanzmarktjahr 2022. Der US-Dollar erhielt im Jahresverlauf durch die starken Leitzinserhöhungen Aufwind. Die Devisenmärkte reagierten zuletzt aber auch aussergewöhnlich stark auf die Daten zur Preisentwicklung in den USA. Aufgrund der rückläufigen Inflationsrate sahen die Marktteilnehmer ein Ende des US-Zinserhöhungszyklus näher rücken. Die tiefer als erwartet ausgefallene US-Inflationsrate für den Oktober und eine schlechtere Konsumentenstimmung lösten einen Sturz des US-Dollars aus, der an den Devisenmärkten in seinem Tempo und in seinem Ausmass ein seltenes Ereignis ist. Gegenüber dem Franken hat er innert Kürze sieben Rappen verloren. Anfang November ist der Dollar zum Franken von 1.01 auf 0.94 Rappen gefallen. Ein Minus von 5% für den November entspricht dem grössten Monatsverlust des Dollars seit sieben Jahren. Während sich die Bewegung im USD/CHF-Kurs noch mit einem kleinen Marktvolumen begründen lässt, gilt das für das meistgehandelte Währungspaar EUR/USD nicht. Gegenüber dem Euro hat der US-Dollar in der gleichen Zeit ebenfalls 6 Cent verloren.

Euro bleibt ein Sorgenkind

Die Stimmung gegenüber dem Euro und anderen prozyklischen Währungen hat sich in den letzten Wochen verbessert. Dies zeigt sich vor allem anhand der Positionierung der kurzfristig orientierten Anleger. Der Grund dürften auch hier die veränderten Erwartungen an die US-Geldpolitik sein. Die Investoren nehmen für die USA ihre Zinserwartungen zurück, für die Eurozone aber bleiben diese unverändert. Wir befürchten jedoch, dass sich die Investoren hier täuschen könnten. Die Europäische Zentralbank steht weiterhin vor dem Dilemma, die hohe Inflation bei einem gleichzeitig niedrigen Wirtschaftswachstum bekämpfen zu müssen.

Devisenmärkte warten auf neue Impulse

Nach den starken Bewegungen Anfang November blieben die Währungspaare zuletzt richtungslos. Es scheint, als ob die Akteure auf neue Impulse warten. Diese dürften erst Mitte Dezember kommen, wenn die Fed, die EZB und die SNB innert zwei Tagen ihre Geldpolitik neu justieren. Mit Blick auf das kommende Jahr erwarten wir einen zum US-Dollar und zum Euro stärkeren Franken. Die Inflationsrate in der Eurozone wird hartnäckig auf einem hohen Niveau verharren und das Vertrauen in den Euro schmälern. Beim US-Dollar werden die Fed-Zinserhöhungen im nächsten Sommer kein positiv treibender Faktor mehr sein.

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich
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