12. Januar 2024, Tägliche Marktsicht

US-Inflationszahlen belasten Aktienmärkte

Der SMI verlor gestern Nachmittag nach Bekanntgabe der US-Inflationszahlen an Boden. Gestern Abend präsentierte der Private Equity Spezialist Partners Group Vorabzahlen.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.90%, SPI: -0.80%, SMIM: -0.20%

Der Schweizer Aktienmarkt startete gestern mit leichten Kursgewinnen in den Handel. Allerdings verlor der SMI im Laufe des Tages immer mehr an Terrain. Die höher als erwartet ausgefallene US-Teuerung beschleunigte den Rückgang und der SMI schloss letztlich mit einem Minus von -0.9%. Die Inflationsrate in den USA für den Monat Dezember betrug 3.4%, nachdem diese im November noch bei 3.1% lag, was den Hoffnungen auf rasche Zinssenkungen einen Dämpfer versetzte. Vier Gewinner standen im SMI sechzehn Verlierern gegenüber. Tagesgewinner waren Lonza (+1.4%), Kühne + Nagel (+1.3%) und Sonova (+0.7%). Zu den Tagesverlierern gehörten UBS (-1.7%), Richemont (-1.7%) und Nestlé (-1.6%). Nachdem Alcon (-1.1%) am Vortag noch deutliche Kursanstiege aufgrund von positiven Studienresultaten verzeichnen konnte, wurden gestern Gewinne mitgenommen. Auf dem breiten Markt avancierte der Warenprüfkonzern SGS um 2.3%. Eine Ratingerhöhung und ein positiver Analystenkommentar sorgten für Unterstützung. Bei Barry Callebaut (-3.3%) belastete eine Ratingreduktion den Aktienkurs. Die Aktien vom Vakuumventilhersteller VAT zogen nach der gestrigen Veröffentlichung der Vorabinformationen zum Geschäftsjahr 2023 zunächst deutlich an, büssten im Verlauf des Tages die Gewinne aber wieder ein und notierten zu Börsenschluss letztlich 0.2% tiefer. Die Aktien von Komax litten stark unter der publizierten Gewinnwarnung. Der Kabelmaschinenhersteller musste in einer Mitteilung vorwegnehmen, dass die erwartete Prognose für das Jahr 2023 nicht erreicht werden kann. Die Aktie verlor -11.0%. Die Valoren von Swatch beendeten den Börsentag mit -0.6%. Die Aktie wurde von zwei Ratingrückstufungen belastet.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.60%, DAX: -0.86%

Die europäischen Aktienmärkte starteten zwar positiv in den Handelstag. Höher als erwartet ausgefallene US-Inflationsdaten drückten die Aktienmärkte am Nachmittag ins Minus. Am stärksten gab der britische FTSE 100 nach, der 1.0% verlor. Dahinter folgte der zyklische deutsche DAX (-0.9%) und der italienische FTSE MIB (-0.7%). Auf Sektorenebene notierten alle Bereiche im negativen. Die stärksten Abgaben verzeichneten die zinssensitiven Sektoren Finanzen, Versorger und Immobilien.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.04%, S&P500: -0.07%, Nasdaq: +0.00%

Die amerikanischen Aktienmärkte traten nach der gestrigen Publikation der US-Inflationszahlen auf der Stelle. Die US-Teuerungsrate fiel im Dezember höher als erwartet aus, was den Hoffnungen auf rasche Zinssenkungen einen Dämpfer verlieh. Der US-Leitindex Dow Jones und der technologielastige Nasdaq gingen unverändert aus dem Handel, während der marktbreite S&P500 0.1% verlor. Auf Sektorenebene schwangen die Bereiche Technologie und Energie obenauf. Unterdurchschnittlich entwickelten sich die zinssensitiven Sektoren Versorger, Immobilien und Finanzen. Der Flugzeughersteller Boeing (-2.3%) stand gestern weiter im Gegenwind. Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat Ermittlungen gegen den Konzern eingeleitet, nachdem ein Teil einer Kabinenwand während eines Flugs abgefallen war.

Unternehmensberichte

Der Private Equity Spezialist Partners Group konnte 2023 die verwalteten Vermögen um 8% auf USD 146.9 Mrd. steigern. Die Kapitalzusagen von Kunden beliefen sich im letzten Jahr auf insgesamt USD 18 Mrd., was im unteren Bereich der Zielbandbreite von Partners Group von USD 17 Mrd. bis 22 Mrd. lag. Für dieses Jahr stellt der Konzern Kapitalzusagen in Höhe von USD 20 bis 25 Mrd. in Aussicht, was eine Normalisierung des Marktumfelds im 2. Halbjahr 2024 berücksichtigt. Die vorgelegten Zahlen liegen unter den Analystenschätzungen. Das gesamte Zahlenset zum Geschäftsjahr 2023 wird Partners Group am 19. März 2024 präsentieren.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.979%; DE: 2.232%; CH: 0.806%

An den Kapitalmärkten haben die jüngsten Inflationsdaten aus den USA keine nennenswerten Bewegungen ausgelöst. Viel mehr dürfte der Risk-off-Modus aufgrund der Situation in Nahost einige Investoren zum Kauf von US-Treasuries bewogen haben. 

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8520
Euro in US-Dollar: 1.0976
Euro in Franken: 0.9351

Der Euro hat nach seiner kurzen Aufholjagd eine Pause eingelegt und notiert wieder etwas tiefer. Auch der US-Dollar hat nach den robusten Inflationsdaten wieder etwas an Wert gewonnen. Zwar wird nach wie vor keine weitere Zinserhöhung in den USA erwartet. Die weiterhin hohe Kerninflation lassen der US-Notenbank aber vorerst noch wenig Spielraum, die Leitzinsen zu senken.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 73.74 pro Fass
Goldpreis: USD 2'035.35 pro Unze

Der Ölpreis hat auf die sich zuspitzenden Ereignisse im Nahen Osten reagiert und rund 2.5% zugelegt. Der regelmässigen Angriffe der Huthi-Rebellen auf Frachtschiffe im roten Meer nahmen jüngst in der Kadenz zu. Dies zwingt viele Reedereien, ihre Schiffe auf teure Alternativrouten zu schicken. Die USA und Grossbritannien haben nun begonnen, Luftschläge gegen Huthi-Stellungen im Jemen zu tätigen.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Inflationszahlen, YoY (Dezember)
letzter: 3.1%; erwartet: 3.2%; aktuell: 3.4%

Die Inflation ist in den USA im Dezember über erwarten stark angestiegen. Dies ist in erster Linie auf den wegfallenden Basiseffekt der Energiepreise zurückzuführen, welcher in den letzten Monaten einen deutlich negativen Beitrag geleistet haben. Insgesamt zeigt sich aber auch die Kernrate, d.h. ohne Energie und Nahrungsmittel, vergleichsweise «sticky» und ist im Jahresvergleich nur leicht von 4.0% auf 3.9% gesunken.

Angela Truniger

Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
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Beat Schiffhauer

Senior Strategieanalyst
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Florian Hiltpold

Finanzanalyst
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