14. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

Richtungswechsel der US-Notenbank

Die US-Währungshüter ändern ihren Fokus auf mögliche Zinssenkungen im nächsten Jahr und treiben die Aktienmärkte in den USA an. Alle Augen sind heute auf die SNB und die EZB gerichtet.

 Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.34%, SPI: +0.27%, SMIM: +0.34%

Der Schweizer Aktienmarkt startete gestern verhalten in den Tag, baute aber die Gewinne aus und schloss fester. Nach wie vor agierten die Marktteilnehmer vor den anstehenden Zinsentscheiden in den USA, der Eurozone sowie der Schweiz vorsichtig. Der Leitindex SMI verlor kurz vor Handelsende etwas an Schwung und notierte schlussendlich 0.3% höher. Von den 20 SMI-Werten schlossen 16 mit einem positiven Vorzeichen. An der Tabellenspitze standen mit Sonova (+2.3%) sowie Alcon (+1.9%) zwei Titel aus dem Medizinaltechnik-Bereich, gefolgt von Sika (+1.6%), Richemont (+1.4%) und Partners Group (+1.0%). Von den drei Index-Schwergewichten setzte sich einzig Novartis mit einem Gewinn von 0.9% positiv in Szene. Nestlé (-0.5%) bildete das Schlusslicht im SMI, knapp hinter Roche (-0.4%). Ebenfalls unter Abgaben litten Lonza (-0.4%) und Swisscom (-0.2%). Am breiten Markt fielen die Aktien von ams-OSRAM mit einem Kursrückgang von 3.3% auf. Der Sensorenhersteller hat seinen Finanzierungsplan abgeschlossen und insgesamt rund EUR 2.25 Mrd. Kapital erhalten. Eine Kurszielreduktion eines Brokers belastete den Titel. Der Luxusgüterhersteller Lalique (+13.3%) reagierte deutlich positiv auf den Ausbau der Beteiligung eines Grossaktionärs. An der Schweizer Börse wurden gestern die Aktien der R&S Gruppe das erste Mal gehandelt. Die Herstellerin von Strom- und Verteilertransformatoren mit Hauptsitz in Sissach ist damit das erste Unternehmen in der Schweiz, das aus einer Spac-Gesellschaft (VT5) – das sind kotierte Mantelfirmen, die zum Erwerb von nicht kotierten Unternehmen gegründet werden – hervorgegangen ist. Der Börsenstart ist geglückt. Der erste Handelskurs war CHF 10.30 und bei Börsenschluss notierte die Aktie bei CHF 11.50, was einem Anstieg von 12.9% entspricht.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.14%, DAX: -0.15%

Auch an den europäischen Aktienmärkten liessen sich die Anleger vor den Zentralbankentscheiden nicht aus der Reserve locken. Der italienische FTSE MIB, der französische CAC40, der deutsche DAX wie auch der länderübergreifende EuroStoxx50 verloren zwischen 0.1% und 0.2% an Wert. Entgegen dem allgemeinen Trend verzeichnete der britische FTSE100 (+0.1%) einen positiven Börsentag. Auf Sektorenebene zeigten sich die Kommunikationsdienste mit dem deutlichsten Verlust, gefolgt von Basiskonsum und Zyklischer Konsum. Überdurchschnittlich zeigten sich die Sektoren Gesundheit, Immobilien und Versorger. Auf Einzeltitelebene fielen die Aktien von BASF (+4.5%) positiv auf. Der Chemiekonzern profitierte von einer Kaufempfehlung eines Brokers.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +1.40%, S&P500: +1.37%, Nasdaq: +1.38%

Bei Handelsstart zeigten sich die amerikanischen Aktienmärkte noch von der zurückhaltenden Seite. Während des Tages teilte die US-Notenbank Fed mit, den Leitzins unverändert in einer Spanne von 5.25% bis 5.5% zu belassen. Dies wurde vom Markt so erwartet. Jedoch rechnen die Währungshüter im kommenden Jahr mit mehr und auch deutlicheren Zinssenkungen als bisher. Dies liess die Aktienkurse deutlich ansteigen und der Leitindex Dow Jones erreichte mit einem Plus von 1.4% ein neues Rekordhoch. Ebenfalls um 1.4% ansteigen konnten der marktbreite S&P500 sowie der technologielastige Nasdaq. Auf Sektorenebene konnten alle Branchen zulegen. Angeführt wurde die Liste von den Versorgern, gefolgt von Immobilien, Gesundheit und den Basiskonsumgütern. Bei den Einzelwerten fiel Pfizer auf. Die vom Pharmakonzern veröffentlichten Umsatz- und Gewinnziele für das Jahr 2024 blieben hinter den Erwartungen zurück und die Aktie gab 6.7% ab. Der Industriegashersteller Linde (-4.2%) litt unter Gewinnmitnahmen, nachdem am Dienstag ein neues Rekordhoch erzielt wurde.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.962%; DE: 2.169%; CH: 0.621%

Im Nachgang an den Zinsentscheid der US-Notenbank sind die Kapitalmarktzinsen deutlich zurückgeglitten. Der 10-jährige US-Treasury notiert unterdessen erstmals seit letztem Juli wieder unter 4%. Am kürzeren Ende sind die Renditen sogar noch drastischer zurückgeglitten. Der 2-jährige US-Treasury notiert rund 40 Basispunkte tiefer als noch vor zwei Tagen. Hauptgrund für den Rückgang dürften die Aussichten auf baldige Zinssenkungen der US-Notenbank sein, welche sie am gestrigen Treffen etwas deutlicher zum Ausdruck gebracht hat als zuvor.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8683
Euro in US-Dollar: 1.0901
Euro in Franken: 0.9466

Im Zuge der von der US-Notenbank wahrscheinlich gewordenen Zinssenkungen hat der US-Dollar gegenüber dem Schweizer Franken an Boden verloren und notiert rund 1% tiefer. Der Euro hat sich gegenüber dem Schweizer Franken etwas stabilisiert, notiert aber weiterhin unter der Marke von 0.95.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 69.72 pro Fass
Goldpreis: USD 2'037.20 pro Unze

Der Ölpreis notiert weiterhin unter der Marke von 70 US-Dollar das Fass, hat aber im Zuge fallender Lagerbestände in den USA wieder etwas Boden gefunden. Seit Ende September hat der Ölpreis rund 25% an Wert eingebüsst. Hauptgrund dürfte die schwache konjunkturelle Entwicklung sein, insbesondere in China.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Leitzinsentscheid – US-Notenbank (13. Dezember)
letzte: 5.25 – 5.5%; erwartet: 5.25 – 5.5%; aktuell: 5.25 -5.5%

Die US-Notenbank hat die Leitzinsen zum dritten Mal in Serie auf dem aktuellen Niveau belassen. Zudem hat sie erste Zinssenkungen für das nächste Jahr in Aussicht gestellt. Zwar hat Fed-Präsident erneut darauf hingewiesen, dass die US-Notenbank auch weitere Zinserhöhungen nicht ausschliessen kann. Er hat aber auch klar gemacht, dass der Fokus des Ausschusses unterdessen mehr auf erste Zinssenkungen gewechselt hat. Die aktuellen Prognosen der Fed-Mitglieder, im sogenannten Dot-Plot, signalisieren aktuell drei Zinssenkungen für das nächste Jahr. Die US-Notenbank hat zudem ihre Prognosen für die Inflation sowohl für dieses Jahr wie auf für das nächste Jahr gesenkt. Gleichzeitig hat sie die Wachstumsprognosen für das nächste Jahr etwas zurückgenommen.

Anja Felder

Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Beat Schiffhauer

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
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