Abbildung mehrerer Performancekurven der Aktienmärkte

29. November 2023, Tägliche Marktsicht

Renditen sinken weiter

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert erstmals seit zwei Monaten wieder unter 4.30%.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.56%, SPI: -0.60%, SMIM: -0.87%

Der Schweizer Aktienmarkt setzte gestern den negativen Wochentrend fort. Der Leitindex SMI schloss 0.6% tiefer. Bei den 20 grosskapitalisierten SMI-Werten standen sich 5 Kursgewinner und 15 Kursverlierer gegenüber. Angeführt wurde der Leitindex von UBS (+0.8%) und Holcim (+0.5%). Tagesverlierer waren die Aktien von Sonova (-2.9%), Richemont (-2.9%) und Lonza (-1.7%). Neben Richemont tendierten auch der Branchennachbar Swatch (-1.6%) und zahlreiche europäische Luxusgüterkonzerne aufgrund kritischer Analystenkommentaren schwächer. Der Hörgerätehersteller Sonova litt dabei unter Gewinnmitnahmen, nachdem sich die Aktie seit Ende Oktober, und dann im November beschleunigt durch die Halbjahreszahlen, um 20% aufgewertet hatte. Ebenfalls leicht schwächer schloss das Index-Schwergewicht Novartis (-0.8%). Dies trotz der Anhebung des mittelfristigen Wachstumsziels von jährlich 4% auf 5% am gestrigen Investorentag. Am breiten Markt stand erneut Julius Bär (-4.7%) unter Druck. Die vergebenen Kredite an den österreichischen Immobilienunternehmer René Benko im Umfang von CHF 606 Mio. haben zu einem erheblichen Reputationsschaden und zahlreichen Analystenrückstufungen geführt. Seit dem 10-Monats-Update und bekanntwerden der ersten Kreditrückstellungen beläuft sich das Minus in der Aktie nun auf 20% und somit die verlorene Marktkapitalisierung auf ein zigfaches der ausstehenden Kredite gegenüber der Signa-Gruppe. Nach oben ging es hingegen für Metall Zug (+1.8%) und V-Zug (+5.1%). Metall Zug will die Sparte Belimed in ein Joint-Venture mit Miele einbringen und eine Minderheitsbeteiligung am neuen Unternehmen halten.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.15%, DAX: +0.16%

Die europäischen Aktienmärkte entwickelten sich gestern uneinheitlich. Während der länderübergreifende EuroStoxx50 0.2% nachgab, legte der zyklischere deutsche DAX um 0.2% und der italienische FTSE MIB um 0.1% zu. Aus Sektorensicht konnten die Branchen Versorger, Energie, Industrie und Finanzen an Wert zulegen. Die Verliererliste wurde hingegen von den Sektoren Gesundheit, zyklischer Konsum sowie Immobilien angeführt.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.24%, S&P500: +0.10%, Nasdaq: +0.29%

Die amerikanischen Aktienmärkte entwickelten sich moderat positiv. Der Leitindex Dow Jones legte um 0.2% zu und der der marktbreite S&P500 gewann 0.1% hinzu. Der technologielastige Nasdaq zeigte mit einem Plus von 0.3% die beste Entwicklung. Bei den Einzelwerten stand Micron (-2.2%) im Fokus. Der Memory-Chip-Hersteller litt unter Gewinnmitnahmen, nachdem der Ausblick zwar auf Umsatzstufe leicht erhöht aber die erwarteten operativen Kosten ebenfalls nach oben angepasst wurden. Auf Sektorenebene legten die Bereiche zyklischer Konsum, Immobilien, nichtzyklischer Konsum und Kommunikationsdienste zu. Unterdurchschnittlich zeigten sich hingegen die Sektoren Gesundheit, Industrie und Finanzen.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.286%; DE: 2.493%; CH: 0.835%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert erstmals seit zwei Monaten wieder unter 4.30%. Im Oktober erreichte der Treasury mit 5% noch ein Mehrjahreshoch. Christopher Waller, der dem Direktorium der US-Notenbank Federal Reserve (Fed) angehört, zeigte sich mit der aktuellen Ausrichtung der Geldpolitik zufrieden. Dies wurde an den Märkten als Hinweis auf stabile Leitzinsen in den USA gedeutet. Der Notenbanker sagte jedoch auch, er könne nicht mit Sicherheit sagen, ob die Fed schon genug zur Inflationsbekämpfung getan habe. Heute auf der Agenda stehen die neusten Inflationsdaten aus der Eurozone sowie am Donnerstag den von der Fed besonders beachteten Preisindex PCE.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8768
Euro in US-Dollar: 1.0999
Euro in Franken: 0.9644

Die Spekulation um den geldpolitischen Pfad in den USA sorgte gestern dafür, dass der Euro zum US-Dollar den höchsten Stand seit August erreichte. Der Neuseeland-Dollar legt heute Morgen zu allen anderen G10-Währungen zu. Die neuseeländische Zentralbank lässt den Leitzins zum vierten Mal in Folge unverändert bei 5.50%, signalisierte aber, dass die Option einer weiteren Zinserhöhung im nächsten Jahr steigt.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 76.54 pro Fass
Goldpreis: USD 2'045.59 pro Unze

Im Vorfeld des morgigen Treffens der OPEC+ legte der Ölpreis zu, liegt aber rund 18% unter dem Jahreshöchst vom September. Das Treffen der rund zwanzig Staaten war ursprünglich für letztes Wochenende geplant, wurde aber wegen Unstimmigkeiten zu den Förderquoten verschoben. Der Goldpreis nähert sich hingegen dem Jahreshöchst vom letzten Mai bei rund 2'050 US-Dollar je Unze. Das zinslose Edelmetall erhält Rückenwind durch die tieferen US-Zinsen sowie vom schwächeren US-Dollar.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Konsumentenvertrauen (November)
letzter: 99.1; erwartet: 101.0; aktuell: 102.0

Der vom Marktforschungsinstitut Conference Board erhobene Index für das Konsumentenvertrauen ist zum ersten Mal in vier Monaten gestiegen. Der Wert vom Oktober wurde zudem nachträglich deutlich nach unten korrigiert. Für eine Stimmungsverbesserung sorgt die stetige Verlangsamung der Inflation. In Verbindung mit einem nach wie vor robusten Arbeitsmarkt führt dies dazu, dass die Reallöhne wieder zu steigen beginnen, was den US-Haushalten mehr verfügbares Einkommen beschert.

Daniel Wachter

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Tobias Kistler

Senior Finanzanalyst
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