Ein Kursverlauf in Form eines Candlestick Charts

30. November 2023, Tägliche Marktsicht

Klein- und mittelkapitalisierte Aktien im Vorteil

Der Schweizer Aktienmarkt erhielt nach dem zurückhaltenden Wochenauftakt gestern wieder Rückenwind und schloss höher. Am stärksten fielen die Kursavancen bei den klein- und mittelkapitalisierten Aktien aus.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: +0.39%, SPI: +0.42%, SMIM: +1.02%

Nach dem schwachen Wochenstart schwenkte der Schweizer Aktienmarkt gestern wieder auf den Gewinnkurs ein. Verantwortlich für die gute Stimmung an den Börsen waren unter anderem tiefer als erwartete Inflationszahlen in Deutschland, welche den Hoffnungen auf sinkende Zinsen im nächsten Jahr neuen Auftrieb verschafften. Allerdings wurde der SMI von schwachen Schwergewichten gebremst, wodurch das Tagesplus von 0.4% relativ bescheiden ausfiel. Deutlich stärker fielen die Kursgewinne beim auf mittelkapitalisierte Werte ausgerichteten SMIM aus, der 1.0% anzog. Im Leitindex schlossen 16 von 20 Titel mit Kursavancen. Bremsend wirkte sich vor allem das schwache Abschneiden von Nestlé (-0.3%) und Novartis (-0.5%) aus. Bei Novartis blieben die Anschlusskäufe einen Tag nach dem positiv aufgenommenen Investorentag gestern aus. Auf den vorderen Plätzen befanden sich mit UBS (+3.0%), Geberit (+1.7%), Partners Group (+1.3%), Holcim (+1.1%), Kühne + Nagel (+1.1%) und Alcon (+1.0%) sowohl zyklische als auch defensive Vertreter. Sonova setzte den seit Ende Oktober anhaltenden Aufwärtstrend mit einem Kursplus von 2.3% fort. Im breiten Markt gehörten die Halbleiterzulieferer Comet (+4.3%), VAT (+4.4%) und Inficon (+5.9%) zu den Tagesgewinnern. Ebenfalls gefragt waren Aktien aus dem Medizintechniksektor wie z.B. Straumann (+1.8%) und Tecan (+3.3%). Die Baloise-Aktie kam zunächst nicht vom Fleck, drehte dann aber am späteren Nachmittag in die Pluszone und schloss 0.7% höher. Grund dafür waren Gerüchte, wonach der Finanzinvestor Cevian an einem Investment im Versicherungskonzern interessiert sei.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: +0.52%, DAX: +1.09%

Auf den meisten europäischen Aktienmärkte dominierte gestern die Farbe Grün die Kurstabellen. Der EuroStoxx50 gewann 0.5% dazu, während der zyklischere DAX um 1.1% anzog. Kursverluste standen einzig beim britischen FTSE100 zu Buche, der gebremst von schwachen Rohstoffwerte um 0.4% zurückfiel. Aus Branchensicht gehörten unter anderem Aktien aus den konjunktursensitiven Sektoren Industrie, zyklischer Konsum und IT zu den Gewinnern. Ebenfalls gesucht waren Titel aus dem Immobiliensektor, die Rückenwind von fallenden Kapitalmarktzinsen erhielten. Auf der Gegenseite verloren vor allem Aktien aus den Sektoren Basiskonsum und Energie gestern an Terrain.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.04%, S&P500: -0.09%, Nasdaq: -0.16%

Die amerikanischen Aktienmärkte eröffneten gestern mit moderaten Kursgewinnen, konnten diese allerdings nicht bis zum Handelsschluss halten und schlossen wenig verändert. Der DowJones gewann 0.04% dazu. Der S&P500 gab 0.1% nach, während der Nasdaq um 0.2% zurückfiel. Auf Einzeltitelebene standen unter anderem die Aktien von General Motors im Fokus. Der Autohersteller kündigte eine Dividendenerhöhung sowie ein Aktienrückkaufprogramm über USD 10 Mrd. an. Auf Basis des Schlusskurses vom Dienstag entspricht dies rund einem Viertel des Börsenwerts von GM. Die Aktie sprang um 9.4% nach oben.

Unternehmensberichte

ABB kündigte in Rahmen des heute stattfindenden Kapitalmarkttages neue Mittelfristziele an. Sowohl bei der Umsatzentwicklung als auch beim Margenziel werden die Ambitionen nach oben geschraubt. So rechnet der Konzern beim Umsatz mit einem jährlichen Wachstum zwischen 5% bis 7%. Bisher hatte sich ABB ein Wachstum von 3% bis 5% pro Jahr zum Ziel gesetzt. Wie schon bei der früheren Zielsetzung sollen kleinere Zukäufe zusätzlich zwischen 1% bis 2% zum Wachstum beitragen. Bei der operativen Gewinnmarge auf Stufe EBITA rechnet ABB zukünftig mit einem Wert zwischen 16% und 19%. Bis zum Jahr 2023 hatte sich der Konzern noch eine Marge von mindestens 15% zum Ziel gesetzt. Dieses Ziel hat ABB aber in den letzten Quartalen übertroffen. Die Zielsetzung für die Kapitalrendite (ROCE) wird von 15% bis 20% auf mindestens 18% angepasst. Zudem strebt ABB ein nachhaltiges Wachstum der Dividende an.

VAT hat heute angekündigt, dass die Kurzarbeit am Standort Haag per 1. Dezember beendet wird. Grund dafür ist die starke Nachfrageentwicklung im Bereich Advanced Industrials. In den beiden anderen Geschäftseinheiten Halbleiter und Global Service hat sich die Nachfragesituation zuletzt stabilisiert. Allerdings rechnet das Management von VAT aufgrund der verhaltenen Wirtschaftsentwicklung auch im 1. Halbjahr 2024 mit einem anspruchsvollen Umfeld. Insgesamt bleibt der Konzern aber optimistisch bezüglich den mittelfristigen Wachstumsaussichten und möchte sich durch das Beenden der Kurzarbeit bereits für den erwarten Aufschwung in der Halbleiterindustrie vorbereiten.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 4.282%; DE: 2.429%; CH: 0.797%

Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen US-Staatsanleihe notiert weiter sehr tief. Auch in Europa und der Schweiz kommen die Zinsen deutlich zurück. Hintergrund der jüngsten Korrektur dürften die schwächeren Konjunkturaussichten sowie die sinkende Inflation sein. Beides führt dazu, dass die Zentralbanken die Zinsschraube nicht weiter anziehen, sondern eher lockern dürften, um die Wirtschaft in Schwung zu halten.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8728
Euro in US-Dollar: 1.0976
Euro in Franken: 0.9581

Der Euro notiert gegenüber dem Schweizer Franken wieder etwas tiefer und notiert nur noch knapp über der Grenze von 0.95. Die Bewegung dürfte in erster Linie auf einen erstarkten Schweizer Franken zurückzuführen sein, welcher im Zuge sinkender Zinsen zulegen konnte.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 78.22 pro Fass
Goldpreis: USD 2'042.96 pro Unze

Beim Ölpreis bleibt weiter das anstehende OPEC+ Treffen im Fokus. Scheinbar können sich die Parteien weiterhin nicht über die Produktionskürzungen einigen, obwohl der Preis deutlich zurückgekommen ist. Das Gold hingegen profitiert weiter von sinkenden Zinsen. Seit Anfang Oktober hat es um knapp 12% zugelegt.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: BIP-Wachstum 3. Quartal, QoQ, annualisiert
letzter: 4.9%; erwartet: 5.0%; aktuell: 5.2%

Das Bruttoinlandprodukt hat in den USA im dritten Quartal um 5.2% zugelegt und damit stärker zugenommen als ursprünglich erwartet. Vor allem die Konsumausgaben erwiesen sich im dritten Quartal weiter robust. Gleichzeitig ist die auf Basis des BIPs berechnete Inflation mit 2.3% unterdessen nur noch knapp über dem Zielband der Zentralbank. Dies stützt diejenigen Marktteilnehmer, welche den Zinsgipfel als überschritten betrachten.

Beat Schiffhauer

Senior Strategieanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Matthias Müller

Senior Finanzanalyst
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich