22. Dezember 2023, Tägliche Marktsicht

Keine neuen Impulse am Schweizer Aktienmarkt

Der Schweizer Leitindex SMI schloss am zweitletzten Handelstag vor Weihnachten 0.1% tiefer.

Aktienmarkt Schweiz

SMI: -0.11%, SPI: -0.15%, SMIM: -0.43%

Der Schweizer Aktienmarkt gab gestern in einem Handel, der von keinen Impulsen geprägt war, leicht nach. Die Volumen am zweitletzten Handelstag vor Weihnachten waren tief, entsprechend pendelte der SMI in einem engen Band und verlor letztlich 0.1% an Wert. Von den 20 Blue Chips notierten sieben Werte im positiven Bereich. Gefragt waren für einmal die über das Jahr schwach notierenden defensiven Indexschwergewichte Roche (+0.6%) und Nestlé (+0.4%). Dahinter reihten sich Sonova (+0.3%), Lonza (+0.3%), Sika (+0.2%), Alcon (+0.2%) und Partners Group (+0.1%) ein. Der Telekomkonzern Swisscom verlor 0.3%. Bloomberg-Berichten zufolge prüft der Konzern ein Angebot für das Italiengeschäft von Vodafone abzugeben, wobei bereits Anfang 2024 ein Angebot eingereicht werden könnte. Bislang hat die französische Iliad EUR 10.45 Mrd. für Vodafone Italien geboten. Am Tabellenende war gestern der Luxusgüterkonzern Richemont zu finden (-1.2%). Eine Gewinnschätzungsreduktion eines Brokers aufgrund des schwierigen Konsumumfelds und des starken Schweizer Frankens bei der Konkurrentin Swatch (-1.3%) belastete auch Richemont. Daneben waren im gestrigen Umfeld die Versicherer Swiss Re (-1.2%) und Swiss Life (-1.0%) nicht gefragt. Am Tabellenende des SMIM stand der Schokoladenhersteller Lindt + Sprüngli, der gestern erneut ohne nennenswerte Neuigkeiten 2.4% verlor.

Aktienmärkte Europa

EuroStoxx50: -0.20%, DAX: -0.27%

Auch der Handel an den europäischen Aktienmärkten war von einem impulslosen Handel und tiefen Volumen geprägt. Die Aktienmärkte kamen folglich kaum vom Fleck. Der länderübergreifende EuroStoxx50 fiel 0.2% zurück, während der deutsche DAX um 0.3% nachgab. Der spanische IBEX35 (+0.03%) konnte als einziger Länderindex unverändert schliessen. Auf Sektorenebene schwang einzig der Gesundheitssektor obenaus. Unterdurchschnittlich schlossen hingegen die Bereiche Immobilien, Zyklischer Konsum und Energie. An der Tabellenspitze des britischen FTSE100 stand der Telekomkonzern Vodafone (+2.3%), der von Berichten profitierte, wonach Swisscom ein Angebot für Vodafone Italia per Anfang Jahr abgeben soll.

Aktienmärkte USA

Dow Jones: +0.87%, S&P500: +1.03%, Nasdaq: +1.26%

Die amerikanischen Aktienmärkte zeigten sich von der freundlichen Seite und verbuchten nach den Kursverlusten zur Wochenmitte gestern wieder Kursgewinne. Schwache US-Konjunkturdaten schürten wieder Hoffnungen, wonach die US-Notenbank Fed 2024 rascher mit Zinssenkungen aufwarten könnte. Der technologielastige Nasdaq avancierte um 1.3%, während der marktbreite S&P500 1.0% und der US-Leitindex Dow Jones +0.9% höher schlossen. Auf Sektorenebene gab es keine Verlierer. Überdurchschnittlich waren gestern die Bereiche Zyklischer Konsum, Gesundheit und Kommunikationsdienste gefragt. An der Tabellenspitze des Dow Jones Index stand Intel (+2.9%) vor Salesforce (+2.7%). Salesforce profitierte von einem positiven Analystenkommentar.

Kapitalmärkte

Rendite 10 Jahre
USA: 3.901%; DE: 1.962%; CH: 0.623%

Die Zinsen verloren anfänglich noch einmal deutlich an Terrain, nachdem die gestern publizierten Wirtschaftsdaten in der Summe enttäuschten. Die Rendite der richtungsweisenden 10-jährigen Staatsanleihe notierte zwischenzeitlich bei 3.82% und damit so tief wie seit Ende Juli nicht mehr. Gegen Abend stiegen die Renditen jedoch wieder leicht an und beendeten den Handelstag gar leicht höher.

Währungen

US-Dollar in Franken: 0.8571
Euro in US-Dollar: 1.0999
Euro in Franken: 0.9427

Die enttäuschend ausgefallenen Wirtschaftsdaten aus den USA lasteten gestern auf dem US-Dollar. Der Greenback verlor gegenüber dem Schweizer Franken zwischenzeitlich etwa einen halben Rappen und notierte auf einem neuen Jahrestief. Auch gegenüber den restlichen G10-Währungen büsste der US-Dollar an Terrain ein.

Rohwarenmärkte

Ölpreis WTI: USD 74.46 pro Fass
Goldpreis: USD 2'048.16 pro Unze

Der Ölpreis notiert weiter deutlich über der 70-Dollargrenze. Die jüngsten Preisavancen dürften in erster Linie der jüngsten geopolitischen Entwicklung geschuldet sein. Im Roten Meer setzten mehrere Redereien die Durchfahrt in Richtung Suezkanal aus, nachdem sich Angriffe von Huthi-Rebellen auf Handelsschiffe gehäuft hatten. Die USA haben unterdessen weitere Truppen in die Region verlegt.

Wirtschaft und Konjunktur

USA: Bruttoinlandprodukt 3. Quartal (QoQ, annualisiert)
letzte: 2.1%; erwartet: 5.2%; aktuell: 4.9%

Die US-Wirtschaft ist gemäss den finalen Daten im dritten Quartal annualisiert um 4.9% und damit etwas weniger stark als erwartet gewachsen. Gegenüber dem zweiten Quartal deutlich zugelegt hat insbesondere das Wachstum des privaten Konsums, welches für 3.1% des Wachstums verantwortlich ist. Damit ist der private Konsum weiterhin eine tragende Stütze der amerikanischen Wirtschaft. Auch die Investitionen von Unternehmen und die Staatsausgaben haben im dritten Quartal zum Wachstum beigetragen. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass sich die US-Wirtschaft trotz starker Zinserhöhungen weiterhin sehr robust entwickelt.

USA: Philadelphia Fed Geschäftsklima (Dez.)
letzte: -5.9; erwartet: -3.0; aktuell: -10.5

Der gestern veröffentlichte Geschäftsklimaindex der Philadelphia Fed, welcher die Aktivität im Industriesektor misst, hat sich gegenüber dem Vormonat entgegen den Erwartungen wieder verschlechtert. Insbesondere bei den beiden wichtigen Subindizes «Offene Aufträge» und «Auftragseingang» vermelden wieder deutlich mehr Unternehmen einen Rückgang.

USA: Vorlaufende Konjunkturindikatoren (Nov.)
letzte: -1.0%; erwartet: -0.5%; aktuell: -0.5%

Der Index der vorlaufenden Indikatoren, welcher vom Conference Board erhoben wird, sank im November um weitere 0.5%. Der Sammelindex setzt sich aus zehn Frühindikatoren, wie beispielsweise den Neuaufträgen in der Industrie, zusammen. Bei den Frühindikatoren war zuletzt eine weit verbreitete Schwäche festzustellen, die auf eine Verschlechterung der Bedingungen auf dem Arbeitsmarkt, im verarbeitenden Gewerbe sowie dem Konsumentenvertrauen hindeutet. Damit dürfte sich die wirtschaftliche Situation in den USA weiter eintrüben.

Patrick Häfeli

Senior Strategieanalyst Fixed Income
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
Ansicht vom Gebäude der Niederlassung der St.Galler Kantonalbank in Zürich

Angela Truniger

Finanzanalystin
Stauffacherstrasse 41
8021 Zürich
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