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FRIMI App (From Immigration to Integration)

Europa und die Schweiz sehen sich in den letzten Jahren mit einem zunehmenden Flüchtlingsstrom, v.a. aus dem Nahen Osten und Afrika, konfrontiert. Auch im Kanton St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden steigt die Zahl der Flüchtlinge, die vorläufig oder längerfristig aufgenommen werden, stetig an.

Dabei ist eine möglichst schnelle Integration der Immigranten enorm wichtig, um Isolation, Rassismus, Parallelgesellschaften und soziale Spannungen zu vermeiden. Grundlage für eine solche Integration ist das Erlernen von Grundkenntnissen der deutschen Sprache für den Alltagsgebrauch. Aktuell werden die Flüchtlinge dazu eine Lektion  pro Woche in Deutsch unterrichtet. Dies ist an sich schon sehr wenig und zudem häufig die einzige Gelegenheit für die Flüchtlinge, Deutsch zu lernen. Da die Teilnehmer in diesen Deutschkursen aus sehr unterschiedlicher sozialer Herkunft kommen, sehr unterschiedliche Vorbildung mitbringen und unterschiedlich motiviert sind, dauert das Erlernen der deutschen Sprache bei den meisten Flüchtlingen zu lange, um eine schnelle Integration zu ermöglichen. Andererseits haben praktisch alle heutigen Flüchtlinge ein Smartphone und sehr viel ungenutzte Zeit, um etwas selbstständig erlernen zu können. Wieso nicht dieses vertraute und positiv besetzte Medium nutzen, um den Immigranten und Immigrantinnen Integration zu ermöglichen?

Projektidee

In diesem Projekt soll darum die mobile App FRIMI (FRom IMmigration to Integration) entwickelt werden,  die es Immigranten in den Kantonen  St. Gallen und Appenzell Ausserrhoden erlaubt, sich möglichst schnell zu integrieren. Im Zentrum steht dabei das Erlernen der deutschen Sprache für den Alltagsgebrauch. Die App bietet dazu den Flüchtlingen die Möglichkeit, spielerisch einen Grundwortschatz an relevanten Wörtern und deren Gebrauch in Alltagssituationen zu erlernen und zu üben. Da die App mobil ist, können die Flüchtlinge dies in ihrem eigenen Tempo an jedem Ort und zu jeder Zeit tun. Gleichzeitig mit dem Lernen der deutschen Sprache vermittelt die App ihnen wichtige Informationen zum Alltagsleben in der Schweiz und den Kantonen SG und AR, zu seiner Kultur, seiner Bevölkerung uam.

Der Kern der mobilen App FRIMI besteht aus einer Art Lernspiel für den Grundwortschatz in Deutsch. Darin werden die Bedeutung der Wörter, deren Aussprache und deren Verwendung in Sätzen in geeigneter Form erklärt (Text, Bilder, Audio, Video)  und kann mit geeigneten Lernspielangeboten geübt werden. In einer späteren Phase können weitere Lerneinheiten für Fortgeschrittene entwickelt werden.  Daneben bietet die App wichtige Informationen zum Lebensalltag, zur Bevölkerung und zum Kanton. FRIMI unterscheidet sich von normalen Lern-Apps darin, dass FRIMI auch Analphabeten das Erlernen des deutschen Grundwortschatzes ermöglicht und auch spezifische sprachliche Eigenheiten der deutschen Sprache, wie sie in der Ostschweiz gesprochen wird, berücksichtigt.

Nutzen

Gute Deutschkenntnisse bilden die Grundlage für eine erfolgreiche Integration von Flüchtlingen, von der die Immigranten und die Gesellschaft gleichermassen profitieren. Die mobile App ermöglicht aber nicht nur das schnelle Erlernen der grundlegenden Deutschkenntnisse, sie vermittelt gleichzeitig die wichtigen Informationen über die einheimische Bevölkerung im lokalen Umfeld, das Alltagsleben, sowie geltende Sitten und Gebräuche. Dies alles reduziert vorhandene Barrieren auf dem Weg zur schnellen und nachhaltigen Integration.

Einbezug freiwilliger Helfer

Die App wird von Studierenden der beteiligten Fachhochschulen sowohl technisch als auch inhaltlich entwickelt. Die Studierenden der ZHAW entwickeln und implementieren dabei die technischen Konzepte der mobilen App, während die Studierenden der PHSG die Lern-Konzepte und –Inhalte entwickeln. Es ist zudem vorgesehen, dass später sowohl die interessierte Bevölkerung als auch die Benutzer der App selber an der Weiterentwicklung der App mitarbeiten können, indem sie z.B. Wortvorschläge, Übersetzungen in die Landessprachen der Herkunftsländer der Immigranten oder Sprachaufnahmen für die Aussprache einzelner Wörter beisteuern. Dies können sie einfach über die App selber machen. So könnte längerfristig eine Art Wikipedia für Immigranten entstehen, die von den Immigranten selbst und der lokalen Bevölkerung zusammen betreut wird und sie so auch längerfristig näher zusammen bringt.

Meilensteine

03. Juli 2017
07. Juni 2017

FRIMI-Testlauf war erfolgreich

«Der zweite Testlauf war sehr erfolgreich», sagt Margrit Brunnschweiler-Koch. Für die Projektinitiantin, Prof. Dr. Hans-Peter Hutter und dem Studenten Matthias Käser von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaft (ZHAW) steht fest, die App, die beim Deutschlernen hilft, wird weiterentwickelt. Auch die Rückmeldung der Testpersonen war sehr positiv. Die App ist sehr benutzerfreundlich gestaltet, so dass sowohl Flüchtlinge mit akademischem Hintergrund als auch bildungsferne Migranten sie problemlos nutzen konnten.