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Ich sass dann da – eine Zeitreise im Klassenzimmer

Schulerinnerungen gehören zu den dauerhaftesten und lebendigsten Erinnerungen überhaupt. «Ich sass dann da» erzählt vom Gang der Dinge, aber auch von dem, was bleibt: die ersten Erfahrungen in der Schule.

Die Handlung: Eine Gruppe älterer Menschen begibt sich in ein Schulzimmer und berichtet dort über Schulerfahrungen von damals. Nach einer Weile kommt die Schulklasse von heute dazu, und die Erzählungen der «Alten» richten sich an die junge Generation. Am Ende landen die beiden Gruppen in der Gegenwart: Die Kinder haben sich ihre Schulbänke zurückerobert, und die Seniorinnen und Senioren werden zusammen mit dem Publikum zu Zuschauern.  

Unser Vorgehen nennen wir künstlerisch geformte Erinnerungsarbeit. Die Zusammenarbeit zwischen Theater-Profis und (älteren) Laien greift auf die in der sozialen Aktivierung von Senioren verbreitete Biografie- oder Erinnerungsarbeit zurück: Das Material der Aufführungen besteht zum Teil aus den persönlichen Erinnerungen der Darstellerinnen und Darsteller, die in gemeinsamen Erzählrunden und im Lauf der Proben ausgegraben und gesammelt werden. Diese Erinnerungen werden von der Dramaturgin bearbeitet und mit poetischen Texten über Kindheit und Schulzeit der österreichischen Dichterin Friederike Mayröcker verwoben. Sie bilden die Grundlage für die Inszenierung, die das Laienensemble und die Schulklasse zusammen mit der Regisseurin erarbeiten werden.

Die Aufführungen finden im Schulzimmer der jeweils beteiligten Schulklasse statt. Dieses wird für die Aufführungen nicht verändert. Es ist gleichzeitig Anknüpfungspunkt für die Erinnerungen der «Schulklasse» von damals und Gegenakzent zur Vergangenheit, es atmet die Atmosphäre des alltäglichen Schulbetriebs mit heutigen Kindern, die in der Aufführung ebenfalls in Erscheinung treten.

Die Interaktion zwischen zeitgenössischem Schulzimmer, Erwachsenen, die ihre authentischen Erinnerungen darbieten und literarischem Text hebt das teilweise private Material auf eine überpersönliche Ebene. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich, durch die Beteiligung der Schulkinder kommt auch die Zukunft zur Darstellung – eine Zeitreise kann stattfinden, gemeinsam und doch für jeden Beteiligten wieder anders.

Das Projekt bindet Menschen der älteren Generation und Kinder aktiv in einen künstlerischen Prozess ein und schafft Begegnungen zwischen den Generationen.